Kurzbeschreibung

Was wäre, wenn du dir ein Leben voller Wärme, Geborgenheit und Freude vorgestellt hättest, ein Leben mit liebevollen Eltern und den besten Freunden auf der ganzen Welt. Was wenn die Realität aber eine ganz andere ist? Die Eltern bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Deine Freunde dich nur ausgenutzt haben. Mein Leben hatte schon lange seinen Glanz verloren. Aber dann wurde alles nur noch schlimmer. Der Tag an dem ich zu Carlisle Cullen verschleppt wurde, war der Tag, an dem meine Seele endgültig starb.

Samstag, 20. Februar 2010

Kapitel 6

Bella PoV


Esme grinste mich an und drückte meine Hand, dann ging sie und schloss die Tür. Ich war mit dieser Alice alleine. Sie zitterte am ganzen Leib und hielt den Blick starr geradeaus, sie schien Angst zu haben. Zögernd ging ich auf sie zu, denn ich vertraute niemandem mehr. Allerdings, hatte sie den gleichen Verband um den Oberarm wie ich…


„Hallo? Ähm..Alice? Kannst du mich hören? Mein Name ist Isabella aber alle nennen mich Bella.“


Keine Reaktion, sie starrte immer noch die Wand gegenüber an. Vorsichtig setzte ich mich auf die Kante ihres Bettes und ergriff sachte ihre Hand. Sie war eiskalt! Endlich drehte sie den Kopf in meine Richtung und sah mich an.

„Wwer..bist du?“ kam es zögernd von ihr. Na, endlich eine Reaktion! Also war sie doch nicht apathisch.


„Mein Name ist Bella und du bist Alice, soweit ich weiß. Wie bist du hier hingekommen? Hat man dich auch entführt?“

Sie blickte mich irritiert an und ich zeigte auf ihren Verband. Ihre Augen wurden groß, dann zeigte ich auf meinen Verband, der an genau der gleichen Stelle saß. Sie schien zu verstehen, wir hatten das gleiche Schicksal. Die Tränen bahnten sich ihren Weg über Alice Wangen während sie traurig guckte und zustimmend nickte.


„Ja, ich bin zu einem Vorstellungsgespräch gefahren und auf dem Hinweg bin ich von zwei großen, kräftigen Männern entführt worden. Das nächste an das ich mich erinnern kann, ist das ich einen sengenden Schmerz im Oberarm fühlte. Die haben mich gebrandmarkt! Stell dir das mal vor! Was ist das hier für ein Irrenhaus? Ich will nach Hause!“


Das kam mir doch bekannt vor. Sie fing wieder an zu zittern und warf sich in meine Arme, sie schien mir zu vertrauen. Eine ganze Zeitlang sagte keiner von uns ein Wort, wir hielten uns eng umschlungen und jeder weinte stumm seine Tränen.


„Bella, ich hab Angst. Was wollen die von uns?“

Ich hatte so eine leise Ahnung, wollte Alice aber nicht noch mehr ängstigen.

“Ich weiß es nicht, Alice! Aber wir müssen zusammen halten, wir sitzen hier im gleichen Boot. Ich weiß noch nicht wie, aber ich bin mir sicher, dass wir irgendwie fliehen können! Wir müssen nur etwas Geduld haben und uns einen Plan zu Recht legen.“


Ihr Gesicht hellte sich ein wenig auf, sie schien Hoffnung bei meinen Worten zu schöpfen.


“Fliehen? Meinst du das ernst? Das wäre fantastisch, ich will wieder nach Hause!“

Meine Stimme klang mutiger als ich mich fühlte, aber dadurch waren die Worte glaubwürdiger und genau das brauchte Alice jetzt. Und ich auch! “Klar, wir finden schon ein Lösung!“


Meine Augen glitten durch den Raum und suchten nach einem Fluchtweg, aber das war ausgeschlossen. Der Raum war hübsch eingerichtet, hell und freundlich, so wie der Rest des Gebäudes. Es gab auch ein Fenster, aber wie sollte es anders sein, es war vergittert und Esme hatte die Tür abgeschlossen.


Wir saßen in der Falle! Scheiße!


Alice hob den Kopf und blicke mir erst lange in die Augen, dann schwenkte Ihr Blick auf meinen verbundenen Arm. Der Ausdruck in ihren Augen wurde glasig und leer.


„Ach Bella, dich haben sie also auch gebrandmarkt? Auch so eine komische Blume?“

Ich biss die Zähne zusammen, Blume. Die Kannibalen hatten mir ‚ihr Zeichen‘ eingestanzt. Und nicht nur mir, auch Alice. Und wer weiß wie vielen anderen noch. Es gab da draußen so einige Türen mit Namensschildern!


„Ja, das haben sie“, nickte ich dann „Die Fleur de Lys.“


Ich sah förmlich die Frage in ihren großen, schönen dunklen Augen, sie kannte das Symbol scheinbar nicht. Sie dachte wohl es war wirklich nur eine Blume.


„Mit der Fleur de Lys wurden früher verurteilte Verbrecher gebrandmarkt. Aber sie ist auch das Symbol der Bourbonen, der französischen Königsfamilie, bis zur Revolution 1789, danach wurde sie verboten.“


Irgendwie schaltete mein Hirn auf Autopilot, wie konnte ich mich in einer so gefährlichen, vielleicht sogar lebensbedrohlichen Lage, an solche Nichtigkeiten erinnern? Aber so war es schon immer gewesen, mein Körper versuche zu überleben und klammerte sich an Normalitäten, wie das in der Schule gelernte zu wiederholen und runter zu rattern.


Alice richtete sich auf, zuerst war sie etwas wackelig auf ihren Beinen, dann fing sie an durch das Zimmer zu laufen. Nervös lief sie von einem Ende zum anderen und wieder zurück.


„Also, was könnten diese Wahnsinnigen mit uns vorhaben? Du glaubst gar nicht, was ich für Angst habe! Ich meine, gesagt haben sie nichts. Nur dieser Frau redet hier mit einem, aber die ist komplett irre! Die redet davon dass wir eine Familie sind, die immer zusammenhalten und alles ist schön. Die Welt ist rosarot und voller Herzen. Bla, bla, bla!“


Die Arme fing an verbittert zu lachen, dann aber wieder zu schluchzen. Ich konnte es hundertprozentig nachvollziehen, denn mir ging es genauso. Nur irgendwie hatte ich das Gefühl, ich müsse die Stärkere sein, einen kühlen Kopf bewahren, damit wir einen Chance hatten zu fliehen. Ansonsten wäre es aussichtslos. Aber wie?

Ich stand auf und nahm sie in die Arme ohne dabei die pochende Wunde auf meinem Arm zu beachten. Dann brach alles aus ihr heraus und sie erzählte mir wie sie gelebt hatte, was sie sich vom Leben erhoffte und dergleichen. Wie sich herausstellte hatte Alice ebenfalls keine Familie und keine großartigen Freunde, die sie vermissen würden. Wie bei mir! Sie plapperte wie ein Wasserfall, froh darüber, dass sie sich etwas ablenkte strich ich ihr über den Rücken, als wir plötzlich Stimmen vor der Tür vernahmen.

Man hörte fremde, männliche Stimmen, die ganz in der Nähe waren. „Ich hab doch gesagt, ich will sie mir nur mal ansehen, Laurent! Kann doch nicht schaden, ich bin auch ganz brav! Vertrau mir doch einfach mal.“


Ansehen? Wen? Alice? Mich?

Wir beide blickten uns angsterfüllt an und Alice zitterte wieder wie Espenlaub.


Der andere, der mit dem französischen Akzent, sie kam mir irgendwie bekannt vor, ich hatte sie schon mal gehört, antwortete sogleich: „ Jasper, ich kenne dein „nur mal gucken“, Esme hat gesagt, dass niemand die beiden stören soll!“

Stören? Wobei uns stören? Und was hieß ‚ich kenne dein nur mal gucken‘?

Ich verstand gar nix mehr, wollte es auch schon gar nicht wirklich wissen. Was es auch war, es konnte nichts Gutes sein. Aber bevor ich und Alice, irgendwie reagieren konnten, schnappte auch schon das Schloss auf und die Tür öffnete sich. Gebannt starrten wir in diese Richtung, immer noch Arm in Arm.


„Also gut, Mann. Aber mach schnell!“

Ein junger Mann betrat langsam den Raum und schloss die Tür unmittelbar wieder. Er bewegte sich ebenfalls sehr galant und war sehr leise, in all seinen Aktionen. Und er sah gut aus, sehr attraktiv! Blonde, wellige Haare, die sich um seine Augen kringelten. Er hatte beeindruckende blaue Augen die ich je gesehen hatte, edle Gesichtszüge und er war sehr blass, noch mehr als ich. Er gehörte also auch zu denen!

Dieser Mann blieb direkt vor uns stehen und würdigte mich keines Blickes, Gott sei Dank!

Aber er starrte die arme Alice in meinen Armen an. Sekunden- ja vielleicht sogar minutenlang und das ohne einmal zu blinzeln. Wie hypnotisierte blickte er zu ihr, durchbohrte sie mit seinen Blicken. Mit diesen Menschen stimmte irgendetwas nicht, definitiv! Er wirkte schon fast wie eine Statue!


Alice richtete den Blick krampfhaft auf den Boden, wollte diesen unangenehmen Blicken ausweichen. Er kam noch näher, so nah, bis sich seine Nasenspitze und die von Alice fast berührten. Es passte kaum noch ein Blatt zwischen die beiden. Dann hob er recht sanft ihr Kinn an, sodass sie ihm in die Augen blicken musste. Man sah Alice ihre Angst an, aber ich stand nur daneben, konnte mich nicht rühren.

Dieser Jasper lächelte raubtierhaft während seine Augen ihr Gesicht abtasteten. Die blauen Augen glichen starren, kalten Eisbergen, mich fröstelte es. Und dann, so schnell konnte ich gar nicht gucken, vergrub er seinen Kopf an ihrem Hals. Es hatte vielleicht einen Bruchteil einer Sekunde gedauert, da war sein Gesicht schon in Alice Halsbeuge verschwunden.

Er wird sie doch wohl nicht beißen?!

Alice versteifte sich am ganzen Körper, die Augen waren fest zusammengepresst, auch sie rechnete mit dem Schlimmsten! Dann konnte ich hören, wie er tief die Luft einzog. Er schnüffelte an Alice! Wie ein Tier! Als er seinen Kopf wieder zurückbog, war sein Lächeln noch breiter und beängstigender. „Perfekt. Alice, meine Süße, wir beide werden uns schon bald wiedersehen. Sehr bald!“

Damit machte er kehrt und ging aus dem Zimmer. Fast glaubte ich diese ganze Situation nur geträumt zu haben, so schnell ging es und so surreal war sie. Doch fast in der gleichen Minute öffnete sich die Tür erneut und Esme stand wieder vor uns.

„Wie ich sehe habt ihr beiden euch schon angefreundet! Klasse, das ist sehr schön! Ich mag es wenn sich meine Mädchen untereinander verstehen. Das fördert den Teamgeist. Kommt Kinder, ich zeige euch jetzt unseren Spielplatz draußen!“


Spielplatz? Meine Magensäure zeigte mir, dass sie auch noch da war und sehr aktiv war!

Schweigend folgten wir Esme wieder durch das Gebäude. Alice und ich hielten uns immer noch fest umklammert, keine wollte den anderen gehen lassen. Es waren jetzt viel mehr Menschen in den Gängen unterwegs. Leicht bekleidete Mädchen und elegant gekleidete Männer. Gute Laune Musik drang aus dezenten, kleinen Lautsprechern und dann sah ich IHN wieder! Der Mann, der so unglaublich schön war, dass es in den Augen weh tat. Aber auch der Mann, der einer Frau in den Hals gebissen hatte und ihr Blut getrunken hatte. Es war wie in Zeitlupe, wir gingen aufeinander zu und er blickte mir für einen kurzen Moment in die Augen. Es war als ob man kurz die Welt angehalten hatte, es gab nur ihn und mich. Wow, er hatte sehr intensive grüne Augen, die wie Sterne funkelten, es war fantastisch, nicht von dieser Welt! Ich hatte noch nie so einen schönen Mann gesehen, aber dann war der Moment vorbei und er war weg.


Ist wahrscheinlich auch besser so, sagte ich zu mir, wer weiß was der hinter seiner perfekten Fassade verbirgt?



Esme öffnete eine Tür am Ende des Ganges. Kalte, klare Nachtluft schlug mir ins Gesicht und ehe ich realisierte, dass wir draußen waren, durchdrang ein bestialischer Schrei die Nacht. Ein Schrei, der einen bis ins Mark erschütterte, das Blut in den Adern gefrieren ließ. Suchend blickte ich mich um und sah einen sehr gepflegten Garten und einen riesiges Labyrinth…was zur Hölle war das denn?

Ehe jemand etwas sagen konnte, rannte eine junge Frau, die völlig aufgelöst war auf uns zu. Ihr rotblondes Haar war zerzaust und ihr dunkel grünes Kleid war zerrissen. Ein dünnes Rinnsal Blut lief ihr über den Hals, sie war gebissen worden.

„Esme, Esme“, schrie sie außer sich.

Esme war ganz ruhig, fast schon stoisch als sie zu ihr ging. „Was ist denn passiert, Tanya? Du bist ja ganz aufgelöst! Ganz ruhig, atme erst mal tief durch.“


Tanya keuchte und bedeutete Esme ihr zu folgen. Diese winkte uns ran, wir mussten ihr hinterher, also betraten wir gemeinsam den unheimlichen Irrgarten. Wir bogen um Ecken und Büsche, stundenlang wie mir schien, immer tiefer in dieses Labyrinth. Alice hatte sich an meinen gesunden Arm geklammert, sie zitterte schon wieder. Aber mir ging es auch nicht besser.


Auf einmal stoppte Tanya und zeigte auf den Boden. Als wir näher kamen, wollten mir vor Schock die Knie wegsacken, so ein grausames Bild bot sich uns. Auf dem Boden lag eine Frau, ebenfalls mit einem zerrissenen Kleid, ihr blondes Haar war blutüberströmt. Ihre Halsschlagader war zerfetzt und ihre starren Augen blickten weitaufgerissen in die Sterne über uns.

Sie war tot.

Angewiderte drehte ich mich weg, Alice erbrach sich geräuschvoll neben mir. Mir wurde bewusst, dass dieses tote Mädchen eine von uns war. Eine wie Alice und ich. Sie würden uns töten, wir würden hier sterben.

Esme packte in aller Seelenruhe ihr Handy aus und tippte ein paar Nummern, dann sprach sie sachlich und kühl, als ob es das normalste von der Welt wäre: „Es ist mir egal James, egal wie, aber ich will das sich jemand um das Problem kümmert! Ich lasse hier komplett los.“


Dann legte sie auf und lächelte uns an. „Mädels, ihr habt doch bestimmt Hunger, nicht wahr?“

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