Alice PoV
Ich umarmte Bella nochmal fest, dann drehte ich mich um und betete zu Gott, dass ich sie wiedersehen würde.
Mit zittrigen Knien ging ich langsam den Gang runter und blickte rechts und links auf die Türen. Darkroom. Keine Ahnung was das war, aber da sollte ich wohl in zehn Minuten erscheinen.
„Na wo wollen wir denn so alleine hin?“ Eine schwere Männerhand landete auf meiner Schulter. Aro, dieser komische Arzt, grinste mir lüstern ins Gesicht. Na prima, der hatte mir gerade noch gefehlt.
„Ich…ich bin…“ setzte ich an. „Ich würde sagen, Liebes, “ fiel er mir ins Wort, „ du bist in Schwierigkeiten. Wenn dich jemand hier alleine findet auf dem Flur, kann das sehr ernste Konsequenzen für dich nach sich ziehen.“
Sein Daumen streichelte meine Schulter. „Du kannst von Glück sagen, dass ich es bin, dem du in die Arme gelaufen bist!“ Er beugte sich nahe zu mir herunter. „Es wäre wirklich ein Jammer, diese zarte, perfekte Haut zu verletzen!“
Er küsste meine Stirn und seine langgliedrigen Finger strichen von meiner Schulter meinen Arm hinunter. Ich hatte Mühe mein Frühstück bei mir zu behalten, dieser Vampir war so was von widerlich schmierig und lüstern. Buchstäblich zum kotzen.
„Komm jetzt!“ Er richtete sich auf. „Ich bring dich ausnahmsweise zu deiner Trainingsstunde, aber vorher musst du dich umziehen. Hat dir das keiner gesagt?“
Ich schüttelte den Kopf. Wie umziehen? Davon wusste ich nichts und Bella auch nicht! Verdammt, da stellte sich doch die Frage was wir noch alles „nicht wussten“!? Aber woher auch?
Aro brachte mich schnell in mein Zimmer zurück und öffnete den riesigen Kleiderschrank. „Alice, das ist ganz wichtig! Du musst dich den jeweiligen „Trainigsumständen“ anpassen! Hast du ein Date im Klassenzimmer, so wie deine Freundin Isabella heute, dann solltest du dich für die Schuluniform entscheiden. Eine Trainingsstunde im Darkroom lässt auf Lack und Leder schließen. Ist doch logisch!“
Ja, logisch! Glasklar! Verdammt, Lack und Leder!? Ich wurde wohl ohne Umschweife direkt in die Hölle geschmissen.
Genervt riss Aro einen Lederfetzen, in der Größe eines Putzlappens, vom Kleiderbügel. „Komm Liebes, zieh das hier an und gib etwas Gas, du bist spät dran und ich hab auch noch andere Dinge zu tun als für dich den Wachhund zu spielen!“
Zehn Minuten später stand ich in Lack und Leder vor einer schwarzen Tür mit der Aufschrift „Darkroom“. Ich fühlte mich über die Maßen entblößt, das „Kleid“ ging mir nur bis knapp über den Po und meine Füße steckten in schwarzen, abartig hohen, Lackstiefel.
Ich öffnete zaghaft die Tür und trat ein, es war stockfinster. „So meine Schöne, ich lass dich dann mal allein. Dein Trainer dürfte jeden Moment kommen!“ Über seinen zweideutigen Witz glucksend machte sich Aro wieder auf den Rückweg. Widerlich!
Trotz aller Angst, vor dem was mir jetzt bevor stand war ich froh ihn los zu sein. Er war einfach zu eklig, schleimig und voller Tücke, zumindest vermittelte mir das mein kleiner, menschlicher Instinkt.
Vergeblich suchte ich nach einem Lichtschalter, fand aber nur allerlei merkwürdiges Zeug, das an den Wänden hing. Manches fühlte sich an wie Metall, manches wie Leder oder Gummi. Oh Gott!
Plötzlich, ohne die geringste Vorahnung, wurde ich an eine Wand gepresst, Eisen klirrte und eiskaltes Metall schloss sich um meine Handgelenke und meine Fesseln.
Ich wollte mich losmachen, ich wollte schreien. Mein Selbsterhaltungstrieb hatte eingesetzt, doch eine Hand schloss sich um meinen Mund.
Eine heisere Stimme murmelte an meinem Ohr: „Schhhhh….keine Angst, ich tu dir nicht weh, bleib einfach ganz ruhig. Es wird dir nichts geschehen!“ Die Stimme kam mir bekannt vor, aber ich konnte sie dennoch nicht einordnen.
Ruhig bleiben sollte ich? Ich war im Dunklen, mit dem Gesicht gegen eine Wand, angekettet und ein Fremder Mann konnte mit mir machen was er wollte? Fehlanzeige! Ich hatte Angst, meine Knie zitterten und mein Herz jagte im wilden Galopp.
Als ich seine Hand an meinen Fingern spürte, schrie ich vor Schock laut auf. „Alice, bitte. Du kannst mir vertrauen. Entspann dich.“ Seine Finger strichen langsam meinen Arm hinauf, es war eigentlich kein unangenehmes Gefühl, doch ich hatte zu viel Angst.
Ich fasste all meinen Mut zusammen. „Dir vertrauen? Ich kann dich ja noch nicht einmal sehen! Ich kenne dich nicht!“ Er war mittlerweile bei meiner Schulter angekommen und zog mit einem Finger feine Kreise auf meiner Haut. Augenblicklich bekam ich eine Gänsehaut.
„Alice, du kennst mich und ich kenne dich, viel besser als du es dir vorstellen kannst. Denk mal nach…“ Schlagartig fiel es mir auf, aber wie konnte das sein? Seine Stimme klang so rau und heiser!
„Jasper?“ japste ich noch, denn im gleichen Moment spürte ich ganz federleicht seine Lippen auf meiner nackten Schulter und ich fühlte so eine Art leichten Stromschlag, der durch meinen Körper zuckte. Erleichtert atmete ich aus. Jasper. Nicht James!
„Alice, ich habe dir schon gesagt, dass ich dir nicht wehtue. Ich möchte nur deinen Körper kennenlernen ohne dass mich äußere Reize beeinflussen können. Beim nächsten Training gestatte ich dir dasselbe.“
Dasselbe? Schlagartig wurde mir warm als ich mir Jasper in meiner jetzigen Position vorstellte. Angekettet, halb nackt und ich alleine mit ihm. Gleich darauf, schalt ich mich eine Närrin!
Reichten die bisherigen Begegnungen mit ihm nicht aus um zu merken, dass dieser Mann mehr Tier war als Mensch? Völlig seinen Instinkten ausgeliefert. Was würde mit mir geschehen wenn ich das falsche sagte oder tat?
Langsam wanderten seine beiden Hände von meinen Schultern über meinen Rücken, sanft strich er mir über die Taille. Er streifte meinen Po und bahnte sich seinen Weg über meine Obereschenkel. Ich hielt die Luft an und wartete mit klopfenden Herzen darauf was als nächstes kommen mochte.
Seine Hände wanderten wieder langsam nach oben, er umfasste meine Hüften und ehe ich wusste wie mir geschah drückte er zu, presste mich an sich und knurrte mir leise ins Ohr.
Mir entwich ein überraschtes Keuchen und sein Griff wurde noch fester. Es fühlte sich nicht schmerzhaft an, war jedoch eine eindeutige Botschaft: Mein!
Ich machte mich steif wie ein Brett, die Angst war wieder zurück! Was würde er jetzt tun?
Wie vom Blitz getroffen ließ er mich los, so als hätte er sich die Finger verbrannt. „Entschuldige Alice, ich wollte dir nicht wehtun. Ich denke das reicht für das erste Mal!“
Blitzschnell war ich von den Fesseln befreit, im hellen und völlig alleine. Diese verfluchten Vampire waren so verdammt schnell, daran würde ich mich nie gewöhnen können.
Jetzt stand ich alleine in einem Raum voller Ketten, Lederpeitschen und anderen Gerätschaften die ich nicht benennen konnte. In der Mitte des Raumes stand ein großer, schwarzer Tisch, mit Fesselvorrichtungen und an der Wand wo ich eben noch gefesselt war, war ein großes X angebracht, und an den jeweiligen Enden baumelten Hand-, bzw. Fußfesseln.
Ich war vollends verwirrt! Warum ist Jasper mein Trainer? Wo war James? Ich meine, nicht das ich dieses Schwein sonderliche vermisste. Ich betete zu Gott, ihn nie wieder sehen zu müssen, aber komisch war es schon.
Und dieser Jasper brachte mich komplett durcheinander. Er schien mal nett zu sein und dann fiel er wieder in dieses „tierische Verhalten“. Ich hatte Angst vor ihm, er war wie ein Tier und gleichzeitig hatte er Charisma, eine tödliche Mischung.
In seiner Nähe war ich gespannt wie eine Bogensehne, ich fühlte mich wie auf einem Drahtseil und fürchtete beim kleinsten Schritt den Halt zu verlieren.

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