Kurzbeschreibung

Was wäre, wenn du dir ein Leben voller Wärme, Geborgenheit und Freude vorgestellt hättest, ein Leben mit liebevollen Eltern und den besten Freunden auf der ganzen Welt. Was wenn die Realität aber eine ganz andere ist? Die Eltern bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Deine Freunde dich nur ausgenutzt haben. Mein Leben hatte schon lange seinen Glanz verloren. Aber dann wurde alles nur noch schlimmer. Der Tag an dem ich zu Carlisle Cullen verschleppt wurde, war der Tag, an dem meine Seele endgültig starb.

Freitag, 21. Mai 2010

Kapitel 17

Bella PoV

Kaum hatte Laurent mich wieder in mein Zimmer gebracht, ging ich gleich ins Bad und wollte nur noch duschen. Ich fühlte mich irgendwie dreckig und schmutzig. Ich war zwar sauber und das schöne weiße Kleid hatte keinen einzigen Fleck, aber meine Seele sah da ganz anders aus. Edward hatte es geschafft meinen Körper gegen mich einzusetzen und es war ihm erfolgreich gelungen.

Das Kleid legte ich vorsichtshalber noch auf die Kommode, damit mit ihm nichts passieren konnte und flüchtete unter die heiße Dusche und schrubbte meine Haut. Sorgfältig nahm ich mir jeden einzelnen Zentimeter vor und säuberte ihn. Immer wieder, bis die Haut langsam rot wurde, denn ich wollte einfach wieder rein werden. Dazu wusch ich mir auch dieses grausame Make-up ab, ich wollte wieder ich sein, keine Puppe.

Doch das schlimme war, es hatte mir ja gefallen. Es war sogar richtig schön gewesen und ich hätte gerne mehr davon gehabt, aber das konnte ich ja schlecht zugeben. Außerdem war es mir unsagbar peinlich, dass nicht nur mein Körper sich gegen mich gestellt hatte, sondern auch so langsam mein Verstand gegen mich arbeitete. Das durfte ich nicht zulassen, sonst würde ich noch wie Angela enden und das Treiben hier toll finden und mich auf dieses Unterricht freuen. Ich würde hier enden und mich selber verlieren. Davor hatte ich am meisten Angst, eine Hülle zu werden.

Ein Klopfen an der Tür holte mich aus meinen trüben und traurigen Gedanken und ließ mich inne halten. „Bella, kann ich reinkommen?“ ertönte Alice Stimme etwas undeutlich und ich atmete erleichtert aus. „Klar, komm rein!“ rief ich zurück, während ich das Wasser abstellte und mir ein Handtuch nahm, um mich darin einzuwickeln.

Alice kleine und zierliche Gestalt kam umgehend durch die Tür zu ihrem Schafzimmer herein und ich ging auf sie zu und nahm sie einfach in den Arm! Es tat so gut jemanden zu haben, der für einen da war und auch ohne Worte verstand. Sie wusste genau, wie ich mich fühlte und sie dachte das Gleiche. Sie war meine Vertraute. Eine kleine Ewigkeit standen wir so da, Arm in Arm und keiner sagte etwas, aber wir verstanden uns auch so.

„Wie war dein Training?“ fragte ich dann irgendwann und ließ von ihr ab.

„Oh Gott Bella, du ahnst es ja gar nicht. Ich musste dieses grausam und ultrakurze Kleid anziehen, dazu diese Mörderstiefel und dann in diesen komischen Darkroom gehen. Aro habe ich auch noch auf dem Weg dorthin getroffen“, sie brach kurz ab und ein Schauer durchfuhr sie. „Naja, und dann war ich in diesem Raum, alles war dunkel und ich konnte überhaupt nichts sehen. Und auf einmal war ich an Armen und Beinen gefesselt.“

„Was?“

„Ja, aber das merkwürdige war, es war Jasper der bei mir war und nicht James!“

„Na und? Der ist doch genau so psycho, wo bitte ist da der Unterschied?“

„Bella, ich glaube ich muss dir da was erzählen. Lass uns in dein Schlafzimmer gehen, damit du dir etwas anziehen und dich setzen kannst.“

Ok, was mochte denn jetzt kommen? Wir beiden gingen rüber zu mir und ich nahm mir mein Nachthemd, welches ich mir anzog und setzte mich dann zu Alice auf mein Bett. Erwartungsvoll sah ich sie an.

„Versprich mir, dass du mir nicht böse wirst, weil ich es dir noch nicht erzählt habe!“

„Was ist passiert Alice?“

So langsam machte ich mir Sorgen. Alice atmete einmal tief durch und schloss kurz die Augen. Als sie sie wieder öffnete guckte sie nicht mich an, sondern sie fixierte einen Punkt hinter mir an der Wand, so als ob sie irgendetwas anderes, in der Vergangenheit sah. Und dann erzählte sie mir von dem Moment, als James sie gebrandmarkt hatte und, während sie bewusstlos war, auf sie ejakuliert hatte. Sofort drehte sich mir der Magen um, wie konnte man so krank und gestört sein? Wie pervers und abartig?

Und wer wusste, was er während meiner Bewusstlosigkeit getan hatte?

„Er hat was?“ brachte ich dann nach etwas längerer Zeit zu Stande.

„Ja, ich ….. ich wusste nicht, …. Also ich konnte irgendwie….“

„Komm her“, sagte ich schnell und nahm sie in den Arm, denn man merkte, wie ihr diese Sache zu schaffen machte. „Alice, du konntest nichts dafür. James ist so ein widerliches Arsch, ein richtiger Perversling! Es war nicht deine Schuld, bitte red dir das nicht ein!“

„Ja, und genau deswegen ist mit Jasper lieber. Er mag zwar krank sein, aber vor James habe ich einfach nur Angst. Der würde die Situation doch nur ausnutzen und mich wahrscheinlich quälen und vergewaltigen wo er nur kann. Jasper scheint irgendwie einen Narren an mir gefressen zu haben. Ok, ich traue ihm auch keinen Zentimeter weit, aber dennoch glaube ich nicht, dass er so grausam zu mir sein könnte.“

Das klang einleuchtend! „Aber warum war denn jetzt Jasper und nicht James bei dir?“

„Keine Ahnung, dass hat er nicht gesagt. Er hat gesagt ich soll ihm vertrauen und dann hat er mich angefasst und meinte er will meinen Körper kennenlernen. Und zu meiner Schande muss ich gestehen, es hat mir sogar irgendwie gefallen.“ Sie schaute verlegen auf ihre Hände, welche in ihrem Schoß lagen. „Es hatte etwas Besitzergreifendes und Zufriedenes, wie er mit mir umgegangen ist. Aber als ich kurz aufgestöhnt hab, weil es mir gefallen hat, schien er es falsch verstanden zu haben und meinte er wolle mir nicht wehtun und Simsalabim, stand ich alleine da und war nicht mehr gefesselt. Er war einfach verschwunden!“

„Er ist abgehauen?“

„Ja.“

„Danach kam Laurent zu mir und hat mich zu einer gewissen Person namens Tanya geschleift und wurde grundüberholt.“ Vielsagend blickte sie an sich runter und verzog dabei ihr schönes Gesicht.

„Du warst auch bei Tanya?“ Erst jetzt fiel mir auf, dass Alice geschminkt und frisiert war.

Alice erzählte mir was ihr bei Tanya widerfahren war und konnte mich komplett darin wiederfinden, denn ich hatte genau das Gleiche durchgemacht. Ich erzählte Alice von meinem Tag und sie wirkte total durch den Wind, als sie erfuhr, dass Edward mich geschlagen hatte, weil ich die falsche Kleidung anhatte, guckte aber total verwirrt, als ich dann von meinem Erlebnis in diesem Spiegelkabinett erzählte. Ich erzählte ihr auch, wie ich gefühlt hatte und wie ich mich gerade fühlte. Ich musste es ihr einfach erzählen, denn ich war total verwirrt. Ich wusste immer noch nicht, wie ich damit umgehen sollte und was ich davon halten sollte.

„Weißt du Alice, ich kam mir so schmutzig vor, dass ich sofort unter die Dusche bin, aber ich muss gestehen, es hat mir gefallen. Sehr sogar! Ich wollte das eigentlich gar nicht, aber mein Körper ist total aufgegangen und hat er genossen. Und eben, unter der Dusche, da habe ich gemerkt, dass nicht nur mein Körper angetan war. Ich würde es gerne nochmal erleben. Das ist doch krank, oder? Ich meine, ich kenne ihn nicht und er ist ein Verbrecher, ein Vampir und einfach krank. Wie kann ich so empfinden?“

Alice guckte mich intensiv an und legte ihren Kopf schräg. „Nun ja, wenn man mal die Schläge weglässt, war Edward ja eigentlich immer ganz ok. Und wenn man bedenkt, welche Erotik der Mann ausstrahlen kann, kann ich verstehen dass es dir gefallen hat. Nicht umsonst sind die anderen alle eifersüchtig auf dich. Ich glaube das Problem ist, dass es unter diesen Umständen passiert ist.“

Lange blickte ich sie an und dachte über ihre Worte nach. Wäre es unter anderen Bedingungen auch so gewesen? Hätte es mir auch gefallen? Es war einfach zu viel für mich! „Ich habe keine Ahnung,“ sagte ich dann resignierend.

„Ich auch nicht, denn mir geht es ja ähnlich. Es ist so irre, ich kann es einfach nicht erklären. Jasper ist mehr wie ein Tier als ein Mensch, äh Vampir, aber irgendetwas hat er, was mich anspricht. Ich kann dir nicht erklären warum, denn eigentlich ist es ja total dumm, aber es ist so!“

Wo waren wir beide denn da nur rein geraten? Das war die reinste Hölle und unsere Gefühle spielten verrückt!

Auf einmal, ohne jegliche Vorwarnung wurde die Tür aufgestoßen und Esme stand mit einem Tablett und 2 Tellern darauf vor uns. Komisch, normalerweise hörte man, wenn die Tür aufgeschlossen wurde, aber diesmal hatte man nichts gehört. Es wurde immer ominöser in diesem Haus, aber ich hatte aufgehört mir darüber Gedanken zu machen.

„Meine beiden Süßen, wie geht es euch?“

„Gut“, versuchte ich so locker wie möglich zu sagen, denn ihr konnten wir ja schlecht die Wahrheit sagen.

„Das freut mich. Wie ich sehe habt ihr euren ersten Trainingstag gut überstanden“, verkündete sie glücklich und stellte das Tablett auf meinem Nachttisch ab. „Und Alice, du siehst wunderbar aus! So schick, unglaublich schön!“ Dann wandte sie ihren Blick zu mir. „Bella Mäuschen, ich habe gehört, dass Edward dich bestrafen musste, weil du dich auf den Unterricht nicht richtig vorbereitet hattest.“ Ihr Blick wurde mitleidig und ich hätte ihr am liebsten die Augen ausgekratzt. Dämliche Kuh! „Aber wie ich sehe, geht es dir wieder ganz gut. Und Edward hat mir berichtet, dass die zweite Stunde ein voller Erfolg war. Er sagt du hast richtig Potenzial zum Publikumsliebling zu werden.“

Publikumsliebling? Und schon waren die halbwegs positiven Gefühle, die Edward in mir geweckt hatte wieder dahin. Mir wurde schlagartig wieder bewusst, warum Edward das mit mir getan hatte und das es nicht so war, als ob er es freiwillig oder gerne machte, oder weil er Spaß dran hatte. Er tat es, weil es ihm aufgetragen wurde und ich sollte als Hure ausgebildet werden. Die Verwirrung wisch der Wut und der Enttäuschung.

„Äh… Esme?“ hörte ich Alice leise Stimme.

„Ja Schätzchen“, Esme war sofort bei ihr und strich ihr behutsam über den Kopf, wie man es bei einem Kleinkind machte.

„Warum hat Jasper heute die Stunde abgehalten? Also, ….. naja….. ich dachte James, also dass er mein Trainer wäre.“

„Ich bin zwar nicht voll im Thema, dass ist Carlisles Aufgabe, aber ich habe mitbekommen, dass James sich einen groben Fehltritt geleistet hat. Was genau weiß ich selber nicht, aber ganz ehrlich, da lasse ich los und du solltest das auch tun. Jasper hat seine Aufgabe übernommen und du kannst trainiert werden, dass ist doch das Wichtigste. Ich werde mal mit meinem Mann besprechen, ob dieser Wechsel von Dauer ist, oder ob nur für eine absehbare Zeit“

Beim letzten Satz hatte sich Alice Gesichtsfarbe drastisch geändert und hatte sich immer mehr einem Weißton angenähert.

„Mach dir keine Sorgen mein Schatz, wir finden da schon einen Weg, aber darüber musst du dir dein süßes Köpfchen nicht zerbrechen. Esst erstmal und schlaft euch aus. Morgen habt ihr beide eine Trainingsstunde, die Daten findet ihr wieder im Frühstückssaal. Und morgen Nachmittag werdet ihr in eure Arbeit in der Bar eingeführt. Vielleicht seid ihr ja schon so gut, dass ihr morgen Abend schon richtig loslegen könnt. Also, ihr seht, ein großer Tag steht euch bevor.“

Dann gab Esme uns beide einen Kuss auf den Kopf, was in mir den Wunsch weckte, mich erneut zu duschen. „Lass es euch schmecken und gute Nacht meine beiden Kinder!“ sagte sie noch in ihrer Art, die mich jedes Mal an ihrer Zurechnungsfähigkeit zweifeln ließ, drehte sich um und ging wieder.

„Die Frau ist richtig krank. Egal ob Mensch oder Vampir, die gehört doch in die Geschlossene!“

„Bella, hast du das gehört, wenn ich Pech habe, wird James doch noch mein Trainer! Das schaff ich nicht. Wenn James mich trainiert, wird das mein Tod. Er wird mich fertig machen und mich dabei auch noch auslachen, dass pack ich nicht.“

„Alice ganz ruhig! Rede doch morgen bei deinem Training mit Jasper deswegen, denn James wird dich ja erstmal nicht trainieren.“

„Mit Jasper?“

„Ja, er sagte doch, du sollst ihm vertrauen. Und wenn er wirklich so besitzergreifend ist, wie du denkst, dann wird er bestimmt nicht zulassen, dass James dir etwas tut. Außerdem wird er es dir wohl hoch anrechnen, dass du dich ihm anvertraust. Und da er der Sohn vom Paten hier ist, kann er da bestimmt was drehen.“

„Meinst du wirklich?“

„Ja Al, frag ihn und du wirst sehen, er wird dir dabei bestimmt helfen. Da er, wie du so schön gesagt hast, einen Narren an dir gefressen hat, will er dich doch weitertrainieren und wenn ihr zusammenhaltet….“ Gott was redete ich denn da für einen Quatsch? So langsam begann ich durchzudrehen, es war soweit!

„Gut, ich werde mit ihm reden. Wenn ich den Mut dazu aufbringe.“

„Das wird schon“, versuchte ich ihr die Angst zu nehmen und strich ihr behutsam über den Arm. Wie würde ich wohl in dieser Situation reagieren?

Alice blickte mich leicht lächelnd an und nickte. „Ja, irgendwann muss es ja mal bergauf gehen. Selbst in der Hölle. Ich geh grad duschen und dann essen wir, ok?“

„Ok, ich warte auf dich.“

„Danke Bella“, sagte sie und nahm mich in den Arm. „Danke für alles!“ Dann ließ sie mich los und verschwand im Bad.

Ich hoffte sie hatte recht, irgendwann muss es ja besser werden!

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