Kurzbeschreibung

Was wäre, wenn du dir ein Leben voller Wärme, Geborgenheit und Freude vorgestellt hättest, ein Leben mit liebevollen Eltern und den besten Freunden auf der ganzen Welt. Was wenn die Realität aber eine ganz andere ist? Die Eltern bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Deine Freunde dich nur ausgenutzt haben. Mein Leben hatte schon lange seinen Glanz verloren. Aber dann wurde alles nur noch schlimmer. Der Tag an dem ich zu Carlisle Cullen verschleppt wurde, war der Tag, an dem meine Seele endgültig starb.

Freitag, 26. Februar 2010

Kapitel 7

Bella PoV




Dann legte sie auf und lächelte uns an. „Mädels, ihr habt doch bestimmt Hunger, nicht wahr?“

Ich guckte diese Irre an und wusste nicht wie ich reagieren sollte. Hier lag ein totes und wirklich übel zugerichtetes Mädchen vor unseren Füßen und sie fragt uns allen Ernstes ob wir Hunger hatten? Wie krank können Menschen eigentlich sein? Gab es verschiedene Abstufungen der Dummheit? Etwas dumm, halb dumm, extrem Dumm, Esme! Wunderbar!
„Nein Danke, mir ist gerade der Hunger vergangen!“

„Gut. Dann führe ich euch erst hier herum und später bekommt ihr dann etwas zu essen! Schließlich seid ihr schon den ganzen Tag auf den Beinen und habt noch keinen Bissen zu euch genommen, wir wollen doch nicht das ihr vom Fleisch fallt.“

Ich räusperte mich und zeigte mit meinem Kopf Richtung der Toten. Lady Psycho erwartete doch jetzt nicht wirklich, dass wir weiter mit ihr hier draußen rumrennen, während hier Menschen getötet wurden? Wir könnten die nächsten sein, die es erwischt!
„Mach dir mal darüber keinen Kopf Kindchen! Es ist ein Betriebsunfall und wir werden uns schon darum kümmern. Normalerweise kommt das nicht vor, aber wo gehobelt wird da fallen halt auch Späne!“

Sollte mich DAS jetzt beruhigen? Alice neben mir hatte ebenfalls einen unglaubwürdigen Blick aufgesetzt. In ihren Augen lass ich genau das gleiche, was ich im Kopf hatte. Nämlich das ihre Ignoranz keine Grenzen kannte und es ein Fass ohne Boden war!
Esme schien unser Zögern zu bemerken und kam mit einem verständnisvollen Blick auf uns zu. Kurz vor uns blieb sie stehen, betrachtete erst mich, dann Alice. Dann hob sie ihre Hand und fuhr Alice über den Kopf, danach kam ich in diesen fragwürdigen Genuss der Zuwendung. Sie seufzte kurz auf, aber ihr Lächeln kehrte sehr schnell, zu schnell wieder zurück auf ihre Lippen.
„Ihr Süßen. Ich glaube ich muss euch da was erklären!“

Oh, erklären? Jetzt kamen wir der Sache schon näher. Ich spitzte die Ohren und versuchte meine innere Anspannung nicht allzu sehr zu zeigen. Aber um ehrlich zu sein, jede einzelne meiner Nervenfaser war zum Zerreißen gespannt.
„Wie ihr schon bemerkt habt, sind wir keine Menschen. Wir sind Vampire und nähren uns von menschlichem Blut. Damit nicht wahllos unschuldige Menschen getötet werden, bieten wir den Kunden in unserem Etablissement Menschenblut an. Und da Vampire von Natur aus Jäger sind, gibt es hier draußen diesen schönen Parcours, in dem wir unsere Triebe ausleben und unsere Beute jagen können. Es ist eine Art besonderer Kick, wenn man einem Menschen verfolgt und ihn dann fängt. Das ganze Adrenalin in den Adern, ein wahrer Gaumenschmaus. Natürlich ist es nicht vorgesehen, dass unsere Kinder leergetrunken werden, so wie die arme Amanda. Wir werden uns diesem Fall annehmen und dem Vampir ein Lokalverbot erteilen, denn wir wollen ja, dass ihr hier gerne mit uns zusammen arbeitet.“
Ok, jetzt war sie komplett durchgedreht! Sie waren Vampire und boten hier Menschenblut an. Wobei, nach alledem, was ich hier gesehen und erlebt hatte, passte das eigentlich perfekt. Zu perfekt. Aber es gab doch keine Vampire? Diese Menschen mussten sich einbilden Vampire zu sein!
„Vampire?“ flüsterte Alice kaum hörbar.
„Ja meine Liebe!“
Emse teilte ihre Lippen und zwei große, lange Fangzähne kamen zum Vorschein. Die waren doch nur angeklebt, oder? Ich merkte wie meine Beine schwer wurden, dieser Tag war einfach zu lang gewesen und es war einfach zu viel passiert, als dass man dies alles verarbeiten konnte. Mein Kreislauf meldete sich ebenfalls bei mir, denn es drehte sich auf einmal alles. Das Labyrinth umkreiste mich und die Geräusche hörten sich an, als ob sie gefiltert wurden und nur sporadisch zu mir durchdrangen. Dann wurde alles dunkel!



<*~*~*>




„Bella? Bella, bitte wach doch endlich auf!“

Mein Kopf dröhnte und meine Augen schmerzten, als ich sie öffnete und das helle Licht ungefiltert hineinschien. Ich war müde und ich hatte Muskelkater und Schmerzen an meinem Arm. Ich lag auf einem weichen Bett, welches ich nicht kannte. Wo zur Hölle war ich?
„Bella, da bist du ja wieder!“
Ich drehte mich in die Richtung aus der die Stimme kam und sah Alice am Ende des Bettes sitzen. Alice! Die Erinnerung holte mich ein und ich wusste wieder wo ich war. Naja, so halbwegs, denn dieses Zimmer kannte ich nicht. Ich öffnete meinen Mund und wollte etwas sagen, aber mein Hals war rau und es kam nur ein Gekrächzte raus.
„Hier, trink was“, sagte Alice und hielt mir ein Glas mit einer durchsichtigen Flüssigkeit hin. Bitte lass es Wodka pur sein! Ich nahm das Glas und trank es wie eine Verdurstende, die seit Wochen nichts mehr zu sich genommen hatte, in einem Zug leer. Es war Wasser, schade. Alkohol wäre mir jetzt lieber gewesen.
„Wo bin ich?“
„Erinnerst du dich nicht?“



„Doch, nur dieses Zimmer….. welches Zimmer ist das?“
„Na deins!“
Meins? Mit großen Augen sah ich Alice an, dann blickte ich mich in meinem Zimmer um. Es war ähnlich geschnitten wie das von Alice und auch genau so hell, allerdings standen die Möbel etwas anders. Das recht große Bett stand zentral in der Mitte, ein Kleiderschrank an der einen Seite, eine Kommode und Schreibtisch an der anderen. Es sah aus wie ein normales Jugendzimmer. Nur ohne Computer, Fernseher oder sonstigen technischen Schnickschnack.
Es war fast richtig gemütlich!
„Wohin geht diese Tür?“
Die Zimmertür gegenüber vom Bett hatte ich sofort erkannt, aber die kleinere, weiße Tür neben dem Kleiderschrank sagte mir nix und machte mir Hoffnung auf einen Fluchtweg. Vielleicht führte diese in eine Art Hinterzimmer, Flur oder ähnliches.
„Dort geht’s zum Bad!“
„Oh!“
„Weißt du Bella, wir teilen uns ein Bad. Ist das nicht toll, wir können uns immer gegenseitig besuchen kommen, wir müssen nur durch das Bad…. Oh scheiße, was red ich denn hier?! Wir sitzen hier fest bei barbarischen Vampiren und ich freue mich über ein Gemeinschaftsbad mit dir. Entschuldige bitte!“
„Sie sind wirklich Vampire?“
Alice sah mich vielsagend an und nickte dann mit traurigem Gesichtsausdruck. „Ja, wahrhaftige Vampire“, sagte sie leise. Sie schüttelte sich kurz und sah dann wieder zu mir. „Weißt du, als du…. als du ohnmächtig geworden bist, da hat dich dieser Laurent, der mit dem französischen Akzent hierher getragen. Esme und ich sind euch hinterhergelaufen. In der Zeit hat mir Esme noch mehr erzählt.“

Noch mehr? Was gab es denn noch? Reichte das alles nicht schon aus? Musste noch mehr kommen? Wie viel sollte ich denn noch ertragen? Wie viel mussten wir denn noch bewerkstelligen?
„Esme hat gesagt, dass es hier Gang und Gebe ist, den Vampiren nicht nur unser Blut zu geben, sondern auch unseren Körper. Dies wären zwei Sachen, die einfach zusammengehörten und wir dürften nichts auseinander reißen, was die Welt zusammengebracht hatte!“

Ja, dass klang definitiv nach Esme.
Also doch ein Bordell, ich wusste es. Ich musste hier die Beine breit machen für diese schmierigen Blutsauger. Und nicht nur das sie mich vergewaltigen würden, nein, sie würden so ganz nebenbei auch mein Blut trinken! Ein Gefühl der absoluten Leere machte sich in mir breit und es fühlte sich alles so sinnlos an. Dazu konnten sie mich nicht zwingen, eher würde ich sterben!
„Aber“, unterbrach Alice mich in meinen Gedanken. „Sie sagte auch, dass wir beide erstmal nur in der Bar kellnern müssten und hin und wieder unser Blut anbieten werden. Da wir beide, naja, wir beide sind noch unberührt, Jungfrauen, also würden wir erstmal keinen Sex haben müssen. Sie meinte, dass wir beide diese ganz besondere Erfahrung nicht zu schnell überstürzen sollten, denn den Moment werden wir ja im Leben nie vergessen wollen.“
Komischerweise beruhigte mich dies nicht im Geringsten. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass das bittere Ende noch kommen würde. Nur wann und in welcher Form, dass konnte ich noch nicht sagen. Aber bis es soweit war, musste ich einen Ausweg hier raus finden. Und zwar ganz schnell!

„Bella, ich habe Angst. Ich meine, sie werden unser Blut trinken und du hast gesehen was mit dieser Amanda passiert ist. Wer garantiert uns, dass morgen nicht du oder ich da draußen ausgesaugt und weggeschmissen werden? Esme erzählt vom schönen Leben und dass sie auf uns achten und den ganzen Stuss, aber letztendlich wollen die nur unser Blut. Und wenn wir nicht mehr sind, wird das nächste Mädchen gekidnappt.“

Alice hatte Recht, wir waren hier nicht sicher und nur wir selber konnten auf uns achten. Wir mussten es schaffen zu überleben, aber das würde nur gehen, wenn wir zusammenhielten und uns eine Strategie überlegten.

Ich wollte gerade etwas erwidern, als ich das Türschloss hörte und die Tür aufgeschwungen wurde. Esme stand im Rahmen und strahlte mich an. „Da bist du ja wieder“, kam es freudig über ihre Lippen. Sie trat ein und verschloss sorgfältig die Türe hinter ihr. „Du hast mir vielleicht einen Schreck eingejagt! Isabella, tu das nie wieder!“
Ich guckte sie nur perplex an und nickte.

„Alice, schön das du auch hier bist. Ich finde es toll, wie ihr euch gegenseitig helft und euch so unterstützt. So wie es sich für eine Familie gehört! Da geht mir richtig mein Herz auf.“

„Ja, ich hatte mir Sorgen gemacht, da bin ich hier rüber gekommen, um Bella zu helfen, wenn sie wieder zu sich kommt.“

Oh, Alice war auf eigene Faust hergekommen? Ein Glück das Esme nicht sauer war deswegen, dass hätte auch anders ausgehen können!

„So meine Kleinen Schätze, jetzt werden wir nochmal eure Verzierungen säubern, denn wir wollen ja nicht, dass sich euer Arm entzündet. Und danach werdet ihr endlich etwas zu essen bekommen, ihr müsst ja schon regelrecht verhungert sein. Gott, ich fühle mich so elend, aber wir Vampire essen nicht, daher vergesse ich das hin und wieder. Ich hoffe ihr verzeiht mir das und seid mir nicht böse!“

Damit griff sie sich meinen Arm und öffnete den Verband. Zuerst wollte ich nicht hinsehen, aber die Neugierde gewann dann doch die Oberhand. Der Arm war immer noch leicht geschwollen und leuchtete im schönsten rot. Sobald die kühle Luft an die Brandwunde kam, stöhnte ich kurz auf. Es tat weh, aber auch so gut!

„Schschsch…. Gleich wird es besser werden. Das verspreche ich dir!“

Erst jetzt bemerkte ich die kleine Tasche die sie dabei hatte. Sie wühlte kurz darin und holte dann einen Tuch und Desinfektionsspray raus, wofür ich schon fast dankbar war. Nicht nur das sie mich brandmarken, sie kümmerten sich wenigstens auch um die Wunde. Als sie mit dem nassen Tuch dann über die Wunde fuhr, zog ich scharf die Luft ein, das brannte wie Feuer. Ich musste mich zusammennehmen um nicht laut loszuschreien.

Als sie fertig war und das Tuch weglegte, ließ der Schmerz etwas nach, aber er zog sich immer noch durch den ganzen Arm. Scheiße, wie sollte ich das überleben, bis die Wunde irgendwann komplett verheilt war. Das war doch echt unmenschlich.

Doch kaum hatte ich mich versehen, da senkte Esme ihren Kopf und strich mit der Zunge über meine geschundene Haut. Sie leckte die Narbe von vorne bis hinten ab. Die Galle, die mir dabei zuerst im Magen rebellierte, beruhigte sich doch recht schnell wieder, denn der Schmerz ließ abrupt nach und meine Nerven entspannten sich.

Ich musste doch träumen! Wie konnte das sein?

Als sie fertig war strahlte sie voller Selbststolz und verband meinen Arm wieder aufs Neue. „Nur um sicher zu gehen, dass wirklich nichts drankommt und sich der Arm doch noch entzünden könnte!“ erklärte sie dann, als sie meinen erstaunten Blick sah.

„Äh, nein, ich ….äh…. Was hast du gemacht? Ich meine, der Schmerz ….. er ….. er ist weg!“

„Weißt du meine Süße, Vampirspeichel hat eine heilende Wirkung. Wie sollten wir sonst die Bisswunden wieder verschließen?“

Natürlich, das ich da nicht selber drauf gekommen bin, Hallo, was dachte sie denn bitte? Dieses Erlebnis musste ich erstmal sacken lassen. Das war die erste positive Erfahrung die ich gemacht hatte, seit ich in diesem Vampirbordell angekommen war. Und es war die beste Aktion, die die Psycho Lady hier vollbracht hatte. Ich war sogar kurz davor ihr um den Hals zu fallen, aber ich konnte mich gerade noch zurück halten.

Nachdem sie mit mir fertig war, wiederholte sie diese Prozedur bei Alice, die sich das Ganze auch nur ungläubig ansah. Sie entspannte sich merklich, als auch der Schmerz bei ihr endlich nachließ. Nachdem Alice Arm wieder verbunden war und wir beide eine Sorge weniger hatten, stand Esme vom Bett auf und sah uns mit einem seltsamen Ausdruck in den glasigen Augen an. „Ihr wisst gar nicht wie schön es ist, so für euch sorgen zu können! Ich werde euch nun das Essen bringen lassen! Nach dem Essen werdet ihr dann etwas schlafen, Carlisle wird euch dann morgen einweisen.“

Schon war sie aus der Tür verschwunden und Alice und ich konnten uns nur perplex angucken. Und bevor wir auch nur die Chance hatten, etwas über das gerade erlebte zu sagen, wurde die Türe erneut geöffnet und dieser blonde Jasper stand mit einem Tablett in der Tür. Das Gesicht hatte wieder den Ausdruck eines Raubtiers auf der Jagd, das seine Beute erspäht hatte.
Und seine Beute war erneut Alice.

Diese versteifte sich neben mir auf dem Bett, als sie realisiert hatte, wer da in der Tür stand und wie dieser jemand sie schon wieder ansah! Oh Fuck, irgendwie hatte ich das Gefühl, dass das noch mal böse enden würde mit diesem Kerl. Der war so extrem auf Alice fixiert, dass es nicht mehr gesund sein konnte.

Mit einer unwirklichen Schnelligkeit, die viel zu schnell für meine Augen war, stand er dann neben dem Bett und nahm einen der beiden Teller vom Tablett und stellte ihn auf meinen Nachttisch. Den zweiten behielt er auf dem Tablett.

„Alice, komm, ich bringe dich in dein Zimmer.“

Bitte? Der glaubte doch nicht ernsthaft, dass Alice mit ihm kommen würde? Alice war bei seinen Worten kreidebleich geworden und starrte ihm mit einer Angst in den Augen an, die richtig greifbar war. „Esme hat gesagt, sie soll bei mir bleiben, weil mein Kreislauf eben schwach gemacht hat!“ kam es mir über die Lippen, ohne dass ich wirklich wusste, was ich da sagte.

Ich hatte kaum das letzte Wort gesagt, da stand er auch schon direkt vor mir, nur ein paar Zentimeter trennten uns noch. Er starrte mir mit diesen unheimlich schönen und so beängstigenden blauen Augen an. Ich hielt erschrocken die Luft an, wusste nicht was er vorhatte. Aber man sah ihm an, dass er über Leichen gehen würde um das zu bekommen, was er wollte. Er legte den Kopf schief, ließ mich nicht eine Sekunde aus den Augen.

„Ich glaube mein Bruder wird sich mal um dich kümmern müssen, dann wird DAS nicht mehr passieren!“

Bei seinen Worten lief es mir eiskalt den Rücken runter. Ich kannte seinen Bruder nicht und wollte auch nicht wissen, was mir blühen würde, wenn ich ihn kennen lernen würde. Aber die Hauptsache war, dass er nicht mit Alice in ihr Zimmer verschwinden würde. Wer konnte schon sagen, was er mit ihr vorhatte!

Dann, wieder in einer unmenschlichen Schnelligkeit, stand er bei Alice und hatte ihr ihren Kopf an den kurzen Haaren nach hinten gerissen. Ein Schrei blieb mir im Hals stecken, als er ihr genüsslich über die Hauptschlagader leckte. Und dann, war er auch schon wieder verschwunden und wir waren alleine in meinem Zimmer.

Samstag, 20. Februar 2010

Kapitel 6

Bella PoV


Esme grinste mich an und drückte meine Hand, dann ging sie und schloss die Tür. Ich war mit dieser Alice alleine. Sie zitterte am ganzen Leib und hielt den Blick starr geradeaus, sie schien Angst zu haben. Zögernd ging ich auf sie zu, denn ich vertraute niemandem mehr. Allerdings, hatte sie den gleichen Verband um den Oberarm wie ich…


„Hallo? Ähm..Alice? Kannst du mich hören? Mein Name ist Isabella aber alle nennen mich Bella.“


Keine Reaktion, sie starrte immer noch die Wand gegenüber an. Vorsichtig setzte ich mich auf die Kante ihres Bettes und ergriff sachte ihre Hand. Sie war eiskalt! Endlich drehte sie den Kopf in meine Richtung und sah mich an.

„Wwer..bist du?“ kam es zögernd von ihr. Na, endlich eine Reaktion! Also war sie doch nicht apathisch.


„Mein Name ist Bella und du bist Alice, soweit ich weiß. Wie bist du hier hingekommen? Hat man dich auch entführt?“

Sie blickte mich irritiert an und ich zeigte auf ihren Verband. Ihre Augen wurden groß, dann zeigte ich auf meinen Verband, der an genau der gleichen Stelle saß. Sie schien zu verstehen, wir hatten das gleiche Schicksal. Die Tränen bahnten sich ihren Weg über Alice Wangen während sie traurig guckte und zustimmend nickte.


„Ja, ich bin zu einem Vorstellungsgespräch gefahren und auf dem Hinweg bin ich von zwei großen, kräftigen Männern entführt worden. Das nächste an das ich mich erinnern kann, ist das ich einen sengenden Schmerz im Oberarm fühlte. Die haben mich gebrandmarkt! Stell dir das mal vor! Was ist das hier für ein Irrenhaus? Ich will nach Hause!“


Das kam mir doch bekannt vor. Sie fing wieder an zu zittern und warf sich in meine Arme, sie schien mir zu vertrauen. Eine ganze Zeitlang sagte keiner von uns ein Wort, wir hielten uns eng umschlungen und jeder weinte stumm seine Tränen.


„Bella, ich hab Angst. Was wollen die von uns?“

Ich hatte so eine leise Ahnung, wollte Alice aber nicht noch mehr ängstigen.

“Ich weiß es nicht, Alice! Aber wir müssen zusammen halten, wir sitzen hier im gleichen Boot. Ich weiß noch nicht wie, aber ich bin mir sicher, dass wir irgendwie fliehen können! Wir müssen nur etwas Geduld haben und uns einen Plan zu Recht legen.“


Ihr Gesicht hellte sich ein wenig auf, sie schien Hoffnung bei meinen Worten zu schöpfen.


“Fliehen? Meinst du das ernst? Das wäre fantastisch, ich will wieder nach Hause!“

Meine Stimme klang mutiger als ich mich fühlte, aber dadurch waren die Worte glaubwürdiger und genau das brauchte Alice jetzt. Und ich auch! “Klar, wir finden schon ein Lösung!“


Meine Augen glitten durch den Raum und suchten nach einem Fluchtweg, aber das war ausgeschlossen. Der Raum war hübsch eingerichtet, hell und freundlich, so wie der Rest des Gebäudes. Es gab auch ein Fenster, aber wie sollte es anders sein, es war vergittert und Esme hatte die Tür abgeschlossen.


Wir saßen in der Falle! Scheiße!


Alice hob den Kopf und blicke mir erst lange in die Augen, dann schwenkte Ihr Blick auf meinen verbundenen Arm. Der Ausdruck in ihren Augen wurde glasig und leer.


„Ach Bella, dich haben sie also auch gebrandmarkt? Auch so eine komische Blume?“

Ich biss die Zähne zusammen, Blume. Die Kannibalen hatten mir ‚ihr Zeichen‘ eingestanzt. Und nicht nur mir, auch Alice. Und wer weiß wie vielen anderen noch. Es gab da draußen so einige Türen mit Namensschildern!


„Ja, das haben sie“, nickte ich dann „Die Fleur de Lys.“


Ich sah förmlich die Frage in ihren großen, schönen dunklen Augen, sie kannte das Symbol scheinbar nicht. Sie dachte wohl es war wirklich nur eine Blume.


„Mit der Fleur de Lys wurden früher verurteilte Verbrecher gebrandmarkt. Aber sie ist auch das Symbol der Bourbonen, der französischen Königsfamilie, bis zur Revolution 1789, danach wurde sie verboten.“


Irgendwie schaltete mein Hirn auf Autopilot, wie konnte ich mich in einer so gefährlichen, vielleicht sogar lebensbedrohlichen Lage, an solche Nichtigkeiten erinnern? Aber so war es schon immer gewesen, mein Körper versuche zu überleben und klammerte sich an Normalitäten, wie das in der Schule gelernte zu wiederholen und runter zu rattern.


Alice richtete sich auf, zuerst war sie etwas wackelig auf ihren Beinen, dann fing sie an durch das Zimmer zu laufen. Nervös lief sie von einem Ende zum anderen und wieder zurück.


„Also, was könnten diese Wahnsinnigen mit uns vorhaben? Du glaubst gar nicht, was ich für Angst habe! Ich meine, gesagt haben sie nichts. Nur dieser Frau redet hier mit einem, aber die ist komplett irre! Die redet davon dass wir eine Familie sind, die immer zusammenhalten und alles ist schön. Die Welt ist rosarot und voller Herzen. Bla, bla, bla!“


Die Arme fing an verbittert zu lachen, dann aber wieder zu schluchzen. Ich konnte es hundertprozentig nachvollziehen, denn mir ging es genauso. Nur irgendwie hatte ich das Gefühl, ich müsse die Stärkere sein, einen kühlen Kopf bewahren, damit wir einen Chance hatten zu fliehen. Ansonsten wäre es aussichtslos. Aber wie?

Ich stand auf und nahm sie in die Arme ohne dabei die pochende Wunde auf meinem Arm zu beachten. Dann brach alles aus ihr heraus und sie erzählte mir wie sie gelebt hatte, was sie sich vom Leben erhoffte und dergleichen. Wie sich herausstellte hatte Alice ebenfalls keine Familie und keine großartigen Freunde, die sie vermissen würden. Wie bei mir! Sie plapperte wie ein Wasserfall, froh darüber, dass sie sich etwas ablenkte strich ich ihr über den Rücken, als wir plötzlich Stimmen vor der Tür vernahmen.

Man hörte fremde, männliche Stimmen, die ganz in der Nähe waren. „Ich hab doch gesagt, ich will sie mir nur mal ansehen, Laurent! Kann doch nicht schaden, ich bin auch ganz brav! Vertrau mir doch einfach mal.“


Ansehen? Wen? Alice? Mich?

Wir beide blickten uns angsterfüllt an und Alice zitterte wieder wie Espenlaub.


Der andere, der mit dem französischen Akzent, sie kam mir irgendwie bekannt vor, ich hatte sie schon mal gehört, antwortete sogleich: „ Jasper, ich kenne dein „nur mal gucken“, Esme hat gesagt, dass niemand die beiden stören soll!“

Stören? Wobei uns stören? Und was hieß ‚ich kenne dein nur mal gucken‘?

Ich verstand gar nix mehr, wollte es auch schon gar nicht wirklich wissen. Was es auch war, es konnte nichts Gutes sein. Aber bevor ich und Alice, irgendwie reagieren konnten, schnappte auch schon das Schloss auf und die Tür öffnete sich. Gebannt starrten wir in diese Richtung, immer noch Arm in Arm.


„Also gut, Mann. Aber mach schnell!“

Ein junger Mann betrat langsam den Raum und schloss die Tür unmittelbar wieder. Er bewegte sich ebenfalls sehr galant und war sehr leise, in all seinen Aktionen. Und er sah gut aus, sehr attraktiv! Blonde, wellige Haare, die sich um seine Augen kringelten. Er hatte beeindruckende blaue Augen die ich je gesehen hatte, edle Gesichtszüge und er war sehr blass, noch mehr als ich. Er gehörte also auch zu denen!

Dieser Mann blieb direkt vor uns stehen und würdigte mich keines Blickes, Gott sei Dank!

Aber er starrte die arme Alice in meinen Armen an. Sekunden- ja vielleicht sogar minutenlang und das ohne einmal zu blinzeln. Wie hypnotisierte blickte er zu ihr, durchbohrte sie mit seinen Blicken. Mit diesen Menschen stimmte irgendetwas nicht, definitiv! Er wirkte schon fast wie eine Statue!


Alice richtete den Blick krampfhaft auf den Boden, wollte diesen unangenehmen Blicken ausweichen. Er kam noch näher, so nah, bis sich seine Nasenspitze und die von Alice fast berührten. Es passte kaum noch ein Blatt zwischen die beiden. Dann hob er recht sanft ihr Kinn an, sodass sie ihm in die Augen blicken musste. Man sah Alice ihre Angst an, aber ich stand nur daneben, konnte mich nicht rühren.

Dieser Jasper lächelte raubtierhaft während seine Augen ihr Gesicht abtasteten. Die blauen Augen glichen starren, kalten Eisbergen, mich fröstelte es. Und dann, so schnell konnte ich gar nicht gucken, vergrub er seinen Kopf an ihrem Hals. Es hatte vielleicht einen Bruchteil einer Sekunde gedauert, da war sein Gesicht schon in Alice Halsbeuge verschwunden.

Er wird sie doch wohl nicht beißen?!

Alice versteifte sich am ganzen Körper, die Augen waren fest zusammengepresst, auch sie rechnete mit dem Schlimmsten! Dann konnte ich hören, wie er tief die Luft einzog. Er schnüffelte an Alice! Wie ein Tier! Als er seinen Kopf wieder zurückbog, war sein Lächeln noch breiter und beängstigender. „Perfekt. Alice, meine Süße, wir beide werden uns schon bald wiedersehen. Sehr bald!“

Damit machte er kehrt und ging aus dem Zimmer. Fast glaubte ich diese ganze Situation nur geträumt zu haben, so schnell ging es und so surreal war sie. Doch fast in der gleichen Minute öffnete sich die Tür erneut und Esme stand wieder vor uns.

„Wie ich sehe habt ihr beiden euch schon angefreundet! Klasse, das ist sehr schön! Ich mag es wenn sich meine Mädchen untereinander verstehen. Das fördert den Teamgeist. Kommt Kinder, ich zeige euch jetzt unseren Spielplatz draußen!“


Spielplatz? Meine Magensäure zeigte mir, dass sie auch noch da war und sehr aktiv war!

Schweigend folgten wir Esme wieder durch das Gebäude. Alice und ich hielten uns immer noch fest umklammert, keine wollte den anderen gehen lassen. Es waren jetzt viel mehr Menschen in den Gängen unterwegs. Leicht bekleidete Mädchen und elegant gekleidete Männer. Gute Laune Musik drang aus dezenten, kleinen Lautsprechern und dann sah ich IHN wieder! Der Mann, der so unglaublich schön war, dass es in den Augen weh tat. Aber auch der Mann, der einer Frau in den Hals gebissen hatte und ihr Blut getrunken hatte. Es war wie in Zeitlupe, wir gingen aufeinander zu und er blickte mir für einen kurzen Moment in die Augen. Es war als ob man kurz die Welt angehalten hatte, es gab nur ihn und mich. Wow, er hatte sehr intensive grüne Augen, die wie Sterne funkelten, es war fantastisch, nicht von dieser Welt! Ich hatte noch nie so einen schönen Mann gesehen, aber dann war der Moment vorbei und er war weg.


Ist wahrscheinlich auch besser so, sagte ich zu mir, wer weiß was der hinter seiner perfekten Fassade verbirgt?



Esme öffnete eine Tür am Ende des Ganges. Kalte, klare Nachtluft schlug mir ins Gesicht und ehe ich realisierte, dass wir draußen waren, durchdrang ein bestialischer Schrei die Nacht. Ein Schrei, der einen bis ins Mark erschütterte, das Blut in den Adern gefrieren ließ. Suchend blickte ich mich um und sah einen sehr gepflegten Garten und einen riesiges Labyrinth…was zur Hölle war das denn?

Ehe jemand etwas sagen konnte, rannte eine junge Frau, die völlig aufgelöst war auf uns zu. Ihr rotblondes Haar war zerzaust und ihr dunkel grünes Kleid war zerrissen. Ein dünnes Rinnsal Blut lief ihr über den Hals, sie war gebissen worden.

„Esme, Esme“, schrie sie außer sich.

Esme war ganz ruhig, fast schon stoisch als sie zu ihr ging. „Was ist denn passiert, Tanya? Du bist ja ganz aufgelöst! Ganz ruhig, atme erst mal tief durch.“


Tanya keuchte und bedeutete Esme ihr zu folgen. Diese winkte uns ran, wir mussten ihr hinterher, also betraten wir gemeinsam den unheimlichen Irrgarten. Wir bogen um Ecken und Büsche, stundenlang wie mir schien, immer tiefer in dieses Labyrinth. Alice hatte sich an meinen gesunden Arm geklammert, sie zitterte schon wieder. Aber mir ging es auch nicht besser.


Auf einmal stoppte Tanya und zeigte auf den Boden. Als wir näher kamen, wollten mir vor Schock die Knie wegsacken, so ein grausames Bild bot sich uns. Auf dem Boden lag eine Frau, ebenfalls mit einem zerrissenen Kleid, ihr blondes Haar war blutüberströmt. Ihre Halsschlagader war zerfetzt und ihre starren Augen blickten weitaufgerissen in die Sterne über uns.

Sie war tot.

Angewiderte drehte ich mich weg, Alice erbrach sich geräuschvoll neben mir. Mir wurde bewusst, dass dieses tote Mädchen eine von uns war. Eine wie Alice und ich. Sie würden uns töten, wir würden hier sterben.

Esme packte in aller Seelenruhe ihr Handy aus und tippte ein paar Nummern, dann sprach sie sachlich und kühl, als ob es das normalste von der Welt wäre: „Es ist mir egal James, egal wie, aber ich will das sich jemand um das Problem kümmert! Ich lasse hier komplett los.“


Dann legte sie auf und lächelte uns an. „Mädels, ihr habt doch bestimmt Hunger, nicht wahr?“

Freitag, 19. Februar 2010

Kapitel 5

Bella PoV

 


“Isabella hat, denke ich mal, etwas Falsches gegessen, ich werde ihr etwas gegen die Übelkeit geben, damit sich ihr Magen wieder beruhigt“ und mit einem letzen lüsternen Blick in meine Richtung hing er noch dran „Du kannst dich dann wieder anziehen Isabella!“


„Hier Isabella, ich habe dir ein paar frische Sachen mitgebracht.“

Esme hielt mir ein paar Anziehsachen entgegen, die ich mir einfach schnappte ohne sie mir genau anzusehen, ich wollte nur noch hinter den rettenden Vorhang, um mich endlich vor diesen lüsternen Blicken des Psycho Docs zu schützen. Ich würde mir auch nur den Vorhang umhängen, damit er meinen Körper nicht mehr mit seinen Augen abtasten konnte. Jede Stelle, die er berührt hatte, die er angesehen hatte, fühlte sich einfach nur schmutzig an.

Als ich endlich in der kleinen Nische stand und mich keiner mehr angucken konnte, atmete ich erst einmal tief durch. In meinem Mund hatte ich immer noch den säuerlichen Geschmack meiner Magensäure, die sich ebenso glorreich ihren Weg ins Freie gesucht hatte. Ich hatte nur etwas Falsches gegessen. Aber natürlich. Hier waren sie doch alle wahnsinnig.

Ich nahm die Sachen, die Esme mir in die Hand gedrückt hatte und begutachtete sie. Was sollte das denn sein? Ein schwarzer kurzer Rock und ein dunkelrotes, viel zu enges Oberteil, mit roter Seidenunterwäsche. Hallo, hier drin war es eh schon total kalt, ich würde mir nur mit diesen Klamotten bedeckt den Tod holen. Außerdem, warum musste ich mir diesen Nuttenfummel….. oh scheiße, es war wirklich ein Bordell!


„Isabella? Passen die Sachen?“

„Äh…. Kleinen Moment noch, bitte!“


Seit der Aktion eben, als Esme mit einer solch eiskalten Stimme mit mir gesprochen hatte, war ich auf der Hut mit dem, was ich sagte. Ich wollte überleben und irgendwie hier wieder raus kommen, also schön den Mund halten und mitspielen, bis man die Schwachstelle gefunden hatte! Und die würde es irgendwo geben! Hoffentlich!

Ich zog diese Sachen an und war schon gar nicht mehr erstaunt, dass sie perfekt passten. Keine Ahnung warum, aber sie kannten mich. Sie kannten mich genau! Sie wussten meinen Namen, wussten wo ich gearbeitet hatte und hatten mir aufgelauert und sie wussten auch meine Kleidergröße. Es war ein ohnmächtiges Gefühl, welches sich langsam mein Rückenmark hochzog.


„Isabella, wir haben nicht den ganzen Tag Zeit!“


Schnell schlüpfte ich in die roten, viel zu hohen Pumps, die ebenfalls perfekt passten und schnappte mir meine alten Anziehsachen und trat hinter dem Vorhang hervor. Beide beäugten mich genau. Während Esme strahlend auf mich zukam und mir erzählte wie wunderschön ich doch war und wie stolz sie war, dass ich nun zu ihnen gehörte, blickte Psycho Aro mich wieder mit diesem dunklen, hungrigen Blick an, was meine Magensäure wieder zum brodeln brachte.


„Komm Schatz, den alten Krempel brauchst du nicht mehr!“


Wie erstarrt musste ich mit ansehen, wie Esme meine Sachen, inklusive meiner geliebten Chucks meiner Eltern dem Doc in die Arme drückte. Ich wollte schreien, um mich schlagen, ihnen verständlich machen, dass diese Schuhe mein Leben waren, aber ich konnte nicht. Ich stand da wie festgefroren, wie eine Statute!


„Wir gehen jetzt erstmal zu Carlisle, er möchte deine Ergebnisse sehen. Danach zeig ich dir dann dein Zimmer und den Rest.“


Carlisle? Oh bitte nicht! Dann blieb ich doch lieber für eine weitere, ausführlichere Untersuchung hier! Allein der Gedanke an das letzte Mal, als ich Carlisle gesehen hatte, bereitet mir Magenkrämpfe. Er wollte sich gestern sexuell an mir vergehen! Verdammt, er konnte einfach nur ein Bordell sein, was anderes war einfach nicht möglich!

Esme nahm den Zettel, den Aro während der Untersuchung ausgefüllt hatte an sich, dann zog sie mich hinter sich her wieder raus auf den schummrigen Gang und führte mich durch die langen Flure, bis wir wieder vor Carlisle Büro standen. Ein Wunder, das ich heile auf diesen Monsterdingern an meinen Füßen hier angekommen war.

Ohne Anzuklopfen riss Esme die Türe auf und ging hinein. Mutig, wenn man bedenkt wie dieser Blonde Irre dieses Scheusal James dafür angefahren hat. Aber dann sah ich, wie Esme und Carlisle sich küssten. Mir fielen beinahe die Augen aus dem Kopf. Wobei, wenn man mit dieser Bestie zusammen war, dann musste man ja über kurz oder lang wahnsinnig werden.


„Isabella. Wie geht es dir?“


Carlisle hatte von Esme abgelassen und sich zu mir gewandt. Er musterte mich von Kopf bis Fuß und mich schauderte es. Ich konnte wirklich nicht sagen, wessen lüsterne Blicke widerlicher waren. Die von Carlisle oder die von Aro. Aber schlimmer fand ich, dass dieser Bastart es tat, während seine Freundin, oder Frau, oder was auch immer sie war, daneben stand. Aber die bekam das wahrscheinlich in ihrer eigenen kleinen Welt gar nicht mit. Sie grinste nur glücklich vor sich hin.

Carlisle umkreiste mich wie ein Jäger seine Beute. Begutachtet mich aus jedem Winkel. Als er mir unerwartet in die Haare griff, zuckte ich erschrocken weg, ich wollte von keinem dieser Ausgeburten der Hölle berührt werden. Carlisle gefiel diese Reaktion aber gar nicht, denn er festigte seinen Griff und zog meinen Kopf schon schmerzhaft an den Haaren zu sich. Im ersten Moment war ich mir nicht sicher, ob er mir nicht alle Haare auf einmal aus dem Kopf gezogen hatte, so sehr schmerze meine Kopfhaut.


„Isabella! Du gehörst jetzt mir. Und wenn ich dich anfassen will, dann tue ich das. Und du wirst dich nicht dagegen wehren. Ansonsten müssen wir hier andere Seiten aufziehen, verstanden?“


Seine Stimme war so hart, sie hätte glatt einen Felsblock zerschneiden können. Als ich mich nicht rührte, zog er noch einmal kräftig an meinen Haare, so dass ich vor Schmerz aufschrie.


„Ich habe gefragt ob du mich verstanden hast mein Schatz?!“


Ich nickte nur und war Gott dankbar, dass er mich endlich losließ. Meine Kopfhaut entspannte sich umgehend und ich atmete einmal tief durch, als der Schmerz langsam aber sicher nachließ. Aber immerhin hatte dies mich kurzzeitig von meinem Schmerz an meinem rechten Oberarm abgelenkt gewesen, den ich nun wieder wahrnahm.


„Dein Gesicht ist wirklich schön und Make-up wirst du auch nicht wirklich brauchen, aber mit den Haaren müssen wir dringend was machen. Das geht gar nicht. Victoria wird sich deiner annehmen. Ich werde morgen einen Termin machen.“


Aha, einen Frisörtermin, dachte ich sarkastisch. Kein Wunder wenn er mir vorher die Hälfte meiner Haare rausreißt.

„So dann lass mal sehen, was Aro so herausgefunden hat“, sagte er geschäftig und schaute sich den Zettel vom Psycho Doc an. Er las es ganz genau, aber sein Gesicht ließ nichts erkennen, was er dachte. Es war keine Regung zu sehen, nur ganz am Ende, flammten seine blauen Augen auf und man hatte das Gefühl, es würde ein Tornado über den Ozean ziehen. Was hatte er wohl gelesen, was ihm so gefallen hatte?


„Jungfrau?“


Oh fuck! Das hatte er gelesen. Nun hätte ich mich mal richtig selber in den Arsch beißen können, dass ich keinem der besoffenen Idioten aus Dans Bar nachgegeben hatte. Die hatten wenigstens noch halbwegs Gefühle gehabt und währen nicht SO assiozial mit mir umgegangen.

Seine Augen waren fest auf mich geheftet, durchbohrten mich beinahe. Dann nahm ein kleines Röhrchen, welches Esme ihm reichte. Eine rote Flüssigkeit war darin und ehe ich mich versah, hatte er es geöffnet und führte es an seinen Mund. Während er alles in einem Schluck leerte, verließen seine Augen mein Gesicht nicht eine Sekunde.

Und genau da brach es über mich herein, es trank mein Blut!

Oh scheiße, wie krank waren die Menschen hier bloß? Das war doch jetzt nicht sein Ernst! Dieser Aro hatte schon mein Blut so begafft, als er es mir aus der Vene gezogen hatte, aber wer hätte ahnen können, dass diese Leute wirklich und wahrhaftig Blut tranken? Ob das ein Kick für sie war? Ob es Kannibalen waren?


„Isabella, du bist der reinste Genuss!“


Carlisle stöhnte fast, als er die Worte aussprach und ich hatte das Gefühl, erneut kotzen zu müssen, aber ich konnte mich gerade noch zurückhalten. Denn ich wusste intuitiv, dass Carlisle anders reagieren würde, als Aro und Esme. Ihm würde das definitiv nicht gefallen! Und da ich keine Todessehnsucht hatte, beherrschte ich mich und meinen Magen.

Er leckte sich genießerisch mit der Zunge über die Lippen, dann kam er erneut auf mich zu. Ich stand nur da und sah ihn wie gebannt an. Wie ein verängstigter Hase der den Fuchs anstarrte, der sein Fressen gefunden hatte. Als er diesmal die Hand ausstreckte und mein Gesicht berührte, riss ich mich zusammen und zuckte nicht weg. Er strich mir fast schon sanft übers Gesicht, dann beugte er seinen Kopf herunter und küsste mich leicht auf den Mund.


„Du bist ein wahrer Schatz! Mit dir werden wir noch viel Spaß haben!“


Dann drehte er sich wieder zu Esme und sagte ihr, sie solle mir alles Weitere zeigen, er würde sich Morgen Zeit für mich nehmen. Wunderbar, konnte er es nicht gleich durchziehen und was auch immer er vorhatte mit mir machen? Dann müsste ich mich nicht die ganze Zeit mit Bauchschmerzen durch den Tag schleppen und Angst vor dem Morgen haben!


„Aber natürlich Liebling!“


Esme küsste Carlisle noch einmal mit Nachdruck und kam dann auf mich zu, während Carlisle sich erneut den Zettel von Aro durchlas und sich ein diabolisches Grinsen auf sein Gesicht legte. Was würde ich dafür geben, wenn ich Gedanken lesen könnte? Obwohl, wollte ich wissen was mit mir passieren würde?

Esme schnappte sich erneut meine Hand und zog mich wieder hinter sich her, quer durch die Flure, so dass ich schon den kompletten Überblick verloren hatte. Wie groß war dieses Haus? Dieses Anwesen? Es musste riesig sein! Und das, obwohl ich bisher nur im Erdgeschoss gewesen war.

„So meine Liebe, nun lernst du dein neues zu Hause kennen. Zuvor solltest du wissen, wir sind kein normales Etablissements! Wir im Bloody Bite bieten einen speziellen Service an und wie halten zusammen wie eine große Familie. Wenn du irgendwas auf dem Herzen hast meine Kleine, du kannst immer zu einem von uns kommen und es uns ausschütten!“

Na klar. Wovon träumt diese Frau bitte nachts? Ich überlegte schon, ob ich sie fragen sollte, was sie mit Etablissement meinte, aber da betraten wir schon einen großen Raum, der aussah, wie eine Bar. Es gab 2 Theken, jede Menge Tische und Stühle, eine Tanzfläche und sogar eine Bühne, die aber von einem schweren, schwarzen Vorhang verdeckt wurde.

Es waren nur ein paar Leute da, so dass die Musik nicht allzu laut war und man sich normal unterhalten konnte. Da fiel mir ein, dass ich die Musik gestern schon gehört hatte, als man mich hier her gebracht hatte. Da war die Musik lauter gewesen, also war wahrscheinlich auch mehr Publikum hier gewesen. Sollte ich mir umsonst Sorgen gemacht haben und nur in einer Bar mit ein paar Geisteskranken als Besitzer gelandet sein?


„Dort hinter der Bar steht Demitri, mit ihm wirst du dich bestimmt sehr gut verstehen! Hinter der Bar dort drüben steht Alec. Er ist auch ein wahres Goldstück!“


Ich guckte mir die beiden an, sie sahen relativ normal aus. Beide unterhielten sich mit den Kunden, aber wie aufs Stichwort hoben beide den Blick und guckten zu uns rüber. Hatte ich was verpasst? Hatten die ein Walki Talki oder so was bei sich?

Während Demitri gleichgültig zu mir rüber guckte und Esme zunickte, grinste Alec nur dumm und guckte mich mit lüsternen Blicken an. Wunderbar, der nächste Irre. Ja, mit Demitri würde ich mich wahrscheinlich wirklich besser verstehen!


„So, dort ist die Tanzfläche, dort die Bühne wo die Mädchen tanzen und die Klientel erfreuen!“


Klientel erfreuen? Hieß das, das sie tanzten oder strippten? Während ich noch einmal meinen Blick über diese Bar schweifen ließ, zog mich Esme gleich schon in den nächsten Flur. Für mich gab es keinen Unterschied zu den anderen Fluren, die ich hier schon gesehen hatte, aber Esme schien das anders zu sehen.


„Wie du sofort erkennst Isabella, sind hier die Räumlichkeiten, in denen sich die Mädchen mit ihren Eroberungen zurückziehen.“

Also doch ein Bordell! Scheiße! Ich wurde zur Hure gemacht!

„Isabella, ist alles ok mit dir meine Liebe?“

„Ist das….. ist….. ein Bordell?“

„Ein Bordell? Isabella ich bitte dich! Wir führen einen Club indem die Mädchen die Klientel erfreuen mit mehr als nur billigem Sex. Hier werden Freundschaften und Bindungen geschlossen. Hier werden wichtige Geschäfte gemacht. In einem Bordell gibt es nur notgeile Männer. Wir hier haben wir eine gehobene Gesellschaft, die viele Ansprüche stellt!“


Super, das sagte mir mal gar nichts! War es nun ein Bordell? Meine Gedanken rasten ohne Ende und in alle möglichen Richtungen, ohne mir eine richtige Antwort liefern zu können. Während Esme weiterging, folgte ich ihr auf den hohen Schuhen und versuchte einfach zu verstehen, was hier passierte, wo ich hier war.

In dem Moment wurde die Tür direkt neben mir geöffnet und eine recht hübsche Blondine kam aus dem Raum heraus. „Hallo Jane“, hörte ich Esme sie grüßen, aber ich versucht natürlich an ihr vorbei in den Raum zu sehen, um zu wissen, was dort passierte.

Und da sah ich ihn, einen bildschönen Mann, mit leuchtend grünen Augen und verwuschelten bronzefarbenen Haaren. Er hatte eine einzigartige Anmut an sich, mit der er sich durch den Raum bewegt, es zog mich sofort in seinen Bann. Als er den Kopf etwas neigte und mich erblickte, hielt er kurz inne und sah mir direkt in die Augen. Es war als ob ich meine nasse Hand in eine Steckdose packen würde, mein ganzer Körper vibrierte und eine elektrische Spannung suchte sich ihren Weg durch meine Venen.

Gebannt guckte ich ihn an, konnte meinen Blick nicht abwenden, war gefesselt von ihm. Gefesselt von einer Schönheit, die ihres Gleichen suchte. Gefesselt von einer Aura, die einfach nur strahlte und mich blendete. Gefesselte von einem Mann, wie ich noch nie einen gesehen hatte. Auf seinem Gesicht machte sich ein schiefes Grinsen breit und mir wurde umgehend warm. Verwirrt stand ich da, wusste nicht was gerade mit mir passierte.

Doch in dem Moment, kam ein brünettes Mädchen in mein Blickfeld und er fasste sie an der Taille und zog sie zu sich. Ehe ich auch nur verstehen konnte, was gerade passierte, biss er ihr in den Hals und das Mädchen zuckte kurz zusammen.

Hatte er sie wirklich in den Hals gebissen? Das war jetzt ein Scherz!

Doch als ob er meine Gedanken gelesen hätte hob er den Kopf und ich sah Blut an seinem Kinn herunterlaufen. Umgehend spürte ich wieder, wie sich meine Magensäure meldete. Er hatte ihr Blut getrunken, so wie Carlisle eben mein Blut getrunken hat! Scheiße, hier waren echt alle Irre!


„Komm mein Schatz, damit hast du noch nichts zu tun. Zuerst wirst du von Carlisle eine ausführliche Einweisung bekommen, dann kannst du unseren Freunden deine Kraft geben!“


Ich versuchte erst gar nicht zu verstehen, was sie damit meinte, ich lief ihr einfach mehr schlecht als recht auf diesen Schuhen hinter her. Aber vor meinem inneren Augen, sah ich nur dieses traumhaft schöne Gesicht mit den umwerfend leuchtenden smaragdfarbenen Augen Und das scharlachrote Blut, welches an seinem Mundwinkeln herunter lief.

Nach unzähligen rechts und links Abbiegungen kamen wir in einen Gang, an dem nicht Nummern an den Türen hingen, sondern Namen. Erstaunt las ich sie, obwohl sie mir natürlich nichts sagten. Lauren, Jessica, Jakob, es waren einige. Ich suchte schon insgeheim die Tür mit meinem Namen, als wir vor einer Tür hielten, die laut Schild einer Alice gehörte.


„Die gute Alice ist etwas durch den Wind. Ich hoffe du kannst sie etwas aufbauen!!“


Damit öffnete Esme sie Tür und ich verstand gerade mal gar nichts mehr. Ich sollte sie aufbauen? Ich kannte sie noch nicht mals. Ich war selber in die Hölle geraten. Ich trat hinter Esme in das Zimmer und sah ein kleines, zierliches Mädchen, welches zusammengekauert auf dem Bett lag und uns mit großen Augen anguckte. Stille Tränen liefen ihre über die Wangen. An ihrem linken Oberarm konnte man einen dicken Verband sehen, sie ist also auch gebrandmarkt worden. Sofort hatte ich Mitleid mit ihr. Ich wusste genau wie sie sich fühlte!


„Alice Schätzchen. Das ist hier Isabella, deine neue beste Freundin!“

Kapitel 4

Bella PoV




„Komm, ich mache dir den Verband wieder drum, damit kein Dreck in die Wunde kommt und sie in Ruhe heilen kann. Und dann zeige ich dir dein neues zu Hause, du bist doch bestimmt schon neugierig!“


Was wollte diese Irre mir zeigen? Mein neues Hause? Neugierig? Ich begriff gar nichts mehr, außer dass ich noch nie in meinem Leben so aufgewühlt und verloren gefühlt hatte, solche starken Schmerzen hatte und noch nie eine solche Angst hatte.

Ich hätte niemals gedacht dass ich mich mal nach meiner kleinen Studentenbruchbude sehnen würde, aber jetzt wollte ich nichts mehr als nach Hause. Zurück in mein trauriges, kleines, unbedeutendes Leben.

Die kühle Luft in diesem Raum, die unerträglichen Schmerzen in meinem Arm, diese anscheinend völlig wahnsinnige Frau und die Erfahrungen mit den fremden Männer ließen mir dicke Tränen über meine Wange rollen. Ich konnte sie nicht mehr zurück drängen, Angst und Schmerz schnürten mir die Kehle zu. Das war einfach alles viel zu viel!

„Aber, aber mein liebes, kein Grund zu weinen. Im Gegenteil, du solltest dich freuen, ja geradezu geehrt fühlen, dass du auserwählt wurdest das neuste Mitglied unserer Familie zu sein! Und ich verspreche dir Isabella, der Schmerz in deinem Arm wird schon bald verschwinden, wird dir schon bald mehr als lächerlich vorkommen, wenn du von den Glücksgefühlen überschwemmt wirst, die hier an jeder Ecke auf dich warten!“

Glücksgefühle?! Natürlich! Wohl eher Horrorszenarien! Und überhaupt, woher kannte sie bitte meinen Namen? Wer waren all diese Leute und was wollten sie denn bloß?

„So, und jetzt zeig ich dir unser schönes Reich, komm Kleines!“

Sanft, aber bestimmt half sie mir aufzustehen. Gerade als wir losgegangen waren, hielt sie uns an und ihr Blick glitt abschätzend an mir herunter, musterte mich vom Scheitel bis zur Sohle. Ich fühlte mich so dreckig und unwohl unter ihren Augen, dabei war sie doch nur eine wirklich kranke und völlig fremde Person!

„Ich muss schon sagen, Isabella, du bist wirklich ein hübsches Mädchen, aber ich denke wir sollten dich vorher etwas zurecht machen und zur Untersuchung musst du auch noch!“

Zurecht machen? Untersuchung? Ok, jetzt wurde es wirklich gruselig! Wofür musste ich mich zurecht machen? Warum musste ich zur Untersuchung? Und überhaupt, welche Untersuchung sollte das bitte sein? Wegen der Brandnarbe? Ich hoffte es doch sehr!

Außerhalb des Zimmers war es schummerig, rotes Licht erhellte einen langen Gang, den wir nun entlang schritten. Ein schrecklicher Gedanke durchzuckte mich. Rotlicht? Oh Gott, war ich etwa in einem Bordell? Meine Blicke rasten unstet durch den Gang, an den Wänden entlang, die Tapete war cremeweiss und ich glaube im Jugendstil gehalten. Alles sah freundlich und leicht aus, aber mir zitterten vor Angst die Knie. Scheiße, wo war ich hier reingeraten?

Im Abstand von ca. 2m war jeweils eine dunkle, massive Tür und auf jeder dieser Türen waren kleine Messingschilder angebracht mit Zahlen, genauso wie man es aus Hotels kannte. Ich hatte keine Ahnung was ich davon halten sollte, nur meine Intuition sagte mir, dass es nicht das war, was man mich hier glauben machen wollte.

Während mein Kopf zwischen den verschiedenen Türen hin und her schwenkte, in der Hoffnung endlich etwas Licht in dieses grausame Dunkel zu bekommen, folgte ich dieser komischen Frau weiter in das Gebäude hinein. Irgendetwas stimmte mit dieser Esme ganz und gar nicht, abgesehen von ihrem offensichtlichen Wahnsinn. Sie bewegte sich absolut geschmeidig, ihre Bewegungen waren wie ein einziger Tanz ihrer Gelenke, schon fast überirdisch, die Frau war mir unheimlich.

Endlich, oder leider, öffnete sie eine Tür, mit dem Schild „Praxis“ und betrat den Raum. Praxis! Mein herz raste nun noch schneller, als sie mich mit hineinzog. Esme plapperte irgendwas von wegen wie sie sich freue, eine neue Tochter zu haben oder so was, aber ich hörte gar nicht zu und nutzte ihre Unaufmerksamkeit und flüchtete einfach.

Blindlings rannte ich den Gang hinunter, „bloß raus hier“ war mein einziger Gedanke und versuchte einen Ausweg aus diesem Labyrinth zu finden. Doch ich kannte mein Schicksal, welches mir wieder treu zur Seite stand und ich kam nicht weit, ein eisig harter Griff schloss sich abrupt um mein Oberarm und riss mich zurück.

„Na, na wo wollen wir denn hin?“ fragte mich eine sanfte, tiefe Stimme eines Mannes. Bitte lass es nicht dieser Carlisle oder dieser Widerling James sein. Bitte! Er drehte ich mich zu sich um und er hob sogleich mein Kinn hoch, sodass ich in zwei kohlrabenschwarze Augen schauen musste. Ich hatte ihn noch nie gesehen, aber dass änderte auch nichts an meiner Nervosität, denn woher wollte ich wissen, dass dieser Kerl besser war?

Der Fremde war sehr groß und dünn, er hatte einen weißen Kittel an und schwarze lange Haare rahmten ein aristokratisches Gesicht ein. Das musste der Arzt sein!

„Du musst Isabella sein! Ich bin Aro, der Hausarzt. Wenn ich mich nicht irre, solltest du nicht hier draußen alleine rumlaufen, das ist gefährlich! Komm!“

Gefährlich? Ob er damit sich selber auch mit einschloss? Er führte mich wieder diesen verhassten Weg zurück und beendete meine jämmerliche Flucht, die mich ganze 20 Meter weit weg von Lady Psycho gebracht hatte. Wo war sie eigentlich? Ach, da kam sie ja auch schon.

“Isabella, Isabella. Wie kannst du mich nur so erschrecken und weglaufen?! Ich habe mir solche Sorgen um dich gemacht! Ich muss immer wissen wo sich meine kleinen, süßen Mädchen befinden. Immer!“

Ihre Stimme war zwar gütig aber in ihren Augen lag ein unerbittlicher Glanz, der mir sagte, ich solle lieber den Mund halten. Diese Frau sollte ich nicht unterschätzen, sie wollte zwar den Eindruck vermitteln nett zu sein, aber sie würde auch bis zum Äußersten gehen um zu bekommen was sie wollte. Dessen war ich mir jetzt schon bewusst.

„Kein Grund zur Sorge, Esme. Isabella ist mir direkt in die Arme gesunken.“

Dabei blickte er mich anzüglich an. Vor lauter Panik verkrampfte sich mein Magen zu einem Knäuel. Gott, was wollten die nur von mir und anscheinend wusste hier jeder wer ich war. Woher nur?

Ich hielt die Schmerzen in meinem Arm kaum noch aus, daher war ich mir auch nicht mehr zu schade fürs betteln „Bitte..Bitte lassen sie mich gehen, ich werde auch nichts der Polizei sagen. Ehrenwort. Ich tue so, als ob das alles nie passiert ist. Ich verspreche es hoch und heilig! Nur bitte lassen Sie mich nach Hause!“

Esme blickte entsetzt zuerst zu Aro und dann verständnislos zu mir. „Isabella,“ ihre Stimme war zum ersten Mal schneidend, „dein zu Hause ist jetzt hier und ich wünsche keine weiteren Diskussionen darüber.“ Ihre Mine verriet mir, dass jedes weitere Wort von mir darüber mich in Teufels Küche bringen würde. Da ich dennoch an meinem jämmerlichen Leben hing, schweig ich lieber. Aber nichts desto trotz schwor ich mir einen Weg zu finden, wie ich aus diesem Albtraum fliehen konnte.

„Komm jetzt Isabella, lass mich dich untersuchen, ich habe nicht den ganzen Tag Zeit“. Damit schloss dieser Aro-Typ die Tür und Esme führte mich hinter einen Vorhang.

„So, Schatz, dann mach dich bitte mal frei“ Nicht ihr Ernst?! „Ausziehen? Alles?“ Natürlich zögerte ich.

Esme kicherte erheitert, ein glockenhelles Geräusch. „Natürlich alles, Dummerchen!“ Sie kicherte immer noch, als sie sich entfernte und lies mich alleine hinter dem Vorhang zurück. Während ich mich voller Furcht mich daran machte, mich meiner Sachen zu entledigen, hörte ich wie Esme sich mit Aro unterhielt.

„Ich werde mal schnell nach ihr sehn, James hat sie extrem hart angefasst und das arme Ding ist immer noch schrecklich durcheinander, sie ist aber auch sehr zart. Später werde ich Isabella zu ihr bringen, damit sie etwas trösten kann. Sie werden bestimmt beste Freunde werden, da bin ich mir ganz sicher.“

Was? Gab es noch mehr? Wie viele? Und wie konnte man jemanden noch härter anfassen, als James es bei mir getan hatte? Erst jetzt bemerkte ich, dass ich sehr stark zu zittern begonnen hatte.

Als ich mich fertig ausgezogen hatte, lugte ich hinter dem Vorhang vor, wusste nicht recht, was ich tun sollte. Esme hatte sich von Aro weggedreht und schritt mit dieser überirdischen Anmut durch das Zimmer und verschwand durch die Tür. Nun war ich alleine. Alleine mit Dr. Psycho.

In dem Moment, wurde der Vorhang beiseite gezogen. „Gut, Isabella. Dann wollen wir doch mal beginnen.“

Mir stockte der Atem als er noch näher kam. Meine Beine zitterten mittlerweile wie Espenlaub, mein Arm schmerzte wie nie zuvor und mein Herz drohte aus der Brust zu springen, so heftig pochte es gegen meine Rippen. Notdürftig versuchte ich meine Blöße mit meinen Händen zu bedecken, was mir aber nicht wirklich gut gelang. Er ging um mich herum und betrachtete mich von allen Seiten und von oben bis unten. Ich kam mir vor, wie auf dem Fleischmarkt.

„Ich muss schon sagen, diesmal hat Carlisle sich selbst übertroffen. Du bist wunderschön! Dann wollen wir doch mal sehen ob du auch noch unberührt und gesund bist. Setz dich mal dorthin!“

Er deutete auf diesen Gynäkologischen Stuhl, der in der Mitte des Raumes stand. Oh bitte nicht! Ich atmete tief ein, ich hatte eine bestialisch Brandmarkung überstanden, also würde ich DAS jetzt auch überstehen. Stell dir vor du bist beim Frauenarzt, Bella. Etwas ganz normales.

Ich musste eine Zeitlang ihr krankes Spiel mitspielen, wenn ich hier lebend raus wollte.

Als ich endlich mit gespreizten Beinen auf dem Stuhl lag, wollte ich vor lauter Scham nur noch im Boden versinken. Dann rollte dieser Aro auf einem Hocker zu mir heran, positionierte sich zwischen meinen weit gespreizten Beinen. Krampfhaft starrte ich an die Decke und versuchte die Tränen zurückzuhalten, die in mir hochzukommen drohten.

„Isabella, Isabella. Ich glaube du bist wirklich das schönste das ich seit langem gesehen habe.“

Während er das sagte führte er etwas kaltes in mich hinein. Ich gab ein gequältes Wimmern von mir und betete, dass es bald vorbei sein möge, aber was danach kam, war um einiges widerlicher. Aro stand auf und befahl mir, ihn anzuschauen. Ihm direkt ins Gesicht zu sehen. Seine tiefschwarzen Augen bebten förmlich vor Gier und Lust, als er mit einem Finger vorsichtig in mich eindrang und begann, meinen Unterleib mit der anderen Hand abzutasten.

Jetzt konnte ich die Tränen wirklich nicht mehr zurückhalten, sie strömten unablässig über meine Wangen. Ich wollte nur noch sterben, es war so demütigend, so erniedrigend. Nach gefühlten hundert Jahren ließ er aber endlich von mir ab.

„Du kannst jetzt aufstehen, Isabella. Ich werde noch deine Brust abtasten und dir Blut abnehmen.“

Es sagte es ganz locker zu mir, als wäre überhaupt nichts passiert, wobei er etwas auf einen Zettel schrieb und sich den Finger, mit dem er mich „untersucht“ hatte, in den Mund schob und genussvoll ableckte. Gott, mir wurde so schlecht, ich musste die Kotze wieder runterschlucken, die sich bei diesem Anblick in meinem Mund ansammelte.

Verbissen kämpfte ich um Haltung und Würde und versuchte mich zusammen zu reißen und meine Gedanken auf meine Flucht zu projizieren. Es klappte nicht, denn der perverse Psycho Doc kam schon wieder auf mich zu.

„Isabella, Isabella,“ fing er wieder an „du bist noch Jungfrau, du bist wirklich so unglaublich wertvoll für uns. Du wirst Carlisle so viel Geld einbringen, das ist Wahnsinn: Und darüber hinaus bist du so wohl proportioniert und außergewöhnlich schön, ich bezweifle das er dich verkaufen wird.“

Mir brach der Schweiß aus, Menschenhandel? „Verkaufen? An wen?“ brachte ich heiser und unter Tränen heraus.

Er grinste mich schleimig an. „Das ist nichts worüber du dir deinen hübschen Kopf zerbrechen müsstest.“

Dafür war es jetzt leider zu spät, denn meine Gedanken rasten nur so und meine Vorstellung spielte mir ein Horroszenario nach dem anderen vor.

Er kam wieder näher, nahm meinen gesunden und nicht verbrannten Arm, band ihn am Oberarm ab und entnahm mir letztendlich etwas Blut. Früher war ich beim Anblick von Blut umgekippt, aber in den letzten Jahren machte mir weder der Anblick, noch der Geschmak von Blut etwas aus.

Während er mein Blut in eine Spritze zog, gierte sein Blick darauf, als ob es pures Gold wäre, was er mir abzapfen würde. Nicht einmal blinzelte er, sondern fixierte es und starrte wie in Trance auf die dunkelrote Flüssigkeit. Hier waren echt alle komplett wahnsinnig und mehr als weit entfernt von normal!

Danach begann dann, meine Brüste abzutasten. Ich versuchte ruhig zu bleiben, aber dieses grässliche Grinsen und dieser glasige, schwarze Blick, erregten wieder meine Übelkeit und mein Unwohlbefinden! Während seiner Untersuchung strich er immer wieder wie ‚zufällig‘ über meine Brustwarzen und irgendwie drücke er auch immer häufiger zu, so dass es fast schmerzhaft war. Ok, das war zu viel!

Alles was ich bis hierher erlebt hatte und alles was mir mein Kopf als mögliche Zukunft vorspielte, es ging einfach nicht mehr! Ich konnte es nicht länger zurück halten. Die Magensäure sammelte sich wieder in meinem Mund und ich erbrach mich geräuschvoll auf den Fußboden. Gott sei Dank oder eher leider hatte ich Aro nicht erwischt.

Panisch blickte ich zu ihm auf, wusste beim besten Willen nicht, was jetzt auf mich zu kam. Würde er sauer sein? Mich schlagen?!

„Oh, Isabella. Geht es dir nicht gut, Kleines?“

Scheinbar war er sogar besorgt und wollte mich beruhigen, denn er strich mir fast fürsorglich über den Rücken, über meine nackte Haut, die sich sofort mit einer Gänsehaut vor lauter Ekel überzog. In diesem Moment ging die Tür auf und Lady Psycho war zurück gekehrt.

“Ich wollte mal nachsehen wie weit du mit ihr bist Aro...oh, was ist denn hier passiert?“

Sachlich stand Aro auf und begab sich zu den Spritzen, die in einem Behälter an der Wand befestigt waren und zog eine heraus.

“Isabella hat, denke ich mal, etwas Falsches gegessen, ich werde ihr etwas gegen die Übelkeit geben, damit sich ihr Magen wieder beruhigt“ und mit einem letzen lüsternen Blick in meine Richtung hing er noch dran „Du kannst dich dann wieder anziehen Isabella!“

Kapitel 3

Bella PoV

 



Ein anzügliches Lächeln lag auf seinen Lippen, als er sich zu mir runter beugte und den Reisverschluss seiner Hose öffnete.

„Dann zeig mal was du so kannst Kleines!“




Während sich mein Magen zusammenzog und mir die Galle hochkam, öffnete dieser Carlisle seinen Hosenknopf. Er meinte es ernst. Todernst. Scheiße, wie kam ich hier nur raus? Die beiden anderen Kerle standen seelenruhig neben dem Schreibtisch und guckten sich das ganze Szenario fast schon unbeteiligt an. So als ob es alltäglich wäre, nix besonderes. Gerade als Carlisle in seine Hose griff und ich verzweifelt die Augen schloss, wurde die Tür aufgerissen.


„Da ist ja unsere neue Prinzessin!“


„Was fällt dir ein einfach in mein Büro zu stürmen, James?“


„Du weißt doch wie neugierig ich immer bin, wenn Frischfleisch geliefert wird Boss!“


Frischfleisch? Erschrocken riss ich die Augen wieder auf und stellte erleichtert fest, dass Carlisle seine Hose wieder geschlossen hatte. Ein Glück. „Neugierig! Das triffts!“ Carlisle verdrehte theatralisch die Augen, während der Franzose leise lachte. Erst jetzt fiel mir auf, dass er dunkelhäutig war.


„Willst du sie gleich mitnehmen?“


„Ja, sehr gerne. Die Sachen sind schon vorbereitet und ich kann es kaum noch erwarten!“


„Na dann wünsche ich dir viel Spaß mit ihr. Und denk dran, du weißt, dass ich sie zuerst testen werde! Also halt dich zurück, oder ich kastriere dich Hurensohn. So was wie bei Jessica werde ich nicht noch mal dulden! Verstanden?“

„Ja! Musst du mich denn immer wieder daran erinnern, dass mir in all den Jahren ein einziger gottverdammten Fehler passiert ist? Ich werde nur meine Arbeit tun und sie dann wieder in deine göttlichen Hände geben. Ehrenwort Chef!“

Das Grinsen in James Gesicht war so eisig, wie die Worte von Carlisle. Beides kam direkt aus der Antarktis. Man merkte sofort, dass beide sich nicht sonderlich grün waren und sie einen eigenen Kampf ausfochten. Und ich schien die Waffe in diesem Kampf zu sein. Hervorragend!

„Bella Kleines, du wirst jetzt mit James mitgehen. Ich werde mich dann später um dich kümmern,“ sagte Carlisle mit einem Lächeln, welches aber seine ausdruckslosen, leeren Augen nicht erreichte. Die Augen waren eine einzige Dunkelheit, die den Blick direkt auf seine pechschwarze Seele freigab. Mich überzog sofort eine Gänsehaut und die Panik schnürte mir fast die Kehle zu. Es war, als wenn man den Teufel höchstpersönlich ansah.

James, dessen blonde Haare im Nacken zu einem Zopf gebunden waren, griff nach meinem Arm und zog mich einfach mit sich, während die anderen drei sich anfingen über irgendwelche Geschäfte zu unterhalten. James brachte mich in einen dunklen langen Gang, von dem mehrere Türen abgingen. Zu Beginn als man mich hergebracht hatte, hatte ich Stimmen und Musik gehört, dass wusste ich noch genau. Aber jetzt war alles ruhig uns still. Man hörte keinen einzigen Mucks. Komisch.


Wo war ich? Was war das hier?


Am Ende des Ganges bogen wir links ab und James öffnete die zweite Türe rechts. „So meine kleine Prinzessin,“ grinste er mich dann dreckig an und in seinen Augen tanzte eine irre Vorfreude. „Zieh dein Oberteil aus und leg dich da hin.“ Er zeigte mit seinem Finger auf eine Bare, die in der hinteren Ecke des Raumes stand.

Der Raum sah aus wie eine Art Krankenzimmer. Alles war weiß und überall waren Kompressen, Mullbinden, Pflaster und verschiedene Medikamente. War ich in einem Krankenhaus? Nein, bestimmt nicht! Und was hatte man überhaupt mit mir vor? Die Angst nagte an mir und meine Nerven waren zum zerreißen gespannt.

In der ganzen Zeit, in der ich hier war, Quatsch, seit dem Moment, wo sie mich entführt hatten, hatten sich die Grausamkeiten die Klinke in die Hand gegeben. Also wollte ich eigentlich gar nicht wissen, was jetzt kommen würde. Denn eines war klar, es konnte und würde nichts Gutes sein.


„Heut noch Prinzessin!“


Ich zuckte auf Grund seiner aufgebrachten Stimme zusammen, wusste ich konnte mich eh nicht wehren und ging schnellstens zur Bare rüber. Mit zittrigen Händen griff ich an den Saum meines T-Shirts und zog es langsam und unsicher hoch. James stand direkt vor mir und beobachtete mich und meine Handlung genau. Sein Blick sorgte für Unbehagen in meinem Magen, aber ich versuchte mir nichts anmerken zu lassen. Vielleicht würde er dann mit dem, was er vorhatte, etwas milder sein. Hoffte ich zumindest.

Nachdem ich mein T-Shirt nun in meinen Händen hielt und nur noch mein blassblauer BH meine Brüste vor dem gierigen Blick dieses Perversen versteckte, fühlte ich mich unwohler denn je. Der Ausdruck seiner Augen und das harte Lächeln kamen fast einer Vergewaltigung gleich, so widerwärtig anstößlich war es.

„Du bist wirklich wunderschön, hat dir das schon mal jemand gesagt?“ säuselte er und fuhr mit einem Finger die Kurven meiner Rippen nach. Sofort rebellierte mein Körper gegen diesen Kontakt und ich wich instinktiv davor zurück. Ich wollte nicht, dass er mir auch nur zu nahe kam, geschweige denn mich berührte.

„Aber, aber Prinzessin, wer wird denn so schüchtern sein?! Los! Hinlegen! Und zwar auf den Rücken, verstanden? Den linken Arm unter den Kopf!“

Sein harter Tonfall ließ mich sofort parieren und schon lag ich, wie angewiesen, auf dieser Bare und harte der Dinge die auf mich zukamen. Aus dem Augenwinkel sah ich, wie James an einen Schrank ging und verschiedene Sachen holte und auf ein Tablett stellte, welches außerhalb meiner Sichtweite war. Ich hörte Metall klappern und roch Desinfektionsmittel. Er würde mich doch hier wohl nicht foltern? Mich aufschneiden?

Unbewusst schloss ich die Augen, kniff sie regelrecht zu und hoffte, wieder einmal, es wäre alles nur ein Traum. Ein großer, schrecklicher Alptraum! Aber so sehr ich es auch hoffte und mir wünschte, ich wachte nicht auf. Ich lag weiter auf dieser Bare und hörte wie James seine Utensilien zusammen sammelte, um sich an mir, mit was auch immer, auszutoben.

„Du hast eine tolle Haut,“ hörte ich ihn neben mir sagen und spürte, wie er mich an meinem Arm berührte. Gegen meinen Willen öffneten sich meine Augen und ich sah, das James‘ Hände in Handschuhen steckten und er meinen Innenseite des linken Oberarms desinfizierte. Warum tat er das? Sein irres Lächeln und das Glänzen in seinen Augen war das einzige, was ich aus seinem Gesicht lesen konnte. Sonst rein gar nichts.

Dann schloss er mein linkes Handgelenk, welches unter meinem Kopf herausguckte an der Bare fest. „Wwwaas…?“ stotterte ich verzweifelt, aber sein Blick sagte mir, ich solle sofort still sein. Tränen stiegen mir in die Augen und verschleierten mir den Blick auf das Scheusal, welches über mir gebeugt stand. So konnte ich nur spüren, wie mir ein zweiter Gurt um den Bauch gelegt wurde. Man schnallte mich fest!

Nachdem er noch mal über mein Oberarm fuhr, damit er komplett vieren frei war, drehte er mir wieder den Rücken zu und ging wieder zu seinem Tisch. Das Geräusch, welches nun den Raum erfüllte sagte mir im ersten Moment gar nichts. Aber den Geruch kannte ich, er sagte mir etwas, aber mein Gehirn weigerte sich dass alles in Verbindung zu setzen. Diesen Geruch hatte ich schon mal in der Schule vernommen, aber wann und wo?


„So Prinzessin, dann wollen wir dich mal verschönern!“


Verschönern? Mein Magen zog sich zu einem Klumpen zusammen und ich versuchte nicht in Panik auszubrechen. Verschönern? Was hatte er vor? Was wollte er denn verändern, was gefiel ihm nicht? Er hatte doch gesagt, dass ich wunderschön sei, war das nur eine Lüge um mich in Sicherheit zu wiegen? Verschönern! Immer wieder hallten dieses Wort durch meinen Kopf, sorgte dafür, dass ich am liebsten geschrien hätte.

Schon war er neben mir und fuchtelte an irgendetwas rum. Ich traute mich gar nicht hinzusehen, versuchte es einfach zu ignorieren und redete mir ein, dass es schon nicht allzu sehr schmerzen würde, ich müsste nur tapfer sein!. Aber als ich merkte, wie es an meinem Arm warm wurde, war ich kurz verwirrt, doch dann keuchte ich auf und mir schwante böses. Nein, DASS würden er doch jetzt nicht tun!

Kaum war mir der Gedanke gekommen, merkte ich auch schon, wie mir ein riesiger Schmerz durch den Körper schoss und mich, so weit es ging, zusammenkrümmen ließ. Meine Haut brannte, stand lichterloh in Flammen und meine Nerven schrien förmlich vor Anspannung. Ich wollte mein Kummer raus schreien, doch ich konnte nicht. Meine Kehle war wie zugeschnürt vor Pein, meine Wangen nass von Tränen der Furcht und Leid. Mein Körper war damit beschäftigt, diese Qual zu überstehen, zu verarbeiten was gerade passierte, aber alles was ich wahrnahm, war diese Folter, die meinem Arm ausgesetzt wurde.

James drückte irgendetwas glühend Heißes gegen die Innenseite meines Oberarmes und brachte mich damit an die Grenzen meiner Belastbarkeit.

Kurz darauf roch ich den Gestank, roch verbranntes Fleisch und realisierte einige Nanosekunden später, dass es meine eigene Haut war, dass es mein Fleisch war, das so roch, dass so stank. Man verbrannte mich bei lebendigem Leib und ich konnte nichts dagegen tun, außer diese Tortur über mich ergehen zu lassen. Aber irgendwann war es zu viel für meinen Körper und ich empfing dankend die sich anbahnende Ohnmacht.


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„Aufwachen, meine Liebe!“ Eine glockenhelle und schöne Stimme sprach zu mir und schlich sich in meinen Kopf. Zusätzlich spürte ich, wie mir jemand fürsorglich über meinen Kopf fuhr, so wie es meine Mutter früher immer getan hatte. Sogleich riss ich die Augen auf, nur um in ein fremdes Gesicht zu gucken.


Enttäuscht stöhnte ich auf, es war ein Hirngespinst gewesen, es war nicht meine Mutter!


Unweigerlich traten Tränen in meine Augen und ich versuchte meine Nerven zu beruhigen, denn ich hatte mir ja vorgenommen vor fremden Menschen nicht zu weinen. Ich würde keine Schwäche oder Verletzlichkeit preisgeben, denn damit war ich schlecht gefahren und dass wollte ich partout vermeiden!

„Alles ok,“ sagte die mir fremde Frau und strich mir erneut beruhigend über den Kopf. Wer war diese Frau? Und wo war ich? Ich lag auf einer Bare in einer Art Krankenzimmer. Da brach die Erinnerung des zuletzt Erlebten wie eine Lawine über mich herein und ich setzte mich rückartig auf und wich von dieser Person zurück. Jeder dieser Menschen hier war krank und widerlich, ich wollte nicht einen von ihnen in meiner Nähe wissen.

„Hey, ich tue dir nix meine Liebe,“ sagte sie ruhig und ihre Augen strahlten eine Liebe und Freundlichkeit aus, welche ich schon lange nicht mehr zu Gesicht bekommen hatte. Verwundert sah ich sie an, wusste nicht wie ich reagieren sollte, denn ich hatte hier ja mit allem gerechnet, aber nicht damit! Wer war sie? Und warum war sie so nett?

Bevor ich mir weitere Gedanken darüber machen konnte, fuhr mir ein Schmerz durch den linken Arm und ich zuckte keuchend zusammen. Unweigerlich legte ich meine Hand auf meinen Oberarm und merkte, dass man ihn in einen großen, weißen Verband gesteckt hatte. Dieser Widerling James hatte mir irgendwas an meine Haut gehalten, er hatte mir irgendwas rein gebrannt, dieser Dreckskerl!

„Komm her Süße, wir nehmen den Verband ab und werden uns mal um deine Wunde kümmern!“ sagte die Dame und lächelte mich immer noch freundlich an.


„Wer sind sie?“


„Ich bin Esme, meine Liebe! Und ich werde mich jetzt mal um dich kümmern!“


„Warum?“


„Weil du verletzt bist Schatz! Darum. Ich mag es nicht, wenn es meinen Lieben schlecht geht!“


Meinen Lieben? Hatte sie sie noch alle? Ich war keine Ihrer Lieben! Ihre Lieben hatten mich entführt, beinahe zu widerlichen, sexuellen Handlungen gegen meinen Willen gezwungen und mich am lebendigen Leibe verbrannt! Was für Liebe Menschen waren dass bitte schön? Wie konnte sie nur so reden und denken?


„Bella, beruhige dich! Deine Wunde muss behandelt werden, ansonsten entzündet sie sich.“


Ok, da hatte sie wohl recht, also ließ ich ihre Berührung zu und sie machte sich daran, meinen Verband zu öffnen. Wollte ich sehen, was dieser Bastart mir angetan hatte? Ich war mir nicht sicher! Was würde mich erwarten, wenn der Verband weg war? Gespannt hielt ich meinen Blick auf das Fenster gerichtet und sah durch die schweren, dunklen Vorhänge hindurch, dass es draußen bereits hell war und scheinbar die Sonne schien. Wie lange war ich denn weg gewesen? Man hatte mich nach der Spätschicht hierher verschleppt und mich dann brutal gequält. Aber nun war es Helliger Tag!


„Wie spät ist es?“


„10:30Uhr. Du hattest einen sehr anstrengenden Tag und daher auch sehr lange geschlafen, aber das ist ok. Zumindest für heute!“


Sehr anstrengenden Tag? Die gute Esme musste mal dringend zu einen Psychiater! Einen sehr anstrengenden Tag! Sie sollte mal überlegen warum mein Tag so anstrengend war! Und was bitte hieß denn es sei ok für heute? Warum sprachen hier alle in Rätseln? Ich wusste dass ich festsaß und so sehr ich mir auch wünschte es wäre nur ein Traum wusste ich, dass es keiner war. Ich wusste man würde mich hier behalten wollen, ob ich wollte oder nicht.


„Vorsicht, dass wird jetzt vielleicht etwas brennen!“


Kaum hatte ich diese Worte vernommen, sprühte mir Esme igendwas auf den Arm, der mittlerweile von der Mullbinde befreit war. Ich zuckte kurz zusammen, als Esme mir dann mit einem Tuch über die Wunde fuhr und sie reinigte. Scheiße, tat das weh! Dann nahm sie eine Salbe und strich sie sachte über meine Haut und ich biss kräftig die Zähne zusammen. Bloß keine Schwäche zeigen!


„Sieh mal Bella, wie schön es aussieht!“


Schön? Ich warf vorsichtig einen Blick auf die Innenseite meines linken Oberarms und mir blieb die Luft weg. Man hatte mich wahrhaftig verbrannt, mir ein Zeichen in die Haut gebrannt. Die Haut war zwar gerötet und geschwollen, aber man sah eindeutig, dass man mit eine Art Blume eingestanzt hatte. (1)

„Willkommen in unserer Familie Bella! Alle unsere Schützlinge haben dieses Zeichen an ihrem Arm, damit alle Welt sehen kann, dass ihr zu uns gehört,“ strahlte Esme mich glücklich an. Man hatte mich gebranntmarkt wie ein Vieh und sie sprach davon, dass ich jetzt zu ihrer Familie gehören werde? Das ich einer ihrer Schützlinge war? Aus welchem Irrenhaus war diese Frau bitte geflohen? Oder eher, in welchem Irrenhaus war ich gelandet?

„Komm, ich mache dir den Verband wieder drum, damit kein Dreck in die Wunde kommt und sie in Ruhe heilen kann. Und dann zeige ich dir dein neues zu Hause, du bist doch bestimmt schon neugierig!“

Kapitel 2

Bella PoV




Das schrille Piepsen meines verhassten Weckers riss mich aus meinem Schlaf, aus meiner ganz privaten Welt, aus meinem Refugium wo mich die grausame Realität nicht einholen konnte. Selbst wenn ich nichts träumte fand meine geschundene Seele ein wenig Ruhe. Manchmal hatte ich das Gefühl ich könnte ewig schlafen.

Aber sobald ich die Augen öffnete, brach die ganze harte Wirklichkeit wieder über mich hinein. Mein leeres Dasein. Ich atmete noch einmal tief ein und wappnete mich für meinen täglich Fight. Ich sollte nicht so undankbar sein, es gab einen Haufen Menschen auf der Welt, denen es noch viel schlechter ging als mir. Motiviert mit diesem Gedanken sprang ich aus meinem Bett auf den kalten Fußboden.

Nach der Dusche genehmigte ich mir noch einen Kaffee, der endgültig meine letzten schlafenden Lebensgeister weckte. So gestärkt trat ich den relativ kurzen Weg zum Campus an.

Es war ein sehr schöner Tag, die Sonne strahlte sogar noch etwas Wärme ab. Genießerisch hob ich mein Gesicht gen Sonne, mmh das tat gut. Als ich die Augen wieder öffnete sah ich Angela auf mich zu kommen, eine meiner ehemaligen Freundinnen. Sie blickte in meine Richtung, und winkte. Verblüfft blieb ich stehen, sie hatte sogar ein Lächeln im Gesicht. Hatte Angela vor mit mir zu sprechen? Vielleicht sich mit mir zu verabreden? Mein Gehirn schien sich schon alle möglichen Versöhnungsszenarien aus zu denken und erschrocken stellte ich fest, dass ich ihr sofort verzeihen würde.

Gleichzeitig schalt ich mich eine Närrin. Würde ich diese ganzen Demütigungen sofort vergessen, nur damit ich wieder sozialen Anschluss fand? Mein Gott, ich war wohl wirklich ganz unten angekommen.

Ich hob meinen Arm und winkte zurück. Sie war ungefähr nur noch drei Meter entfernt, schon öffnete ich meinen Mund um sie zu begrüßen doch Angela rauschte geradewegs an mir vorbei, rempelte mich sogar noch an und fiel Shelby in die Arme, die hinter mir stand. Die zwei begrüßten sich herzlich und mein Herz bekam noch ein paar Risse mehr. Sie hatte gar nicht mich gemeint. Hatte ich das denn auch ernsthaft geglaubt?

Ich war wohl der letzte Dreck und diese netten Herrschaften sorgten mit solchen Aktionen dafür, bewusst oder unbewusst, dass ich das nie vergessen würde. Ich kannte meinen Platz, meinen Platz am Ende der Schlange.

Ich riss meinen Blick wutentbrannt von den zwei Mädchen weg und stolperte blindlings um die Ecke in Richtung Hörsaal. Dann spürte ich nur noch wie ich mit etwas hartem kollidierte und mein Gleichgewicht verlor. Die Bücher segelten durch die Luft und meine wenigen losen Notizen, die ich in den letzten Wochen zusammengetragen hatte, verschönerten sogleich den Campusboden.

„Es tut mir leid, ich habe dich nicht gesehen!“ tönte ein sanfte Stimme. Ich blickte starr zu Boden und fing an meine Bücher aufzusammeln. „Das bin ich gewohnt, mach dir keine Gedanken und geh einfach!“ Da sprühte ich, wie sich jemand vor mich hinhockte.

“Warte ich helfe dir.“

Ok, dass war ich jetzt nicht mehr gewohnt und verwirrt hob ich den Blick und was meine Augen sahen, verschlug mir den Atem. Ich blickte geradewegs in stahlblaue Augen. Verlegen räusperte ich mich und blickte schnell wieder weg. „

„Ähm, das ist schon in Ordnung, ich sammel das nur noch schnell auf, du brauchst mir nicht zu helfen.“

Ich schnappte mir ein Fachbuch, da ergriffen seine Hände die meinen. Beinahe hätte ich zurück gezuckt, solange war es her, dass mich jemand berührt hatte, ich war es einfach nicht mehr gewohnt. „

„Aber ich bestehe darauf, schließlich habe ich dieses Unglück verursacht.“

Ich konnte nicht widerstehen und hob den Blick. Er war sehr, wirklich sehr attraktiv und ich hatte ihn noch nie zuvor auf dem Campus gesehen. Sein perfektes ebenmäßiges Gesicht wurde von welligem blonden Haar umrahmt. Schließlich stand ich auf und entzog mich so seinem Griff. „

„Tja dann, äh, danke,“ stammelte ich wie der erste Mensch.

Während der schöne Unbekannte sich aufmachte, um den Rest einzusammeln, beobachtete ich ihn. Wie groß war er eigentlich? 2 Meter? Ich versuchte mich daran zu erinnern, wann ich das letzte Mal mit einem Kommilitonen gesprochen hatte, wann einer das letzte Mal so freundlich zu mir war. Ich wusste es schon gar nicht mehr.

Es war mir gerade auch ziemlich egal, ich starrte diesen jungen Mann einfach nur unverschämt an. Konnte man einen Mann als schön bezeichnen? Scheißegal, er war schön und nicht nur mir fiel das auf. Er schien wirklich neu zu sein, denn er wurde von sämtlichen weiblichen Wesen in der nähren Umgebung gemustert wie ein Stück Vieh.

Schließlich kam er wieder auf mich zu und drückte mir die restlichen meiner Unterlagen in die Hand. Aus den Augenwinkeln konnte ich erkennen, wie einige anfingen zu tuscheln, als sie mich erkannten. Dazu hatte ich nun wirklich keine Lust. Ich murmelte ein kurzes Dankeschön und verdrückte mich in die Menge, doch der Fremde folgte mir und fasste mich, zu meiner Überraschung, an der Schulter.

„Hör mal, ich würde das wirklich gerne gut machen und dich auf einen Kaffee einladen. Was hälst du davon? Mein Name ist übrigens Hal. Hal Russel.““

Ich musste doch noch träumen, oder? Das konnte doch nicht sein! Solche Sachen passierten Leuten wie mir einfach nicht. „Ich weiß nicht recht. Ich muss heute arbeiten,“ versuchte ich auszuweichen doch er lies nicht locker. “Na dann eben nach deiner Arbeit, komm schon, ich hab ein echt schlechtes Gewissen!“ Ich seufzte innerlich, was hatte ich denn eigentlich zu verlieren? Nichts, denn ich war schon ganz unten. „Na gut. Ich arbeite in Dan`s Bar und meine Schicht endet um acht.“

Er lächelte und urplötzlich bildeten sich kleine Lachfalten um seine Augen was ihn noch unglaublicher aussehen lies. Der Typ musste Model oder so was sein, Wahnsinn. Mir wollte einfach nicht in den Schädel warum er so an mir interessiert war, aber war er das überhaupt? Natürlich nicht, du Idiot. Er will wahrscheinlich einfach nur nett sein. „

„Wunderbar,“ riss Hal mich aus meinen düsteren Gedanken. „und wenn ich jetzt noch deinen Namen erfahren würde, bin ich wunschlos glücklich.“ Meine Güte, der trat ganz schön auf das Flirtpedal. Ich war so was einfach nicht mehr gewöhnt, es verunsicherte mich maßlos.

„I-Isabella Swan,“ brachte ich heiser und stotternd heraus. „Aber nenn mich bitte Bella.“

Er drückte noch einmal kurz meine Schulter. „Sehr schön, Bella. Dann sehen wir uns später und sorry noch mal wegen dem Rempler!“ und schon war er in der Masse verschwunden.

Der weitere Verlauf des Tages und die Schicht bei Dan verliefen ereignislos, trostlos wie immer. Mein einziger Lichtblick momentan war Hal. Wobei ich da gemischte Gefühle hatte. Hatte er wirklich Interesse an mir oder verfolgte er doch andere Absichten? Es war einfach zu gut um wahr zu sein.

Daher hatte ich mir mit meiner Aufmachung nicht allzu viel Mühe gemacht, Jeans und T-Shirt, die Haare hatte ich mir zu einem lockeren Pferdeschwanz gebunden. Wofür sollte ich mich schon schön machen? Wobei ich mir doch eh keine Hoffnungen machen wollte, dass vielleicht etwas Sonnenlicht in mein tristes Dasein scheinen könnte.

Obendrein hatte ich auch nicht die geringste Ahnung vom „Aufstylen“. Es fehlte mir einfach das Interesse und letztendlich auch das nötige Kleingeld für die Kosmetika und den ganzen Kram. Von meinem Lohn bei Dan konnte ich gerade so meine Existenskosten decken, Extras waren da einfach nicht drin.




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Das Ende meiner Schicht war gekommen, neugierig blickte ich mich um. Die Bar war so gut wie leer und weit und breit keine Spur von Hal Russel. War ja klar. Gott sei Dank, hatte ich mir keine allzu großen Illusionen gemacht, er wollte wohl wirklich nur nett sein. Das Glück kannte mich halt einfach nicht, es war nicht wirklich eine große Überraschung. Ich zuckte mit den Achseln und verabschiedete mich von Dan.

Aber wer weiß schon was das Schicksal für einen bereit hielt? Fortunas Rad dreht sich unaufhaltsam, nur bei mir schien sie nicht viel Lust zu haben, noch mal mein Schicksalsrad zu drehen, ich blieb ganz unten auf der Liste.

Es war schon stockfinster als ich den Heimweg antrat, der Wind heulte böse und Blätter wehten um mich herum, langsam wurde es richtig kalt. Ich kuschelte mich enger in meinen dünnen Parka ein und bog schließlich in die Tamesstreet ein. Hier ist es immer ein bisschen unheimlich, die Straße war nur schwach beleuchtet und grenzte an ein Waldstück, unbewusst beschleunigte ich meine Schritte. Mir war so als spürte ich Blicke in meinem Nacken, Gott, ich wurde wirklich paranoid.

Auf einmal wurde die Stille der Nacht von quietschenden Reifen durchbrochen. Ich drehte mich um und sah wie ein schwarzer Escalade um die Kurve gerast kam........

Kapitel 1

Bella PoV









„Miss Swan!“ Erschrocken fuhr ich hoch und blickte um mich. Als ich endgültig und vollkommen bei mir war und realisiert hatte, dass ich mitten im meinem BWL Kurs in der Uni saß und mein Professor, Mr Banner, gerade sehr böse in meine Richtung guckte, dämmerte mir, dass ich eingeschlafen sein musste.

„Schön dass sie uns auch endlich mit Ihrer geistigen Gegenwart beglücken. Ich dachte schon wir würden heute nur das Glück mit ihrem schlafenden Körper haben,“ kam es wie Peitschenhiebe aus seinem Mund. Er mochte mich noch nie und schien diesen Moment richtiggehend zu genießen. Aber es war mir relativ egal, was er, oder die anderen von mir hielten.

Gerade als ich irgendeine Entschuldigung murmeln wollte, ertönte das Klingeln zum Stundenende und erlöste mich. Alle sprangen schnell von ihren Stühlen auf, so dass keiner mehr weiter auf mich achtete. Mr Banner guckte mich noch kurz von oben herab an und drehte sich dann kopfschüttelnd zu seinem Pult um und räumte seine Sachen zusammen.

Eigentlich musste ich mich in seinem Kurs anstrengen, damit ich noch eine gute Note bekam, aber ich hatte gestern mal wieder eine Nachtschicht in der Bar übernehmen müssen, da Cindy nicht konnte. Und da Dan mir mit der Kündigung gedroht hatte wenn ich nicht einsprang, war ich natürlich sofort hin gegangen. Er wusste genau, dass ich es mir nicht leisten konnte arbeitslos zu werden und er hatte es schamlos ausgenutzt. Es war ein grausames und demütigendes Gefühl, so abhängig von jemanden zu sein, aber ich hatte mich schon länger damit arrangiert.

Seit dem Tod meiner Eltern vor fast 2 Jahren hatte ich schnell gelernt, dass man nichts im Leben geschenkt bekam. Weder Freundschaft, noch Geld. Noch nicht mal Nettigkeiten. Das war auch der Grund, dass ich meine ersten beiden Jobs schneller wieder gekündigt hatte, als dass ich sie angefangen hatte. Denn meine Chefs waren der abstrusen Ansicht, dass ich ihre Leibeigene wäre, mit denen sie ihren Spaß haben konnte, wie und wann sie wollten.

Auch wenn ich darauf angewiesen war zu Arbeiten und Geld zu verdienen, ich würde mich bestimmt nicht wie eine Nutte behandeln lassen, geschweige denn wie eine aufführen. Von mir aus sollten sie mich mit Worten beschämen, das war mir egal, da stand ich mittlerweile drüber. Aber mein Körper gehörte mir und ich würde es nie im Leben zulassen, das irgendeiner dieser schmierigen Ärsche ihn beschmutzen würde.

Mit Dan hatte ich Glück gehabt. Er hatte mir die Stelle in der Bar gegeben, obwohl ich gerade erst 21 Jahre geworden war und eigentlich gar keine Ahnung vom kellnern hatte. Und darüber hinaus war er immer fair und zahlte gut und vor allem pünktlich. Dieses kleine Glück, was ich bei ihm gefunden hatte, konnte ich nicht so einfach aufs Spiel setzen, nur weil Cindy, schon wieder, krank geworden war.

Außerdem hing ich in Mr Banners Kurs schon so weit hinterher, dass ich es gar nicht so schlimm fand, einer weiteren Stunde nicht folgen zu können. Auf die eine Stunde würde es auch nicht mehr ankommen, hatte ich mir gesagt. Aber dass ich einschlafe war nicht geplant gewesen. Und leider hatten sich die paar Freunde, die ich gehabt hatte, mich schon vor längerer Zeit fallen lassen, so dass ich mir bei keinem die Notizen hätte borgen können.

Kaum wurden die Lebensumstände mal etwas angespannter und man brauchte Geld, oder ein Dach über dem Kopf, kannten sie einen nicht mehr. Einer nach dem anderen hatte mir den Rücken zugekehrt, damit ich ihnen mit meinen Problemen nicht mehr zur Last fallen konnte. Immer schön weggucken und die Augen schließen, dann bekam man von dem Elend der Isabella Swan nichts mit und musste ihr auch nicht helfen.

Am Anfang hatten sie noch etwas wie ein schlechtes Gewissen, haben mich mit mitleidigen Blicken bedacht. Mir hin und wieder traurig zugelächelt. Doch das ließ recht schnell nach. Aus mitleidigen Blicken wurden schnell arrogante und überhebliche. Blicke die mir zeigen sollten, ich war ihrer nicht würdig, aber auch daran verloren sie schnell das Interesse. Es ist halt langweilig wenn das Opfer nicht mitspielt. Also gingen sie dazu über, mich komplett zu ignorieren.

Man grüßte mich nicht mehr, sah mich nicht mehr an. Und wenn ich irgendwo im Weg stand, ging man nicht an mir vorbei, oder um mich herum, nein, man rempelte mich an. Denn man wollte mir zeigen, ich war Luft in ihren Augen.

Am Anfang tat es weh, zu sehen wie oberflächlich und blind die Menschen waren. Zu sehen, wie anmaßend sie sich mir gegenüber benahmen und mich auf Grund ihrer Dummheit beleidigen und ausgrenzen wollten. Aber darüber wegzugucken war mittlerweile Alltag für mich! Ich wusste wo mein Stand, als arme Vollwaise in der blasierten Gesellschaft war.

Meine Eltern waren nie wohlhabend gewesen und eine Lebensversicherung hatten sie sich nie leisten können. Das bisschen Geld, was sie an Seite geschafft hatten, war für die Beerdigung drauf gegangen. Und ich, ja, ich stand allein und ohne Geld da. Der Vermieter hatte mich recht schnell aus der Wohnung geschmissen, weil ich die Miete nicht zahlen konnte und so hatte ich sogar die ersten Nächte auf einer Parkbank schlafen müssen.

Ab dem Tag, war ein Teil meines Lebens, meiner Hoffnung und meines Glaubens gestorben. Es war der Tag, als ein Teil meiner Seele starb.


Mein Leben bestand momentan nur aus schlafen, aufwachen, zur Uni gehen, arbeiten und zu hoffen, dass ich den nächsten Tag irgendwie überleben würde. Auf eine glorreiche und schöne Zukunft, mit Haus, Mann, Kindern und einem Border Collie hoffte ich schon lange nicht mehr. Ich hatte gelernt von Tag zu Tag zu leben und ließ alles auf mich zukommen. Es war ein Teufelskreis, aus dem es kein Entkommen gab.

Bella Maus, der liebe Gott hat sich einen wunderschönen Plan für dich ausgedacht, er hat noch viel mit dir vor. Du musst nur Geduld haben! hörte ich die Stimme meiner Mutter in meinem Kopf schallen. Das hatte sie mir immer wieder gesagt, seit dem ich 7 Jahre war. Sie hatte es gesagt, wenn ich nicht das Geburtstagsgeschenk bekommen hatte, welches ich mir so sehnlich gewünscht hatte und sie hatte es mir auch gesagt, als ich das erste Mal unglücklich verliebt war. Es war wie ein Gebet, welches sie mir immer wieder gepredigt hatte.

Ja, ich musste nur Geduld haben. Nur wie viel Geduld, dass hatte sie mir nicht verraten.

Ich versuchte jeden Tag etwas an Optimismus zu gewinnen und meine Hoffnung nicht vollkommen zu verlieren, doch es war hart nicht einfach aufzugeben. Nicht einfach den Tatsachen ins Auge zu sehen und einen Schlussstrich zu ziehen. Aber ich würde meine Eltern nicht enttäuschen, denn sie glaubten an mich. Nein. Sie sollten Stolz auf mich sein. Ich würde es schaffen und dies hier durchstehen, egal was ich erleiden und durchstehen musste, ich würde mich durchbeißen!

Irgendwann würde meine Zeit kommen! Daran glaubte ich ganz fest. Auch wenn die Hoffnung gering war!




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Nach der Uni ging ich in meine Wohnung, ich hatte nicht allzu viel Zeit bis ich bei Dan erscheinen musste. Es war Freitag und da war immer viel zu tun. Fast der halbe Campus versammelte sich immer in der Bar. Dazu noch die Leute aus der Umgebung und ich hatte eine verdammt anstrengende Nacht vor mir.

Aber viel Arbeit hieß auch viel Ablenkung und viel Trinkgeld. Vor allem in den späteren Stunden, wenn die Gäste schon alle nicht mehr wirklich nüchtern waren. Dann saß das Geld lockerer als gewohnt und ich konnte davon profitieren. Den Skrupel davor, betrunkene Menschen auszunutzen war an dem Tag gestorben, an dem sie angefangen hatten, mich zu verachten für Umstände, für die ich nichts konnte.
Also wer konnte mir verübeln, dass ich mich schon fast auf den Abend freute?

Nach einer schnellen Dusche schlüpfte ich in meine Jeans und zog mir ein Top über. Noch meine Chucks und ich war fertig. Wäre bequeme Kleidung nicht schon immer mein Style gewesen, wäre ich spätestens nach meinem Job bei Dan dazu gewechselt. Außerdem konnte ich mir eh nicht mehr leisten. Die Chucks hatte ich sogar jetzt schon seit 3 Jahren. Sie waren das letzte Weihnachtsgeschenk von meinen Eltern, welches ich bekommen hatte. Es war ein Teil von Ihnen und ich liebte sie über alles!

Und mal ganz davon abgesehen, war ich nie eines dieser Modepüppchen gewesen. Ich war schon immer lieber mit meinem Vater beim Baseball gewesen und hatte im Park Körbe mit ihm geschmissen, als vor dem Spiegel zu stehen und mich aufzutakeln. Dem konnte ich gar nichts abgewinnen.

Das war wahrscheinlich auch noch einer der Gründe, warum ich meine große Liebe noch nicht gefunden hatte. Bei den ganzen oberflächlichen Machos die hier rumliefen, hatte ich natürlich keine Chance. Ich hatte keinen Minirock an, keine künstlichen Fingernägel, kein Haarspray in den Haaren und leider auch kein Geld um in die angesagtesten Clubs zu gehen.

Aber für einen Freund hatte ich auch gar keine Zeit.

Dennoch sehnte ich mich nach Jemanden, der mich mal in den Arm nahm, einfach nur da war. Jemanden an den man sich anlehnen konnte und die Welt einfach mal vergessen konnte, alles Schlechte ausblenden konnte.

Eine Umarmung hatte die Kraft Wunden zu heilen, die das menschliche Auge nicht sehen konnte. Und von diesen Wunden hatte ich in den letzten 2 Jahren genug abbekommen. Aber es war keiner da, der mir half, diese Wunden zu schließen. Also ignorierte ich sie und versuchte sie einfach zu vergessen und hoffte, es würde genügend Schorf darüber wachsen.

An manchen Tagen gelang es mir ganz gut, an anderen nicht.

Das waren meist die Tage, wo ich am Grab meiner Eltern saß und mich mit ihnen unterhielt! Die Tage wo alles hochkam, wo ich alles immer wieder durchlebte und litt. Aber genau das gab mir immer Kraft. Kraft weiterzukämpfen und nicht aufzugeben. Kraft das Leben aufzubauen und zu leben, welches meine Eltern sich für mich gewünscht hatten.




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Die Bar war schon recht voll als ich ankam und Dan wirkte erleichtert, als er sah, dass ich zur Tür reinkam. „Das wurd aber auch Zeit Mädchen. Lisa weiß schon nicht mehr wo ihr der Kopf steht, also los, die Arbeit wartet!“

Er war nie einer der große Reden hielt, seine Religion war seine Bar und dafür lebte er. Also traf es mich auch nicht, das er mir nie ‚Hallo‘ sagte, oder mich nach meinem Befinden fragte. Es war eh eine Frage, die ich nicht gerne beantwortet. Also war ich froh darüber, dass Dan so war, wie er war.

Ich schnappte mir ein Tablett und legte los, die Leute an den einzelnen Tischen zu bewirten. Ihre Blicke und Anzüglichkeiten ignorierte ich fast schon zu gut, aber so war es nun mal, wenn man mein Leben lebte. Man musste stark sein. Man durfte sich nicht die Blöße geben, Gefühle oder Trauer zu zeigen, man durfte nicht verletzbar wirken. Denn das wäre das gefundene Fressen für diese Piranhas gewesen, auf das sie sich nur allzu gerne gestürzt hätten.

Der Trubel in der Bar hielt mich auf Trab und so lief ich von Tisch zu Tisch, bis irgendwann Dan zu mir kam und meinte, ich könne jetzt Heim gehen. Den Rest würden Tom, Brian und er schon alleine schaffen. Ich trank noch schnell mein Glas Wasser aus, schnappte mir mein Geld was mir Dan hinhielt und steckte es zu meinem Trinkgeld, was ich den Abend über erbeutet hatte, dann verließ ich die Bar und machte mich auf den Heimweg.

Mittlerweile hatte es angefangen zu regnen und ich hatte weder Schirm, noch eine Jacke dabei. Ich versuchte mich an den Häuserwänden zu quetschen, um mich davor zu schützen, was aber nicht wirklich gut gelang. Es waren zwar nur ein paar Minuten bis zu meiner Wohnung, aber die reichten aus, dass ich pitschnass war, als ich endlich dort ankam.

Ich zog mir die Sachen aus und hing sie über die Heizung, damit sie trocknen konnten und nahm dann eine schnelle Dusche, damit sich meine nassen und angespannten Muskeln sich etwas lockern konnten. Danach zog ich mir ein altes T-Shirt an, machte ich das Licht aus und ging Schnurstraks ins Bett.

Früher, gerade als meine Eltern mich verlassen hatten, hatte ich eine Angst gegen die Dunkelheit entwickelt, weil ich mich immer alleine gefühlt hatte. Hatte immer nur diese Schwärze und Leere vor mir gesehen und gedacht, sie würde mich verschlucken. Also hatte ich immer ein Lämpchen brennen lassen. Aber als ich dann die Stromrechnung bekam, hatte ich auch diese Angst sehr schnell wieder in den Griff bekommen.

Nun lag ich im Dunkeln im Bett, hatte nur etwas Licht von der Straßenlaterne, die durch mein Fenster strahlte und hörte den Regen gegen das Fenster prasseln. Ich lauschte diesem Geräusch, welches eine beruhigende Wirkung auf mich hatte und war dankbar, einen weiteren Tag überstanden zu haben.

Über diesen Gedanken schlief ich dann irgendwann ein.