Kurzbeschreibung

Was wäre, wenn du dir ein Leben voller Wärme, Geborgenheit und Freude vorgestellt hättest, ein Leben mit liebevollen Eltern und den besten Freunden auf der ganzen Welt. Was wenn die Realität aber eine ganz andere ist? Die Eltern bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Deine Freunde dich nur ausgenutzt haben. Mein Leben hatte schon lange seinen Glanz verloren. Aber dann wurde alles nur noch schlimmer. Der Tag an dem ich zu Carlisle Cullen verschleppt wurde, war der Tag, an dem meine Seele endgültig starb.

Freitag, 19. Februar 2010

Kapitel 1

Bella PoV









„Miss Swan!“ Erschrocken fuhr ich hoch und blickte um mich. Als ich endgültig und vollkommen bei mir war und realisiert hatte, dass ich mitten im meinem BWL Kurs in der Uni saß und mein Professor, Mr Banner, gerade sehr böse in meine Richtung guckte, dämmerte mir, dass ich eingeschlafen sein musste.

„Schön dass sie uns auch endlich mit Ihrer geistigen Gegenwart beglücken. Ich dachte schon wir würden heute nur das Glück mit ihrem schlafenden Körper haben,“ kam es wie Peitschenhiebe aus seinem Mund. Er mochte mich noch nie und schien diesen Moment richtiggehend zu genießen. Aber es war mir relativ egal, was er, oder die anderen von mir hielten.

Gerade als ich irgendeine Entschuldigung murmeln wollte, ertönte das Klingeln zum Stundenende und erlöste mich. Alle sprangen schnell von ihren Stühlen auf, so dass keiner mehr weiter auf mich achtete. Mr Banner guckte mich noch kurz von oben herab an und drehte sich dann kopfschüttelnd zu seinem Pult um und räumte seine Sachen zusammen.

Eigentlich musste ich mich in seinem Kurs anstrengen, damit ich noch eine gute Note bekam, aber ich hatte gestern mal wieder eine Nachtschicht in der Bar übernehmen müssen, da Cindy nicht konnte. Und da Dan mir mit der Kündigung gedroht hatte wenn ich nicht einsprang, war ich natürlich sofort hin gegangen. Er wusste genau, dass ich es mir nicht leisten konnte arbeitslos zu werden und er hatte es schamlos ausgenutzt. Es war ein grausames und demütigendes Gefühl, so abhängig von jemanden zu sein, aber ich hatte mich schon länger damit arrangiert.

Seit dem Tod meiner Eltern vor fast 2 Jahren hatte ich schnell gelernt, dass man nichts im Leben geschenkt bekam. Weder Freundschaft, noch Geld. Noch nicht mal Nettigkeiten. Das war auch der Grund, dass ich meine ersten beiden Jobs schneller wieder gekündigt hatte, als dass ich sie angefangen hatte. Denn meine Chefs waren der abstrusen Ansicht, dass ich ihre Leibeigene wäre, mit denen sie ihren Spaß haben konnte, wie und wann sie wollten.

Auch wenn ich darauf angewiesen war zu Arbeiten und Geld zu verdienen, ich würde mich bestimmt nicht wie eine Nutte behandeln lassen, geschweige denn wie eine aufführen. Von mir aus sollten sie mich mit Worten beschämen, das war mir egal, da stand ich mittlerweile drüber. Aber mein Körper gehörte mir und ich würde es nie im Leben zulassen, das irgendeiner dieser schmierigen Ärsche ihn beschmutzen würde.

Mit Dan hatte ich Glück gehabt. Er hatte mir die Stelle in der Bar gegeben, obwohl ich gerade erst 21 Jahre geworden war und eigentlich gar keine Ahnung vom kellnern hatte. Und darüber hinaus war er immer fair und zahlte gut und vor allem pünktlich. Dieses kleine Glück, was ich bei ihm gefunden hatte, konnte ich nicht so einfach aufs Spiel setzen, nur weil Cindy, schon wieder, krank geworden war.

Außerdem hing ich in Mr Banners Kurs schon so weit hinterher, dass ich es gar nicht so schlimm fand, einer weiteren Stunde nicht folgen zu können. Auf die eine Stunde würde es auch nicht mehr ankommen, hatte ich mir gesagt. Aber dass ich einschlafe war nicht geplant gewesen. Und leider hatten sich die paar Freunde, die ich gehabt hatte, mich schon vor längerer Zeit fallen lassen, so dass ich mir bei keinem die Notizen hätte borgen können.

Kaum wurden die Lebensumstände mal etwas angespannter und man brauchte Geld, oder ein Dach über dem Kopf, kannten sie einen nicht mehr. Einer nach dem anderen hatte mir den Rücken zugekehrt, damit ich ihnen mit meinen Problemen nicht mehr zur Last fallen konnte. Immer schön weggucken und die Augen schließen, dann bekam man von dem Elend der Isabella Swan nichts mit und musste ihr auch nicht helfen.

Am Anfang hatten sie noch etwas wie ein schlechtes Gewissen, haben mich mit mitleidigen Blicken bedacht. Mir hin und wieder traurig zugelächelt. Doch das ließ recht schnell nach. Aus mitleidigen Blicken wurden schnell arrogante und überhebliche. Blicke die mir zeigen sollten, ich war ihrer nicht würdig, aber auch daran verloren sie schnell das Interesse. Es ist halt langweilig wenn das Opfer nicht mitspielt. Also gingen sie dazu über, mich komplett zu ignorieren.

Man grüßte mich nicht mehr, sah mich nicht mehr an. Und wenn ich irgendwo im Weg stand, ging man nicht an mir vorbei, oder um mich herum, nein, man rempelte mich an. Denn man wollte mir zeigen, ich war Luft in ihren Augen.

Am Anfang tat es weh, zu sehen wie oberflächlich und blind die Menschen waren. Zu sehen, wie anmaßend sie sich mir gegenüber benahmen und mich auf Grund ihrer Dummheit beleidigen und ausgrenzen wollten. Aber darüber wegzugucken war mittlerweile Alltag für mich! Ich wusste wo mein Stand, als arme Vollwaise in der blasierten Gesellschaft war.

Meine Eltern waren nie wohlhabend gewesen und eine Lebensversicherung hatten sie sich nie leisten können. Das bisschen Geld, was sie an Seite geschafft hatten, war für die Beerdigung drauf gegangen. Und ich, ja, ich stand allein und ohne Geld da. Der Vermieter hatte mich recht schnell aus der Wohnung geschmissen, weil ich die Miete nicht zahlen konnte und so hatte ich sogar die ersten Nächte auf einer Parkbank schlafen müssen.

Ab dem Tag, war ein Teil meines Lebens, meiner Hoffnung und meines Glaubens gestorben. Es war der Tag, als ein Teil meiner Seele starb.


Mein Leben bestand momentan nur aus schlafen, aufwachen, zur Uni gehen, arbeiten und zu hoffen, dass ich den nächsten Tag irgendwie überleben würde. Auf eine glorreiche und schöne Zukunft, mit Haus, Mann, Kindern und einem Border Collie hoffte ich schon lange nicht mehr. Ich hatte gelernt von Tag zu Tag zu leben und ließ alles auf mich zukommen. Es war ein Teufelskreis, aus dem es kein Entkommen gab.

Bella Maus, der liebe Gott hat sich einen wunderschönen Plan für dich ausgedacht, er hat noch viel mit dir vor. Du musst nur Geduld haben! hörte ich die Stimme meiner Mutter in meinem Kopf schallen. Das hatte sie mir immer wieder gesagt, seit dem ich 7 Jahre war. Sie hatte es gesagt, wenn ich nicht das Geburtstagsgeschenk bekommen hatte, welches ich mir so sehnlich gewünscht hatte und sie hatte es mir auch gesagt, als ich das erste Mal unglücklich verliebt war. Es war wie ein Gebet, welches sie mir immer wieder gepredigt hatte.

Ja, ich musste nur Geduld haben. Nur wie viel Geduld, dass hatte sie mir nicht verraten.

Ich versuchte jeden Tag etwas an Optimismus zu gewinnen und meine Hoffnung nicht vollkommen zu verlieren, doch es war hart nicht einfach aufzugeben. Nicht einfach den Tatsachen ins Auge zu sehen und einen Schlussstrich zu ziehen. Aber ich würde meine Eltern nicht enttäuschen, denn sie glaubten an mich. Nein. Sie sollten Stolz auf mich sein. Ich würde es schaffen und dies hier durchstehen, egal was ich erleiden und durchstehen musste, ich würde mich durchbeißen!

Irgendwann würde meine Zeit kommen! Daran glaubte ich ganz fest. Auch wenn die Hoffnung gering war!




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Nach der Uni ging ich in meine Wohnung, ich hatte nicht allzu viel Zeit bis ich bei Dan erscheinen musste. Es war Freitag und da war immer viel zu tun. Fast der halbe Campus versammelte sich immer in der Bar. Dazu noch die Leute aus der Umgebung und ich hatte eine verdammt anstrengende Nacht vor mir.

Aber viel Arbeit hieß auch viel Ablenkung und viel Trinkgeld. Vor allem in den späteren Stunden, wenn die Gäste schon alle nicht mehr wirklich nüchtern waren. Dann saß das Geld lockerer als gewohnt und ich konnte davon profitieren. Den Skrupel davor, betrunkene Menschen auszunutzen war an dem Tag gestorben, an dem sie angefangen hatten, mich zu verachten für Umstände, für die ich nichts konnte.
Also wer konnte mir verübeln, dass ich mich schon fast auf den Abend freute?

Nach einer schnellen Dusche schlüpfte ich in meine Jeans und zog mir ein Top über. Noch meine Chucks und ich war fertig. Wäre bequeme Kleidung nicht schon immer mein Style gewesen, wäre ich spätestens nach meinem Job bei Dan dazu gewechselt. Außerdem konnte ich mir eh nicht mehr leisten. Die Chucks hatte ich sogar jetzt schon seit 3 Jahren. Sie waren das letzte Weihnachtsgeschenk von meinen Eltern, welches ich bekommen hatte. Es war ein Teil von Ihnen und ich liebte sie über alles!

Und mal ganz davon abgesehen, war ich nie eines dieser Modepüppchen gewesen. Ich war schon immer lieber mit meinem Vater beim Baseball gewesen und hatte im Park Körbe mit ihm geschmissen, als vor dem Spiegel zu stehen und mich aufzutakeln. Dem konnte ich gar nichts abgewinnen.

Das war wahrscheinlich auch noch einer der Gründe, warum ich meine große Liebe noch nicht gefunden hatte. Bei den ganzen oberflächlichen Machos die hier rumliefen, hatte ich natürlich keine Chance. Ich hatte keinen Minirock an, keine künstlichen Fingernägel, kein Haarspray in den Haaren und leider auch kein Geld um in die angesagtesten Clubs zu gehen.

Aber für einen Freund hatte ich auch gar keine Zeit.

Dennoch sehnte ich mich nach Jemanden, der mich mal in den Arm nahm, einfach nur da war. Jemanden an den man sich anlehnen konnte und die Welt einfach mal vergessen konnte, alles Schlechte ausblenden konnte.

Eine Umarmung hatte die Kraft Wunden zu heilen, die das menschliche Auge nicht sehen konnte. Und von diesen Wunden hatte ich in den letzten 2 Jahren genug abbekommen. Aber es war keiner da, der mir half, diese Wunden zu schließen. Also ignorierte ich sie und versuchte sie einfach zu vergessen und hoffte, es würde genügend Schorf darüber wachsen.

An manchen Tagen gelang es mir ganz gut, an anderen nicht.

Das waren meist die Tage, wo ich am Grab meiner Eltern saß und mich mit ihnen unterhielt! Die Tage wo alles hochkam, wo ich alles immer wieder durchlebte und litt. Aber genau das gab mir immer Kraft. Kraft weiterzukämpfen und nicht aufzugeben. Kraft das Leben aufzubauen und zu leben, welches meine Eltern sich für mich gewünscht hatten.




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Die Bar war schon recht voll als ich ankam und Dan wirkte erleichtert, als er sah, dass ich zur Tür reinkam. „Das wurd aber auch Zeit Mädchen. Lisa weiß schon nicht mehr wo ihr der Kopf steht, also los, die Arbeit wartet!“

Er war nie einer der große Reden hielt, seine Religion war seine Bar und dafür lebte er. Also traf es mich auch nicht, das er mir nie ‚Hallo‘ sagte, oder mich nach meinem Befinden fragte. Es war eh eine Frage, die ich nicht gerne beantwortet. Also war ich froh darüber, dass Dan so war, wie er war.

Ich schnappte mir ein Tablett und legte los, die Leute an den einzelnen Tischen zu bewirten. Ihre Blicke und Anzüglichkeiten ignorierte ich fast schon zu gut, aber so war es nun mal, wenn man mein Leben lebte. Man musste stark sein. Man durfte sich nicht die Blöße geben, Gefühle oder Trauer zu zeigen, man durfte nicht verletzbar wirken. Denn das wäre das gefundene Fressen für diese Piranhas gewesen, auf das sie sich nur allzu gerne gestürzt hätten.

Der Trubel in der Bar hielt mich auf Trab und so lief ich von Tisch zu Tisch, bis irgendwann Dan zu mir kam und meinte, ich könne jetzt Heim gehen. Den Rest würden Tom, Brian und er schon alleine schaffen. Ich trank noch schnell mein Glas Wasser aus, schnappte mir mein Geld was mir Dan hinhielt und steckte es zu meinem Trinkgeld, was ich den Abend über erbeutet hatte, dann verließ ich die Bar und machte mich auf den Heimweg.

Mittlerweile hatte es angefangen zu regnen und ich hatte weder Schirm, noch eine Jacke dabei. Ich versuchte mich an den Häuserwänden zu quetschen, um mich davor zu schützen, was aber nicht wirklich gut gelang. Es waren zwar nur ein paar Minuten bis zu meiner Wohnung, aber die reichten aus, dass ich pitschnass war, als ich endlich dort ankam.

Ich zog mir die Sachen aus und hing sie über die Heizung, damit sie trocknen konnten und nahm dann eine schnelle Dusche, damit sich meine nassen und angespannten Muskeln sich etwas lockern konnten. Danach zog ich mir ein altes T-Shirt an, machte ich das Licht aus und ging Schnurstraks ins Bett.

Früher, gerade als meine Eltern mich verlassen hatten, hatte ich eine Angst gegen die Dunkelheit entwickelt, weil ich mich immer alleine gefühlt hatte. Hatte immer nur diese Schwärze und Leere vor mir gesehen und gedacht, sie würde mich verschlucken. Also hatte ich immer ein Lämpchen brennen lassen. Aber als ich dann die Stromrechnung bekam, hatte ich auch diese Angst sehr schnell wieder in den Griff bekommen.

Nun lag ich im Dunkeln im Bett, hatte nur etwas Licht von der Straßenlaterne, die durch mein Fenster strahlte und hörte den Regen gegen das Fenster prasseln. Ich lauschte diesem Geräusch, welches eine beruhigende Wirkung auf mich hatte und war dankbar, einen weiteren Tag überstanden zu haben.

Über diesen Gedanken schlief ich dann irgendwann ein.

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