Kurzbeschreibung

Was wäre, wenn du dir ein Leben voller Wärme, Geborgenheit und Freude vorgestellt hättest, ein Leben mit liebevollen Eltern und den besten Freunden auf der ganzen Welt. Was wenn die Realität aber eine ganz andere ist? Die Eltern bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Deine Freunde dich nur ausgenutzt haben. Mein Leben hatte schon lange seinen Glanz verloren. Aber dann wurde alles nur noch schlimmer. Der Tag an dem ich zu Carlisle Cullen verschleppt wurde, war der Tag, an dem meine Seele endgültig starb.

Freitag, 28. Mai 2010

Kapitel 18

Alice PoV


Nach einer zermürbenden Nacht, in der ich nicht wirklich schlafen konnte, saßen wir wieder im Frühstücksraum und jeder widmete sich schweigend seiner Mahlzeit. Ich brachte, wie eigentlich immer, nicht wirklich was hinunter. Die Cornflakes schmirgelten in meinem Hals wie Sandpapier und der O-Saft brannte wie Säure. Mein Magen protestierte und ich musste mich schwer zusammenreißen die Nahrung bei mir zu behalten. Feine Schweißperlen bildeten sich auf meiner Stirn. Aber ich musste es aushalten, was anderes wäre sinnlos gewesen.

„Alice, Kleines, versuch doch wenigstens deine Banane zu essen. Ich weiß genau, es ist beinahe unmöglich aber du brauchst Kraft!“ Bella hatte ihre Hand auf meine gelegt und die Wärme die sie auf mich übertrug wirkte tröstlich. Ich atmete tief ein und schälte langsam die gelbe Banane, Bella hatte recht. Ich konnte nichts an meiner Situation ändern, aber ich konnte entscheiden wie ich ihr gegenübertreten wollte.

Ich rief mir unser gestriges Gespräch ins Gedächtnis. Alle meine Hoffnung stützte sich auf Jaspers Revierinstinkt, ja so absurd es auch war. Seine Besitzansprüche auf mich, warum auch immer er sie hatte, waren meine engsten Verbündeten in diesem Kampf. Diesem Kampf gegen James und für etwas Schutz.

Ich seufzte und biss in die Frucht, die allerdings genauso wenig schmeckte, wie der Rest!

Eine Zeit lang saßen wir nur schweigend beieinander, wie der ganze Rest hier auch, dann schlug die Uhr über dem Trainingsplan 9 Uhr und gleich darauf setzte das übliche, emsige Treiben der Mädchen ein. Der Alltag begann und jeder wollte rechtzeitig zu seinen Aufgaben kommen.

Heute sollte Bella in den Darkroom und ich in Raum 6, nie davon gehört! Was immer da auch auf mich lauern mochte…

Ich packte Bella am Arm, Panik überflutete mich mit einem Mal. „Bella, was ist Raum 6? Was muss ich anziehen? Scheiße, verflucht, ich hab nur noch 15 Minuten! Was mach ich jetzt?“

Bella war jedoch genauso ratlos wie ich. Verdammt! Dann würde ich jemanden fragen, es ging nicht anders, ich wollte nicht noch mal eine Demütigung erleben wie mit James, bisher war Jasper zwar immer ‚nett‘ zu mir gewesen, naja, so nett wie er sein konnte, doch nur Gott allein wusste, was passieren würde wenn ich nicht nach seiner Pfeife tanzen würde. Und ich war definitiv nicht scharf darauf das raus zu finden.

Ich blickte mich im Frühstücksraum um, wer sah den hier denn einigermaßen ‚vertrauenswürdig‘ aus? Schließlich wollte ich nicht vom Regen in die Traufe geraten. Angela kam schon mal nicht in Frage. Sie wirkte auf mich genauso schizophren wie Esme. Und sie war ein Mensch, kein totes Wesen, welches schon immer in diesem Wahnsinn lebte. Aber wen konnte ich fragen?

Dann sah ich ihn. Ein Junge, etwa in unserem Alter, er hatte eine rostbraune Haut und lange schwarze Haare. Ich deutete unauffällig auf ihn und Bella nickte. Er wirkte sympathisch, so wie der nette Junge von nebenan. Genau so jemanden hatte ich gesucht.

Wir hatten ihn schon mal flüchtig an unserem ersten Tag hier gesehen, erinnerte ich mich langsam. Aber an mehr konnte ich mich nicht erinnern. Er saß ganz alleine an einem Tisch und er war und ist immer noch das einzige männliche Wesen hier. Wenn man mal von den Wachen und dem Psycho-Doc absah. Der Arme!

Ich nahm all meinen Mut zusammen, Bella drückte kurz meine Hand und ich ging schnurstracks auf den Indianer Jungen zu. Ich konnte mir nicht leisten zu trödeln, die Zeit arbeitete stetig gegen mich.

„Entschuldige bitte. Kannst du mir vielleicht helfen?“ Meine Stimme war nicht mehr als ein leises Flüstern aber anscheinend hatte er mich gehört, denn er lächelte freundlich. Das war schon mal ein gutes Zeichen, obwohl Esme lächelte auch immer freundlich…

Ich weigerte mich diesen Gedanken zu Ende zu führen. Esme war krank, schizophren, vollkommen verhaltensgestört und dieser Junge hier wirkte so vertrauenswürdig und ehrlich sympathisch. Ich war entschlossen ihn zu mögen. Zumindest ich meine Meinung über ihn noch nicht geändert hatte.

„Ich hoffe ich kann, Herzchen. Du siehst so verloren aus.“ Sein Lächeln verschwand nicht und sein Tonfall war warm und sanft.

„Ich bin neu hier und weiß nicht was ich tun soll. Ich habe jetzt ein Training in Raum 6. Ich war noch nie da und weiß nicht welche Kleidung dort erwünscht ist, bitte hilf mir wenn du kannst.“

„Glücklicherweise kann ich dir sogar weiterhelfen, da war ich gestern. Ich bin ja auch noch nicht so lange hier und bin auch um jede Hilfe dankbar, die sind ja so was von streng hier.“ Den letzten Satz flüsterte er in meine Ohr, man wusste ja nie wer sonst noch so zuhörte.

Ich strahlte ihn an „Ja, wirklich? Bitte, dann sag es mir, ich habe nämlich nur noch zehn Minuten.“

Er erwiderte mein Lächeln, „Kein Problem, Kleines. In Raum sechs wartet nichts weiter als ein schönes, großes, weiches Himmelbett auf dich. Da reicht es wenn du ein einfaches Negligee anziehst.“

Ich ergriff seine Hand, „Danke, ich danke dir vielmals. Ich bin übrigens Alice und meine Freundin dahinten, die schon ungeduldig von einen auf den anderen Fuß tritt, ist Bella.“

Der Junge schüttelte meine Hand. „Freut mich Alice, ich bin Jacob. Aber jetzt beeilt euch lieber, sonst kommt ihr noch zu spät. Vielleicht haben wir ja irgendwie später die Möglichkeit auf ein kleines Pläuschchen!“

Das ließ ich mir nicht zweimal sagen und Bella und ich hetzten hinaus.

Genau fünf Minuten später stand ich vor Raum 6 und zitterte mal wieder wie Espenlaub. Was würde heute wohl passieren? Ein letztes Mal zupfte ich mein beigefarbenes Spitzennegligée unter meinem Morgenmantel zu Recht und betrat, mit laut klopfendem Herzen, Zimmer 6.

Dieses Mal gab es sogar Licht! Ein sanftes rotfarbenes Lichtspiel ergoss sich über das Zimmer und dessen Einrichtung, die nebenbei gesagt, mehr als spärlich war. Ein Schrank, eine Couch und ein riesiges Himmelbett, das den Raum dominierte.

Na klasse, jetzt war ich wirklich im Rotlicht Milieu angekommen. Genauso stellte ich mir ein „Stundenzimmer“ vor.

„Da bist du ja, Alice! Und pünktlich auf die Sekunde, das lob ich mir!“

Die vertraute, weiche, dunkle Stimme drang hinter den schwarzen Bettvorhängen zu mir. Erleichtert atmete ich aus, nicht James sondern Jasper.

„Hallo Jasper!“ begrüßte ich ihn zögerlich.

„Komm her meine Schöne. Komm zu mir aufs Bett. Aber leg vorher deinen Morgenmantel ab.“

Langsam löste ich den Knoten und der seidene Stoff glitt sofort auseinander und ein leises Knurren ertönte hinter den Vorhängen. Auch wenn ich Jasper nicht sehen konnte, war ich mir sicher dass ihm nicht die kleinste Bewegung meinerseits entging.

Nur keine Angst, redete ich mir ein. Er meint es gut mit dir….irgendwie….ok, er will dich zur Hure machen und enthält dir deine Freiheit vor…aber abgesehen davon…. Ach, das machte doch alles keinen Sinn. Hatte ich mich etwa mit dem Stockholm-Syndrom infiziert? Baute ich etwa eine Bindung zu meinem Entführer auf?

Energisch schüttelte ich den Kopf, ich versuchte jetzt nicht daran zu denken, am besten gar nicht zu denken. Ich probierte meinen Geist von meinem Körper zu lösen. Mit einem tiefen Atemzug trat ich an das riesige Bett und strich die Vorhänge beiseite und da lag er.

Jasper lag auf der Seite, mit nichts weiter an als einer schwarzen Trainingshose. Zu meiner Schande musste ich mir eingestehen, dass er wirklich göttlich aussah. Seine blonden Locken fielen ihm ins Gesicht und sein Körper schimmerte im Rotlicht. Er war perfekt durchtrainiert, aber nicht aufgepumpt.

In der ‚realen‘ Welt wäre er genau mein Typ.

Er klopfte neben sich auf das Bett. „Na komm schon Alice, du müsstest doch mittlerweile wissen, dass ich dir nichts tue.“ Ok, seine Stimme hatte jetzt einen genervten Unterton und so beeilte ich mich schleunigst neben ihn zu krabbeln. Vermeidung von Schmerzen, das war zu meinem Neuen Lebensmotto geworden.

Ich mied seinen Blick so gut ich konnte, diese Tiefe, dieses animalische Schimmern in ihnen machte mich nervös und ich studierte eifrig die goldene Satin Bettdecke.

>Du musst es ihm sagen, sprich mit ihm. Er hat dir doch gesagt, dass du ihm vertrauen sollst.<
Bellas Worte schwirrten, wie ein Mantra in meinem Kopf. Noch einmal wogte ich das für und wider ab, aber genau wie in der vorigen Nacht kam ich nur zu einem Ergebnis: Lieber würde ich Jaspers Strafen auf mich nehmen als noch einmal alleine mit James zu sein! Damit war das Urteil endgültig gefällt und ich nahm all meinen Mut zusammen….schon wieder.

Ich blickte ihm geradewegs in seine herrlichen blauen Augen. Sein Blick war starr auf mich gerichtet, fixierte mich auf die übliche Art. „Du hast was auf dem Herzen, Liebste?“ kam er mir zuvor. War ja klar, dass er das wieder wusste. „Erzähl mir davon, bitte!“ Gott, sein Tonfall war so weich und sanft, fast lies ich mich davon einlullen. Aber ich brauchte jetzt meinen ganzen Willen.

„Ja….“, begann ich leise. „Das stimmt. Ich habe Angst, Jasper…“ seine Pupillen weiteten sich aber er streichelte ganz leicht meinen Handrücken und dann sprudelte die ganze furchtbare Geschichte aus mir heraus. Es war nicht einfach und ein paar Mal geriet ich ins Stocken, aber er unterbrach mich nicht, wofür ich ihm sehr dankbar war. Ich weiß nicht ob ich sonst alles hätte erzählen können.

Als ich fertig war sagte er nur kalt „Alice, er wird dich nie wieder anrühren, das schwöre ich!“

Vor Erleichterung schloss ich die Augen. Das Schlimmste hatte ich hinter mir und Jasper hatte mir seinen Schutz versprochen. Natürlich war ich immer noch misstrauisch, das würde ich, glaub ich, nie ablegen. Gott sei Dank dafür. Meine absolute Horrorvorstellung war so zu werden wie Esme oder Angela.

Dann riss Jasper mich aus meinen Gedanken. „Also Alice, heute möchte ich dass du meinen Körper kennen lernst. Aber entspann dich, es wird dir gefallen.“

Klar, da bin ich sicher. Ich bin schon ganz scharf drauf! Dachte ich sarkastisch aber wenigstens ließ er das Thema „James“ ruhen.

„Schließ die Augen, Schönheit.“ Warum gab er mir auf einmal solche Spitznamen?

Ich tat wie befohlen, atmete tief ein versuchte meinen Geist zu klären und eine Weile passierte gar nichts, ich hörte nur meinen Herzschlag und unsere beider Atem. Dann spürte ich wie er meine Hand nahm und sie an seine Wange legte. Sie war kühl aber bestürzend weich, fast wie die Haut eines Babys. Er glitt mit meiner Hand tiefer, an seinem Hals vorbei, auf seine Schulter. Langsam legte er meine Hand auf sein Herz und es war verstörend für mich dort keinen Herzschlag zu fühlen. Aus Reflex wollte ich meine Hand zurückziehen.

„Nein, Alice. Bitte lass deine Hand auf mir, erforsche mich, lerne mich kennen.“

Auch wenn er es als Bitte formuliert hatte, war es, so wie alles was sie sagten, ein Befehl und ich wagte nicht gegen diese Befehle zu verstoßen. Er ließ meine Hand los und ich fuhr allein fort seinen Körper zu erkunden. Mit geschlossenen Augen war es wirklich viel einfacher, so war ich nicht seinem drängenden, intensiven Blick ausgesetzt. Seine Haut fühlte sich fantastisch an. Glatt und weich aber ich spürte auch die ungeheure Kraft in seinen Muskeln, ich wusste, er könnte mich mit nur einer kurzen Bewegung töten.

Gegen meinen Willen fühlte ich wie sich mein Körper erwärmte und zwar nicht weil es in dem Zimmer warm war, er erwärmte sich für ihn. Jasper. Mein Trainer, mein Entführer…
Ich konnte nichts dafür aber diese Kombination aus Sanftheit und Tod die er ausstrahlte, hatte seine ganz eigene Wirkung auf meinen Körper.

Sanft ertastete ich seine Brust und glitt zu seinem Waschbrettbauch. Er war perfekt! Ich schämte mich, solche Empfindungen zu haben, es war nicht fair! Ich wollte nicht, dass es sich gut anfühlte und vor allem wollte ich ihn nicht Gutfinden. Während meine Hand sich wie automatisch auf seine Hüfte legte, riskierte ich einen winzigen Blick auf ihn.

Langsam, millimeterweit öffnete ich meine Lider und betete, dass er es nicht merken würde aber ich konnte nicht anders. Jasper war ein Bild puren männlichen Wohlbehagens. Er hatte seinen Kopf in den Nacken gelegt und die Lippen ein Stück weit geöffnet, sein Daumen streichelte meine andere Hand, die neben ihm lag. Er sah wundervoll aus. Ein wohliges Ziehen machte ich sich in meinem Unterleib bemerkbar und gleich darauf, blähten sich seine Nasenflügel.

Verdammt, wahrscheinlich konnte er meine Reaktion auf seinen Körper riechen. Gott, wie peinlich war das denn?! Jetzt würde er über mich herfallen. Oder? Ich konnte nicht mehr und entzog mich ihm. Es war zu viel, in meinem Kopf herrschte nur noch Chaos und ich wünschte mich meilenweit weg.

„Alice, was ist los? Warum hast du aufgehört? Es hat dir doch gefallen, das konnte ich wittern!“

Unter keinen Umständen würde ich das zugeben! Es hatte mir nicht gefallen, redete ich mir ein, ich wurde schließlich dazu gezwungen! Außerdem hatte ich das Gefühl, ich sei ihm etwas schuldig.

„Ich…ich…“, verdammt ich konnte keinen vernünftigen Satz formulieren.

„Ist schon gut Alice, dass ist jetzt alles was viel für dich, glaube ich. Geh in dein Zimmer und ruh dich aus. Wir können später weiter machen!“

Konnte es noch schlimmer werden? Jetzt war er sogar noch verständnisvoll!

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