Alice PoV
Nach einer zermürbenden Nacht, in der ich nicht wirklich schlafen konnte, saßen wir wieder im Frühstücksraum und jeder widmete sich schweigend seiner Mahlzeit. Ich brachte, wie eigentlich immer, nicht wirklich was hinunter. Die Cornflakes schmirgelten in meinem Hals wie Sandpapier und der O-Saft brannte wie Säure. Mein Magen protestierte und ich musste mich schwer zusammenreißen die Nahrung bei mir zu behalten. Feine Schweißperlen bildeten sich auf meiner Stirn. Aber ich musste es aushalten, was anderes wäre sinnlos gewesen.
„Alice, Kleines, versuch doch wenigstens deine Banane zu essen. Ich weiß genau, es ist beinahe unmöglich aber du brauchst Kraft!“ Bella hatte ihre Hand auf meine gelegt und die Wärme die sie auf mich übertrug wirkte tröstlich. Ich atmete tief ein und schälte langsam die gelbe Banane, Bella hatte recht. Ich konnte nichts an meiner Situation ändern, aber ich konnte entscheiden wie ich ihr gegenübertreten wollte.
Ich rief mir unser gestriges Gespräch ins Gedächtnis. Alle meine Hoffnung stützte sich auf Jaspers Revierinstinkt, ja so absurd es auch war. Seine Besitzansprüche auf mich, warum auch immer er sie hatte, waren meine engsten Verbündeten in diesem Kampf. Diesem Kampf gegen James und für etwas Schutz.
Ich seufzte und biss in die Frucht, die allerdings genauso wenig schmeckte, wie der Rest!
Eine Zeit lang saßen wir nur schweigend beieinander, wie der ganze Rest hier auch, dann schlug die Uhr über dem Trainingsplan 9 Uhr und gleich darauf setzte das übliche, emsige Treiben der Mädchen ein. Der Alltag begann und jeder wollte rechtzeitig zu seinen Aufgaben kommen.
Heute sollte Bella in den Darkroom und ich in Raum 6, nie davon gehört! Was immer da auch auf mich lauern mochte…
Ich packte Bella am Arm, Panik überflutete mich mit einem Mal. „Bella, was ist Raum 6? Was muss ich anziehen? Scheiße, verflucht, ich hab nur noch 15 Minuten! Was mach ich jetzt?“
Bella war jedoch genauso ratlos wie ich. Verdammt! Dann würde ich jemanden fragen, es ging nicht anders, ich wollte nicht noch mal eine Demütigung erleben wie mit James, bisher war Jasper zwar immer ‚nett‘ zu mir gewesen, naja, so nett wie er sein konnte, doch nur Gott allein wusste, was passieren würde wenn ich nicht nach seiner Pfeife tanzen würde. Und ich war definitiv nicht scharf darauf das raus zu finden.
Ich blickte mich im Frühstücksraum um, wer sah den hier denn einigermaßen ‚vertrauenswürdig‘ aus? Schließlich wollte ich nicht vom Regen in die Traufe geraten. Angela kam schon mal nicht in Frage. Sie wirkte auf mich genauso schizophren wie Esme. Und sie war ein Mensch, kein totes Wesen, welches schon immer in diesem Wahnsinn lebte. Aber wen konnte ich fragen?
Dann sah ich ihn. Ein Junge, etwa in unserem Alter, er hatte eine rostbraune Haut und lange schwarze Haare. Ich deutete unauffällig auf ihn und Bella nickte. Er wirkte sympathisch, so wie der nette Junge von nebenan. Genau so jemanden hatte ich gesucht.
Wir hatten ihn schon mal flüchtig an unserem ersten Tag hier gesehen, erinnerte ich mich langsam. Aber an mehr konnte ich mich nicht erinnern. Er saß ganz alleine an einem Tisch und er war und ist immer noch das einzige männliche Wesen hier. Wenn man mal von den Wachen und dem Psycho-Doc absah. Der Arme!
Ich nahm all meinen Mut zusammen, Bella drückte kurz meine Hand und ich ging schnurstracks auf den Indianer Jungen zu. Ich konnte mir nicht leisten zu trödeln, die Zeit arbeitete stetig gegen mich.
„Entschuldige bitte. Kannst du mir vielleicht helfen?“ Meine Stimme war nicht mehr als ein leises Flüstern aber anscheinend hatte er mich gehört, denn er lächelte freundlich. Das war schon mal ein gutes Zeichen, obwohl Esme lächelte auch immer freundlich…
Ich weigerte mich diesen Gedanken zu Ende zu führen. Esme war krank, schizophren, vollkommen verhaltensgestört und dieser Junge hier wirkte so vertrauenswürdig und ehrlich sympathisch. Ich war entschlossen ihn zu mögen. Zumindest ich meine Meinung über ihn noch nicht geändert hatte.
„Ich hoffe ich kann, Herzchen. Du siehst so verloren aus.“ Sein Lächeln verschwand nicht und sein Tonfall war warm und sanft.
„Ich bin neu hier und weiß nicht was ich tun soll. Ich habe jetzt ein Training in Raum 6. Ich war noch nie da und weiß nicht welche Kleidung dort erwünscht ist, bitte hilf mir wenn du kannst.“
„Glücklicherweise kann ich dir sogar weiterhelfen, da war ich gestern. Ich bin ja auch noch nicht so lange hier und bin auch um jede Hilfe dankbar, die sind ja so was von streng hier.“ Den letzten Satz flüsterte er in meine Ohr, man wusste ja nie wer sonst noch so zuhörte.
Ich strahlte ihn an „Ja, wirklich? Bitte, dann sag es mir, ich habe nämlich nur noch zehn Minuten.“
Er erwiderte mein Lächeln, „Kein Problem, Kleines. In Raum sechs wartet nichts weiter als ein schönes, großes, weiches Himmelbett auf dich. Da reicht es wenn du ein einfaches Negligee anziehst.“
Ich ergriff seine Hand, „Danke, ich danke dir vielmals. Ich bin übrigens Alice und meine Freundin dahinten, die schon ungeduldig von einen auf den anderen Fuß tritt, ist Bella.“
Der Junge schüttelte meine Hand. „Freut mich Alice, ich bin Jacob. Aber jetzt beeilt euch lieber, sonst kommt ihr noch zu spät. Vielleicht haben wir ja irgendwie später die Möglichkeit auf ein kleines Pläuschchen!“
Das ließ ich mir nicht zweimal sagen und Bella und ich hetzten hinaus.
Genau fünf Minuten später stand ich vor Raum 6 und zitterte mal wieder wie Espenlaub. Was würde heute wohl passieren? Ein letztes Mal zupfte ich mein beigefarbenes Spitzennegligée unter meinem Morgenmantel zu Recht und betrat, mit laut klopfendem Herzen, Zimmer 6.
Dieses Mal gab es sogar Licht! Ein sanftes rotfarbenes Lichtspiel ergoss sich über das Zimmer und dessen Einrichtung, die nebenbei gesagt, mehr als spärlich war. Ein Schrank, eine Couch und ein riesiges Himmelbett, das den Raum dominierte.
Na klasse, jetzt war ich wirklich im Rotlicht Milieu angekommen. Genauso stellte ich mir ein „Stundenzimmer“ vor.
„Da bist du ja, Alice! Und pünktlich auf die Sekunde, das lob ich mir!“
Die vertraute, weiche, dunkle Stimme drang hinter den schwarzen Bettvorhängen zu mir. Erleichtert atmete ich aus, nicht James sondern Jasper.
„Hallo Jasper!“ begrüßte ich ihn zögerlich.
„Komm her meine Schöne. Komm zu mir aufs Bett. Aber leg vorher deinen Morgenmantel ab.“
Langsam löste ich den Knoten und der seidene Stoff glitt sofort auseinander und ein leises Knurren ertönte hinter den Vorhängen. Auch wenn ich Jasper nicht sehen konnte, war ich mir sicher dass ihm nicht die kleinste Bewegung meinerseits entging.
Nur keine Angst, redete ich mir ein. Er meint es gut mit dir….irgendwie….ok, er will dich zur Hure machen und enthält dir deine Freiheit vor…aber abgesehen davon…. Ach, das machte doch alles keinen Sinn. Hatte ich mich etwa mit dem Stockholm-Syndrom infiziert? Baute ich etwa eine Bindung zu meinem Entführer auf?
Energisch schüttelte ich den Kopf, ich versuchte jetzt nicht daran zu denken, am besten gar nicht zu denken. Ich probierte meinen Geist von meinem Körper zu lösen. Mit einem tiefen Atemzug trat ich an das riesige Bett und strich die Vorhänge beiseite und da lag er.
Jasper lag auf der Seite, mit nichts weiter an als einer schwarzen Trainingshose. Zu meiner Schande musste ich mir eingestehen, dass er wirklich göttlich aussah. Seine blonden Locken fielen ihm ins Gesicht und sein Körper schimmerte im Rotlicht. Er war perfekt durchtrainiert, aber nicht aufgepumpt.
In der ‚realen‘ Welt wäre er genau mein Typ.
Er klopfte neben sich auf das Bett. „Na komm schon Alice, du müsstest doch mittlerweile wissen, dass ich dir nichts tue.“ Ok, seine Stimme hatte jetzt einen genervten Unterton und so beeilte ich mich schleunigst neben ihn zu krabbeln. Vermeidung von Schmerzen, das war zu meinem Neuen Lebensmotto geworden.
Ich mied seinen Blick so gut ich konnte, diese Tiefe, dieses animalische Schimmern in ihnen machte mich nervös und ich studierte eifrig die goldene Satin Bettdecke.
>Du musst es ihm sagen, sprich mit ihm. Er hat dir doch gesagt, dass du ihm vertrauen sollst.<
Bellas Worte schwirrten, wie ein Mantra in meinem Kopf. Noch einmal wogte ich das für und wider ab, aber genau wie in der vorigen Nacht kam ich nur zu einem Ergebnis: Lieber würde ich Jaspers Strafen auf mich nehmen als noch einmal alleine mit James zu sein! Damit war das Urteil endgültig gefällt und ich nahm all meinen Mut zusammen….schon wieder.
Ich blickte ihm geradewegs in seine herrlichen blauen Augen. Sein Blick war starr auf mich gerichtet, fixierte mich auf die übliche Art. „Du hast was auf dem Herzen, Liebste?“ kam er mir zuvor. War ja klar, dass er das wieder wusste. „Erzähl mir davon, bitte!“ Gott, sein Tonfall war so weich und sanft, fast lies ich mich davon einlullen. Aber ich brauchte jetzt meinen ganzen Willen.
„Ja….“, begann ich leise. „Das stimmt. Ich habe Angst, Jasper…“ seine Pupillen weiteten sich aber er streichelte ganz leicht meinen Handrücken und dann sprudelte die ganze furchtbare Geschichte aus mir heraus. Es war nicht einfach und ein paar Mal geriet ich ins Stocken, aber er unterbrach mich nicht, wofür ich ihm sehr dankbar war. Ich weiß nicht ob ich sonst alles hätte erzählen können.
Als ich fertig war sagte er nur kalt „Alice, er wird dich nie wieder anrühren, das schwöre ich!“
Vor Erleichterung schloss ich die Augen. Das Schlimmste hatte ich hinter mir und Jasper hatte mir seinen Schutz versprochen. Natürlich war ich immer noch misstrauisch, das würde ich, glaub ich, nie ablegen. Gott sei Dank dafür. Meine absolute Horrorvorstellung war so zu werden wie Esme oder Angela.
Dann riss Jasper mich aus meinen Gedanken. „Also Alice, heute möchte ich dass du meinen Körper kennen lernst. Aber entspann dich, es wird dir gefallen.“
Klar, da bin ich sicher. Ich bin schon ganz scharf drauf! Dachte ich sarkastisch aber wenigstens ließ er das Thema „James“ ruhen.
„Schließ die Augen, Schönheit.“ Warum gab er mir auf einmal solche Spitznamen?
Ich tat wie befohlen, atmete tief ein versuchte meinen Geist zu klären und eine Weile passierte gar nichts, ich hörte nur meinen Herzschlag und unsere beider Atem. Dann spürte ich wie er meine Hand nahm und sie an seine Wange legte. Sie war kühl aber bestürzend weich, fast wie die Haut eines Babys. Er glitt mit meiner Hand tiefer, an seinem Hals vorbei, auf seine Schulter. Langsam legte er meine Hand auf sein Herz und es war verstörend für mich dort keinen Herzschlag zu fühlen. Aus Reflex wollte ich meine Hand zurückziehen.
„Nein, Alice. Bitte lass deine Hand auf mir, erforsche mich, lerne mich kennen.“
Auch wenn er es als Bitte formuliert hatte, war es, so wie alles was sie sagten, ein Befehl und ich wagte nicht gegen diese Befehle zu verstoßen. Er ließ meine Hand los und ich fuhr allein fort seinen Körper zu erkunden. Mit geschlossenen Augen war es wirklich viel einfacher, so war ich nicht seinem drängenden, intensiven Blick ausgesetzt. Seine Haut fühlte sich fantastisch an. Glatt und weich aber ich spürte auch die ungeheure Kraft in seinen Muskeln, ich wusste, er könnte mich mit nur einer kurzen Bewegung töten.
Gegen meinen Willen fühlte ich wie sich mein Körper erwärmte und zwar nicht weil es in dem Zimmer warm war, er erwärmte sich für ihn. Jasper. Mein Trainer, mein Entführer…
Ich konnte nichts dafür aber diese Kombination aus Sanftheit und Tod die er ausstrahlte, hatte seine ganz eigene Wirkung auf meinen Körper.
Sanft ertastete ich seine Brust und glitt zu seinem Waschbrettbauch. Er war perfekt! Ich schämte mich, solche Empfindungen zu haben, es war nicht fair! Ich wollte nicht, dass es sich gut anfühlte und vor allem wollte ich ihn nicht Gutfinden. Während meine Hand sich wie automatisch auf seine Hüfte legte, riskierte ich einen winzigen Blick auf ihn.
Langsam, millimeterweit öffnete ich meine Lider und betete, dass er es nicht merken würde aber ich konnte nicht anders. Jasper war ein Bild puren männlichen Wohlbehagens. Er hatte seinen Kopf in den Nacken gelegt und die Lippen ein Stück weit geöffnet, sein Daumen streichelte meine andere Hand, die neben ihm lag. Er sah wundervoll aus. Ein wohliges Ziehen machte ich sich in meinem Unterleib bemerkbar und gleich darauf, blähten sich seine Nasenflügel.
Verdammt, wahrscheinlich konnte er meine Reaktion auf seinen Körper riechen. Gott, wie peinlich war das denn?! Jetzt würde er über mich herfallen. Oder? Ich konnte nicht mehr und entzog mich ihm. Es war zu viel, in meinem Kopf herrschte nur noch Chaos und ich wünschte mich meilenweit weg.
„Alice, was ist los? Warum hast du aufgehört? Es hat dir doch gefallen, das konnte ich wittern!“
Unter keinen Umständen würde ich das zugeben! Es hatte mir nicht gefallen, redete ich mir ein, ich wurde schließlich dazu gezwungen! Außerdem hatte ich das Gefühl, ich sei ihm etwas schuldig.
„Ich…ich…“, verdammt ich konnte keinen vernünftigen Satz formulieren.
„Ist schon gut Alice, dass ist jetzt alles was viel für dich, glaube ich. Geh in dein Zimmer und ruh dich aus. Wir können später weiter machen!“
Konnte es noch schlimmer werden? Jetzt war er sogar noch verständnisvoll!
Kurzbeschreibung
Was wäre, wenn du dir ein Leben voller Wärme, Geborgenheit und Freude vorgestellt hättest, ein Leben mit liebevollen Eltern und den besten Freunden auf der ganzen Welt. Was wenn die Realität aber eine ganz andere ist? Die Eltern bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Deine Freunde dich nur ausgenutzt haben. Mein Leben hatte schon lange seinen Glanz verloren. Aber dann wurde alles nur noch schlimmer. Der Tag an dem ich zu Carlisle Cullen verschleppt wurde, war der Tag, an dem meine Seele endgültig starb.
Freitag, 28. Mai 2010
Freitag, 21. Mai 2010
Kapitel 17
Bella PoV
Kaum hatte Laurent mich wieder in mein Zimmer gebracht, ging ich gleich ins Bad und wollte nur noch duschen. Ich fühlte mich irgendwie dreckig und schmutzig. Ich war zwar sauber und das schöne weiße Kleid hatte keinen einzigen Fleck, aber meine Seele sah da ganz anders aus. Edward hatte es geschafft meinen Körper gegen mich einzusetzen und es war ihm erfolgreich gelungen.
Das Kleid legte ich vorsichtshalber noch auf die Kommode, damit mit ihm nichts passieren konnte und flüchtete unter die heiße Dusche und schrubbte meine Haut. Sorgfältig nahm ich mir jeden einzelnen Zentimeter vor und säuberte ihn. Immer wieder, bis die Haut langsam rot wurde, denn ich wollte einfach wieder rein werden. Dazu wusch ich mir auch dieses grausame Make-up ab, ich wollte wieder ich sein, keine Puppe.
Doch das schlimme war, es hatte mir ja gefallen. Es war sogar richtig schön gewesen und ich hätte gerne mehr davon gehabt, aber das konnte ich ja schlecht zugeben. Außerdem war es mir unsagbar peinlich, dass nicht nur mein Körper sich gegen mich gestellt hatte, sondern auch so langsam mein Verstand gegen mich arbeitete. Das durfte ich nicht zulassen, sonst würde ich noch wie Angela enden und das Treiben hier toll finden und mich auf dieses Unterricht freuen. Ich würde hier enden und mich selber verlieren. Davor hatte ich am meisten Angst, eine Hülle zu werden.
Ein Klopfen an der Tür holte mich aus meinen trüben und traurigen Gedanken und ließ mich inne halten. „Bella, kann ich reinkommen?“ ertönte Alice Stimme etwas undeutlich und ich atmete erleichtert aus. „Klar, komm rein!“ rief ich zurück, während ich das Wasser abstellte und mir ein Handtuch nahm, um mich darin einzuwickeln.
Alice kleine und zierliche Gestalt kam umgehend durch die Tür zu ihrem Schafzimmer herein und ich ging auf sie zu und nahm sie einfach in den Arm! Es tat so gut jemanden zu haben, der für einen da war und auch ohne Worte verstand. Sie wusste genau, wie ich mich fühlte und sie dachte das Gleiche. Sie war meine Vertraute. Eine kleine Ewigkeit standen wir so da, Arm in Arm und keiner sagte etwas, aber wir verstanden uns auch so.
„Wie war dein Training?“ fragte ich dann irgendwann und ließ von ihr ab.
„Oh Gott Bella, du ahnst es ja gar nicht. Ich musste dieses grausam und ultrakurze Kleid anziehen, dazu diese Mörderstiefel und dann in diesen komischen Darkroom gehen. Aro habe ich auch noch auf dem Weg dorthin getroffen“, sie brach kurz ab und ein Schauer durchfuhr sie. „Naja, und dann war ich in diesem Raum, alles war dunkel und ich konnte überhaupt nichts sehen. Und auf einmal war ich an Armen und Beinen gefesselt.“
„Was?“
„Ja, aber das merkwürdige war, es war Jasper der bei mir war und nicht James!“
„Na und? Der ist doch genau so psycho, wo bitte ist da der Unterschied?“
„Bella, ich glaube ich muss dir da was erzählen. Lass uns in dein Schlafzimmer gehen, damit du dir etwas anziehen und dich setzen kannst.“
Ok, was mochte denn jetzt kommen? Wir beiden gingen rüber zu mir und ich nahm mir mein Nachthemd, welches ich mir anzog und setzte mich dann zu Alice auf mein Bett. Erwartungsvoll sah ich sie an.
„Versprich mir, dass du mir nicht böse wirst, weil ich es dir noch nicht erzählt habe!“
„Was ist passiert Alice?“
So langsam machte ich mir Sorgen. Alice atmete einmal tief durch und schloss kurz die Augen. Als sie sie wieder öffnete guckte sie nicht mich an, sondern sie fixierte einen Punkt hinter mir an der Wand, so als ob sie irgendetwas anderes, in der Vergangenheit sah. Und dann erzählte sie mir von dem Moment, als James sie gebrandmarkt hatte und, während sie bewusstlos war, auf sie ejakuliert hatte. Sofort drehte sich mir der Magen um, wie konnte man so krank und gestört sein? Wie pervers und abartig?
Und wer wusste, was er während meiner Bewusstlosigkeit getan hatte?
„Er hat was?“ brachte ich dann nach etwas längerer Zeit zu Stande.
„Ja, ich ….. ich wusste nicht, …. Also ich konnte irgendwie….“
„Komm her“, sagte ich schnell und nahm sie in den Arm, denn man merkte, wie ihr diese Sache zu schaffen machte. „Alice, du konntest nichts dafür. James ist so ein widerliches Arsch, ein richtiger Perversling! Es war nicht deine Schuld, bitte red dir das nicht ein!“
„Ja, und genau deswegen ist mit Jasper lieber. Er mag zwar krank sein, aber vor James habe ich einfach nur Angst. Der würde die Situation doch nur ausnutzen und mich wahrscheinlich quälen und vergewaltigen wo er nur kann. Jasper scheint irgendwie einen Narren an mir gefressen zu haben. Ok, ich traue ihm auch keinen Zentimeter weit, aber dennoch glaube ich nicht, dass er so grausam zu mir sein könnte.“
Das klang einleuchtend! „Aber warum war denn jetzt Jasper und nicht James bei dir?“
„Keine Ahnung, dass hat er nicht gesagt. Er hat gesagt ich soll ihm vertrauen und dann hat er mich angefasst und meinte er will meinen Körper kennenlernen. Und zu meiner Schande muss ich gestehen, es hat mir sogar irgendwie gefallen.“ Sie schaute verlegen auf ihre Hände, welche in ihrem Schoß lagen. „Es hatte etwas Besitzergreifendes und Zufriedenes, wie er mit mir umgegangen ist. Aber als ich kurz aufgestöhnt hab, weil es mir gefallen hat, schien er es falsch verstanden zu haben und meinte er wolle mir nicht wehtun und Simsalabim, stand ich alleine da und war nicht mehr gefesselt. Er war einfach verschwunden!“
„Er ist abgehauen?“
„Ja.“
„Danach kam Laurent zu mir und hat mich zu einer gewissen Person namens Tanya geschleift und wurde grundüberholt.“ Vielsagend blickte sie an sich runter und verzog dabei ihr schönes Gesicht.
„Du warst auch bei Tanya?“ Erst jetzt fiel mir auf, dass Alice geschminkt und frisiert war.
Alice erzählte mir was ihr bei Tanya widerfahren war und konnte mich komplett darin wiederfinden, denn ich hatte genau das Gleiche durchgemacht. Ich erzählte Alice von meinem Tag und sie wirkte total durch den Wind, als sie erfuhr, dass Edward mich geschlagen hatte, weil ich die falsche Kleidung anhatte, guckte aber total verwirrt, als ich dann von meinem Erlebnis in diesem Spiegelkabinett erzählte. Ich erzählte ihr auch, wie ich gefühlt hatte und wie ich mich gerade fühlte. Ich musste es ihr einfach erzählen, denn ich war total verwirrt. Ich wusste immer noch nicht, wie ich damit umgehen sollte und was ich davon halten sollte.
„Weißt du Alice, ich kam mir so schmutzig vor, dass ich sofort unter die Dusche bin, aber ich muss gestehen, es hat mir gefallen. Sehr sogar! Ich wollte das eigentlich gar nicht, aber mein Körper ist total aufgegangen und hat er genossen. Und eben, unter der Dusche, da habe ich gemerkt, dass nicht nur mein Körper angetan war. Ich würde es gerne nochmal erleben. Das ist doch krank, oder? Ich meine, ich kenne ihn nicht und er ist ein Verbrecher, ein Vampir und einfach krank. Wie kann ich so empfinden?“
Alice guckte mich intensiv an und legte ihren Kopf schräg. „Nun ja, wenn man mal die Schläge weglässt, war Edward ja eigentlich immer ganz ok. Und wenn man bedenkt, welche Erotik der Mann ausstrahlen kann, kann ich verstehen dass es dir gefallen hat. Nicht umsonst sind die anderen alle eifersüchtig auf dich. Ich glaube das Problem ist, dass es unter diesen Umständen passiert ist.“
Lange blickte ich sie an und dachte über ihre Worte nach. Wäre es unter anderen Bedingungen auch so gewesen? Hätte es mir auch gefallen? Es war einfach zu viel für mich! „Ich habe keine Ahnung,“ sagte ich dann resignierend.
„Ich auch nicht, denn mir geht es ja ähnlich. Es ist so irre, ich kann es einfach nicht erklären. Jasper ist mehr wie ein Tier als ein Mensch, äh Vampir, aber irgendetwas hat er, was mich anspricht. Ich kann dir nicht erklären warum, denn eigentlich ist es ja total dumm, aber es ist so!“
Wo waren wir beide denn da nur rein geraten? Das war die reinste Hölle und unsere Gefühle spielten verrückt!
Auf einmal, ohne jegliche Vorwarnung wurde die Tür aufgestoßen und Esme stand mit einem Tablett und 2 Tellern darauf vor uns. Komisch, normalerweise hörte man, wenn die Tür aufgeschlossen wurde, aber diesmal hatte man nichts gehört. Es wurde immer ominöser in diesem Haus, aber ich hatte aufgehört mir darüber Gedanken zu machen.
„Meine beiden Süßen, wie geht es euch?“
„Gut“, versuchte ich so locker wie möglich zu sagen, denn ihr konnten wir ja schlecht die Wahrheit sagen.
„Das freut mich. Wie ich sehe habt ihr euren ersten Trainingstag gut überstanden“, verkündete sie glücklich und stellte das Tablett auf meinem Nachttisch ab. „Und Alice, du siehst wunderbar aus! So schick, unglaublich schön!“ Dann wandte sie ihren Blick zu mir. „Bella Mäuschen, ich habe gehört, dass Edward dich bestrafen musste, weil du dich auf den Unterricht nicht richtig vorbereitet hattest.“ Ihr Blick wurde mitleidig und ich hätte ihr am liebsten die Augen ausgekratzt. Dämliche Kuh! „Aber wie ich sehe, geht es dir wieder ganz gut. Und Edward hat mir berichtet, dass die zweite Stunde ein voller Erfolg war. Er sagt du hast richtig Potenzial zum Publikumsliebling zu werden.“
Publikumsliebling? Und schon waren die halbwegs positiven Gefühle, die Edward in mir geweckt hatte wieder dahin. Mir wurde schlagartig wieder bewusst, warum Edward das mit mir getan hatte und das es nicht so war, als ob er es freiwillig oder gerne machte, oder weil er Spaß dran hatte. Er tat es, weil es ihm aufgetragen wurde und ich sollte als Hure ausgebildet werden. Die Verwirrung wisch der Wut und der Enttäuschung.
„Äh… Esme?“ hörte ich Alice leise Stimme.
„Ja Schätzchen“, Esme war sofort bei ihr und strich ihr behutsam über den Kopf, wie man es bei einem Kleinkind machte.
„Warum hat Jasper heute die Stunde abgehalten? Also, ….. naja….. ich dachte James, also dass er mein Trainer wäre.“
„Ich bin zwar nicht voll im Thema, dass ist Carlisles Aufgabe, aber ich habe mitbekommen, dass James sich einen groben Fehltritt geleistet hat. Was genau weiß ich selber nicht, aber ganz ehrlich, da lasse ich los und du solltest das auch tun. Jasper hat seine Aufgabe übernommen und du kannst trainiert werden, dass ist doch das Wichtigste. Ich werde mal mit meinem Mann besprechen, ob dieser Wechsel von Dauer ist, oder ob nur für eine absehbare Zeit“
Beim letzten Satz hatte sich Alice Gesichtsfarbe drastisch geändert und hatte sich immer mehr einem Weißton angenähert.
„Mach dir keine Sorgen mein Schatz, wir finden da schon einen Weg, aber darüber musst du dir dein süßes Köpfchen nicht zerbrechen. Esst erstmal und schlaft euch aus. Morgen habt ihr beide eine Trainingsstunde, die Daten findet ihr wieder im Frühstückssaal. Und morgen Nachmittag werdet ihr in eure Arbeit in der Bar eingeführt. Vielleicht seid ihr ja schon so gut, dass ihr morgen Abend schon richtig loslegen könnt. Also, ihr seht, ein großer Tag steht euch bevor.“
Dann gab Esme uns beide einen Kuss auf den Kopf, was in mir den Wunsch weckte, mich erneut zu duschen. „Lass es euch schmecken und gute Nacht meine beiden Kinder!“ sagte sie noch in ihrer Art, die mich jedes Mal an ihrer Zurechnungsfähigkeit zweifeln ließ, drehte sich um und ging wieder.
„Die Frau ist richtig krank. Egal ob Mensch oder Vampir, die gehört doch in die Geschlossene!“
„Bella, hast du das gehört, wenn ich Pech habe, wird James doch noch mein Trainer! Das schaff ich nicht. Wenn James mich trainiert, wird das mein Tod. Er wird mich fertig machen und mich dabei auch noch auslachen, dass pack ich nicht.“
„Alice ganz ruhig! Rede doch morgen bei deinem Training mit Jasper deswegen, denn James wird dich ja erstmal nicht trainieren.“
„Mit Jasper?“
„Ja, er sagte doch, du sollst ihm vertrauen. Und wenn er wirklich so besitzergreifend ist, wie du denkst, dann wird er bestimmt nicht zulassen, dass James dir etwas tut. Außerdem wird er es dir wohl hoch anrechnen, dass du dich ihm anvertraust. Und da er der Sohn vom Paten hier ist, kann er da bestimmt was drehen.“
„Meinst du wirklich?“
„Ja Al, frag ihn und du wirst sehen, er wird dir dabei bestimmt helfen. Da er, wie du so schön gesagt hast, einen Narren an dir gefressen hat, will er dich doch weitertrainieren und wenn ihr zusammenhaltet….“ Gott was redete ich denn da für einen Quatsch? So langsam begann ich durchzudrehen, es war soweit!
„Gut, ich werde mit ihm reden. Wenn ich den Mut dazu aufbringe.“
„Das wird schon“, versuchte ich ihr die Angst zu nehmen und strich ihr behutsam über den Arm. Wie würde ich wohl in dieser Situation reagieren?
Alice blickte mich leicht lächelnd an und nickte. „Ja, irgendwann muss es ja mal bergauf gehen. Selbst in der Hölle. Ich geh grad duschen und dann essen wir, ok?“
„Ok, ich warte auf dich.“
„Danke Bella“, sagte sie und nahm mich in den Arm. „Danke für alles!“ Dann ließ sie mich los und verschwand im Bad.
Ich hoffte sie hatte recht, irgendwann muss es ja besser werden!
Kaum hatte Laurent mich wieder in mein Zimmer gebracht, ging ich gleich ins Bad und wollte nur noch duschen. Ich fühlte mich irgendwie dreckig und schmutzig. Ich war zwar sauber und das schöne weiße Kleid hatte keinen einzigen Fleck, aber meine Seele sah da ganz anders aus. Edward hatte es geschafft meinen Körper gegen mich einzusetzen und es war ihm erfolgreich gelungen.
Das Kleid legte ich vorsichtshalber noch auf die Kommode, damit mit ihm nichts passieren konnte und flüchtete unter die heiße Dusche und schrubbte meine Haut. Sorgfältig nahm ich mir jeden einzelnen Zentimeter vor und säuberte ihn. Immer wieder, bis die Haut langsam rot wurde, denn ich wollte einfach wieder rein werden. Dazu wusch ich mir auch dieses grausame Make-up ab, ich wollte wieder ich sein, keine Puppe.
Doch das schlimme war, es hatte mir ja gefallen. Es war sogar richtig schön gewesen und ich hätte gerne mehr davon gehabt, aber das konnte ich ja schlecht zugeben. Außerdem war es mir unsagbar peinlich, dass nicht nur mein Körper sich gegen mich gestellt hatte, sondern auch so langsam mein Verstand gegen mich arbeitete. Das durfte ich nicht zulassen, sonst würde ich noch wie Angela enden und das Treiben hier toll finden und mich auf dieses Unterricht freuen. Ich würde hier enden und mich selber verlieren. Davor hatte ich am meisten Angst, eine Hülle zu werden.
Ein Klopfen an der Tür holte mich aus meinen trüben und traurigen Gedanken und ließ mich inne halten. „Bella, kann ich reinkommen?“ ertönte Alice Stimme etwas undeutlich und ich atmete erleichtert aus. „Klar, komm rein!“ rief ich zurück, während ich das Wasser abstellte und mir ein Handtuch nahm, um mich darin einzuwickeln.
Alice kleine und zierliche Gestalt kam umgehend durch die Tür zu ihrem Schafzimmer herein und ich ging auf sie zu und nahm sie einfach in den Arm! Es tat so gut jemanden zu haben, der für einen da war und auch ohne Worte verstand. Sie wusste genau, wie ich mich fühlte und sie dachte das Gleiche. Sie war meine Vertraute. Eine kleine Ewigkeit standen wir so da, Arm in Arm und keiner sagte etwas, aber wir verstanden uns auch so.
„Wie war dein Training?“ fragte ich dann irgendwann und ließ von ihr ab.
„Oh Gott Bella, du ahnst es ja gar nicht. Ich musste dieses grausam und ultrakurze Kleid anziehen, dazu diese Mörderstiefel und dann in diesen komischen Darkroom gehen. Aro habe ich auch noch auf dem Weg dorthin getroffen“, sie brach kurz ab und ein Schauer durchfuhr sie. „Naja, und dann war ich in diesem Raum, alles war dunkel und ich konnte überhaupt nichts sehen. Und auf einmal war ich an Armen und Beinen gefesselt.“
„Was?“
„Ja, aber das merkwürdige war, es war Jasper der bei mir war und nicht James!“
„Na und? Der ist doch genau so psycho, wo bitte ist da der Unterschied?“
„Bella, ich glaube ich muss dir da was erzählen. Lass uns in dein Schlafzimmer gehen, damit du dir etwas anziehen und dich setzen kannst.“
Ok, was mochte denn jetzt kommen? Wir beiden gingen rüber zu mir und ich nahm mir mein Nachthemd, welches ich mir anzog und setzte mich dann zu Alice auf mein Bett. Erwartungsvoll sah ich sie an.
„Versprich mir, dass du mir nicht böse wirst, weil ich es dir noch nicht erzählt habe!“
„Was ist passiert Alice?“
So langsam machte ich mir Sorgen. Alice atmete einmal tief durch und schloss kurz die Augen. Als sie sie wieder öffnete guckte sie nicht mich an, sondern sie fixierte einen Punkt hinter mir an der Wand, so als ob sie irgendetwas anderes, in der Vergangenheit sah. Und dann erzählte sie mir von dem Moment, als James sie gebrandmarkt hatte und, während sie bewusstlos war, auf sie ejakuliert hatte. Sofort drehte sich mir der Magen um, wie konnte man so krank und gestört sein? Wie pervers und abartig?
Und wer wusste, was er während meiner Bewusstlosigkeit getan hatte?
„Er hat was?“ brachte ich dann nach etwas längerer Zeit zu Stande.
„Ja, ich ….. ich wusste nicht, …. Also ich konnte irgendwie….“
„Komm her“, sagte ich schnell und nahm sie in den Arm, denn man merkte, wie ihr diese Sache zu schaffen machte. „Alice, du konntest nichts dafür. James ist so ein widerliches Arsch, ein richtiger Perversling! Es war nicht deine Schuld, bitte red dir das nicht ein!“
„Ja, und genau deswegen ist mit Jasper lieber. Er mag zwar krank sein, aber vor James habe ich einfach nur Angst. Der würde die Situation doch nur ausnutzen und mich wahrscheinlich quälen und vergewaltigen wo er nur kann. Jasper scheint irgendwie einen Narren an mir gefressen zu haben. Ok, ich traue ihm auch keinen Zentimeter weit, aber dennoch glaube ich nicht, dass er so grausam zu mir sein könnte.“
Das klang einleuchtend! „Aber warum war denn jetzt Jasper und nicht James bei dir?“
„Keine Ahnung, dass hat er nicht gesagt. Er hat gesagt ich soll ihm vertrauen und dann hat er mich angefasst und meinte er will meinen Körper kennenlernen. Und zu meiner Schande muss ich gestehen, es hat mir sogar irgendwie gefallen.“ Sie schaute verlegen auf ihre Hände, welche in ihrem Schoß lagen. „Es hatte etwas Besitzergreifendes und Zufriedenes, wie er mit mir umgegangen ist. Aber als ich kurz aufgestöhnt hab, weil es mir gefallen hat, schien er es falsch verstanden zu haben und meinte er wolle mir nicht wehtun und Simsalabim, stand ich alleine da und war nicht mehr gefesselt. Er war einfach verschwunden!“
„Er ist abgehauen?“
„Ja.“
„Danach kam Laurent zu mir und hat mich zu einer gewissen Person namens Tanya geschleift und wurde grundüberholt.“ Vielsagend blickte sie an sich runter und verzog dabei ihr schönes Gesicht.
„Du warst auch bei Tanya?“ Erst jetzt fiel mir auf, dass Alice geschminkt und frisiert war.
Alice erzählte mir was ihr bei Tanya widerfahren war und konnte mich komplett darin wiederfinden, denn ich hatte genau das Gleiche durchgemacht. Ich erzählte Alice von meinem Tag und sie wirkte total durch den Wind, als sie erfuhr, dass Edward mich geschlagen hatte, weil ich die falsche Kleidung anhatte, guckte aber total verwirrt, als ich dann von meinem Erlebnis in diesem Spiegelkabinett erzählte. Ich erzählte ihr auch, wie ich gefühlt hatte und wie ich mich gerade fühlte. Ich musste es ihr einfach erzählen, denn ich war total verwirrt. Ich wusste immer noch nicht, wie ich damit umgehen sollte und was ich davon halten sollte.
„Weißt du Alice, ich kam mir so schmutzig vor, dass ich sofort unter die Dusche bin, aber ich muss gestehen, es hat mir gefallen. Sehr sogar! Ich wollte das eigentlich gar nicht, aber mein Körper ist total aufgegangen und hat er genossen. Und eben, unter der Dusche, da habe ich gemerkt, dass nicht nur mein Körper angetan war. Ich würde es gerne nochmal erleben. Das ist doch krank, oder? Ich meine, ich kenne ihn nicht und er ist ein Verbrecher, ein Vampir und einfach krank. Wie kann ich so empfinden?“
Alice guckte mich intensiv an und legte ihren Kopf schräg. „Nun ja, wenn man mal die Schläge weglässt, war Edward ja eigentlich immer ganz ok. Und wenn man bedenkt, welche Erotik der Mann ausstrahlen kann, kann ich verstehen dass es dir gefallen hat. Nicht umsonst sind die anderen alle eifersüchtig auf dich. Ich glaube das Problem ist, dass es unter diesen Umständen passiert ist.“
Lange blickte ich sie an und dachte über ihre Worte nach. Wäre es unter anderen Bedingungen auch so gewesen? Hätte es mir auch gefallen? Es war einfach zu viel für mich! „Ich habe keine Ahnung,“ sagte ich dann resignierend.
„Ich auch nicht, denn mir geht es ja ähnlich. Es ist so irre, ich kann es einfach nicht erklären. Jasper ist mehr wie ein Tier als ein Mensch, äh Vampir, aber irgendetwas hat er, was mich anspricht. Ich kann dir nicht erklären warum, denn eigentlich ist es ja total dumm, aber es ist so!“
Wo waren wir beide denn da nur rein geraten? Das war die reinste Hölle und unsere Gefühle spielten verrückt!
Auf einmal, ohne jegliche Vorwarnung wurde die Tür aufgestoßen und Esme stand mit einem Tablett und 2 Tellern darauf vor uns. Komisch, normalerweise hörte man, wenn die Tür aufgeschlossen wurde, aber diesmal hatte man nichts gehört. Es wurde immer ominöser in diesem Haus, aber ich hatte aufgehört mir darüber Gedanken zu machen.
„Meine beiden Süßen, wie geht es euch?“
„Gut“, versuchte ich so locker wie möglich zu sagen, denn ihr konnten wir ja schlecht die Wahrheit sagen.
„Das freut mich. Wie ich sehe habt ihr euren ersten Trainingstag gut überstanden“, verkündete sie glücklich und stellte das Tablett auf meinem Nachttisch ab. „Und Alice, du siehst wunderbar aus! So schick, unglaublich schön!“ Dann wandte sie ihren Blick zu mir. „Bella Mäuschen, ich habe gehört, dass Edward dich bestrafen musste, weil du dich auf den Unterricht nicht richtig vorbereitet hattest.“ Ihr Blick wurde mitleidig und ich hätte ihr am liebsten die Augen ausgekratzt. Dämliche Kuh! „Aber wie ich sehe, geht es dir wieder ganz gut. Und Edward hat mir berichtet, dass die zweite Stunde ein voller Erfolg war. Er sagt du hast richtig Potenzial zum Publikumsliebling zu werden.“
Publikumsliebling? Und schon waren die halbwegs positiven Gefühle, die Edward in mir geweckt hatte wieder dahin. Mir wurde schlagartig wieder bewusst, warum Edward das mit mir getan hatte und das es nicht so war, als ob er es freiwillig oder gerne machte, oder weil er Spaß dran hatte. Er tat es, weil es ihm aufgetragen wurde und ich sollte als Hure ausgebildet werden. Die Verwirrung wisch der Wut und der Enttäuschung.
„Äh… Esme?“ hörte ich Alice leise Stimme.
„Ja Schätzchen“, Esme war sofort bei ihr und strich ihr behutsam über den Kopf, wie man es bei einem Kleinkind machte.
„Warum hat Jasper heute die Stunde abgehalten? Also, ….. naja….. ich dachte James, also dass er mein Trainer wäre.“
„Ich bin zwar nicht voll im Thema, dass ist Carlisles Aufgabe, aber ich habe mitbekommen, dass James sich einen groben Fehltritt geleistet hat. Was genau weiß ich selber nicht, aber ganz ehrlich, da lasse ich los und du solltest das auch tun. Jasper hat seine Aufgabe übernommen und du kannst trainiert werden, dass ist doch das Wichtigste. Ich werde mal mit meinem Mann besprechen, ob dieser Wechsel von Dauer ist, oder ob nur für eine absehbare Zeit“
Beim letzten Satz hatte sich Alice Gesichtsfarbe drastisch geändert und hatte sich immer mehr einem Weißton angenähert.
„Mach dir keine Sorgen mein Schatz, wir finden da schon einen Weg, aber darüber musst du dir dein süßes Köpfchen nicht zerbrechen. Esst erstmal und schlaft euch aus. Morgen habt ihr beide eine Trainingsstunde, die Daten findet ihr wieder im Frühstückssaal. Und morgen Nachmittag werdet ihr in eure Arbeit in der Bar eingeführt. Vielleicht seid ihr ja schon so gut, dass ihr morgen Abend schon richtig loslegen könnt. Also, ihr seht, ein großer Tag steht euch bevor.“
Dann gab Esme uns beide einen Kuss auf den Kopf, was in mir den Wunsch weckte, mich erneut zu duschen. „Lass es euch schmecken und gute Nacht meine beiden Kinder!“ sagte sie noch in ihrer Art, die mich jedes Mal an ihrer Zurechnungsfähigkeit zweifeln ließ, drehte sich um und ging wieder.
„Die Frau ist richtig krank. Egal ob Mensch oder Vampir, die gehört doch in die Geschlossene!“
„Bella, hast du das gehört, wenn ich Pech habe, wird James doch noch mein Trainer! Das schaff ich nicht. Wenn James mich trainiert, wird das mein Tod. Er wird mich fertig machen und mich dabei auch noch auslachen, dass pack ich nicht.“
„Alice ganz ruhig! Rede doch morgen bei deinem Training mit Jasper deswegen, denn James wird dich ja erstmal nicht trainieren.“
„Mit Jasper?“
„Ja, er sagte doch, du sollst ihm vertrauen. Und wenn er wirklich so besitzergreifend ist, wie du denkst, dann wird er bestimmt nicht zulassen, dass James dir etwas tut. Außerdem wird er es dir wohl hoch anrechnen, dass du dich ihm anvertraust. Und da er der Sohn vom Paten hier ist, kann er da bestimmt was drehen.“
„Meinst du wirklich?“
„Ja Al, frag ihn und du wirst sehen, er wird dir dabei bestimmt helfen. Da er, wie du so schön gesagt hast, einen Narren an dir gefressen hat, will er dich doch weitertrainieren und wenn ihr zusammenhaltet….“ Gott was redete ich denn da für einen Quatsch? So langsam begann ich durchzudrehen, es war soweit!
„Gut, ich werde mit ihm reden. Wenn ich den Mut dazu aufbringe.“
„Das wird schon“, versuchte ich ihr die Angst zu nehmen und strich ihr behutsam über den Arm. Wie würde ich wohl in dieser Situation reagieren?
Alice blickte mich leicht lächelnd an und nickte. „Ja, irgendwann muss es ja mal bergauf gehen. Selbst in der Hölle. Ich geh grad duschen und dann essen wir, ok?“
„Ok, ich warte auf dich.“
„Danke Bella“, sagte sie und nahm mich in den Arm. „Danke für alles!“ Dann ließ sie mich los und verschwand im Bad.
Ich hoffte sie hatte recht, irgendwann muss es ja besser werden!
Montag, 10. Mai 2010
Kapitel 16
Alice PoV
Ich umarmte Bella nochmal fest, dann drehte ich mich um und betete zu Gott, dass ich sie wiedersehen würde.
Mit zittrigen Knien ging ich langsam den Gang runter und blickte rechts und links auf die Türen. Darkroom. Keine Ahnung was das war, aber da sollte ich wohl in zehn Minuten erscheinen.
„Na wo wollen wir denn so alleine hin?“ Eine schwere Männerhand landete auf meiner Schulter. Aro, dieser komische Arzt, grinste mir lüstern ins Gesicht. Na prima, der hatte mir gerade noch gefehlt.
„Ich…ich bin…“ setzte ich an. „Ich würde sagen, Liebes, “ fiel er mir ins Wort, „ du bist in Schwierigkeiten. Wenn dich jemand hier alleine findet auf dem Flur, kann das sehr ernste Konsequenzen für dich nach sich ziehen.“
Sein Daumen streichelte meine Schulter. „Du kannst von Glück sagen, dass ich es bin, dem du in die Arme gelaufen bist!“ Er beugte sich nahe zu mir herunter. „Es wäre wirklich ein Jammer, diese zarte, perfekte Haut zu verletzen!“
Er küsste meine Stirn und seine langgliedrigen Finger strichen von meiner Schulter meinen Arm hinunter. Ich hatte Mühe mein Frühstück bei mir zu behalten, dieser Vampir war so was von widerlich schmierig und lüstern. Buchstäblich zum kotzen.
„Komm jetzt!“ Er richtete sich auf. „Ich bring dich ausnahmsweise zu deiner Trainingsstunde, aber vorher musst du dich umziehen. Hat dir das keiner gesagt?“
Ich schüttelte den Kopf. Wie umziehen? Davon wusste ich nichts und Bella auch nicht! Verdammt, da stellte sich doch die Frage was wir noch alles „nicht wussten“!? Aber woher auch?
Aro brachte mich schnell in mein Zimmer zurück und öffnete den riesigen Kleiderschrank. „Alice, das ist ganz wichtig! Du musst dich den jeweiligen „Trainigsumständen“ anpassen! Hast du ein Date im Klassenzimmer, so wie deine Freundin Isabella heute, dann solltest du dich für die Schuluniform entscheiden. Eine Trainingsstunde im Darkroom lässt auf Lack und Leder schließen. Ist doch logisch!“
Ja, logisch! Glasklar! Verdammt, Lack und Leder!? Ich wurde wohl ohne Umschweife direkt in die Hölle geschmissen.
Genervt riss Aro einen Lederfetzen, in der Größe eines Putzlappens, vom Kleiderbügel. „Komm Liebes, zieh das hier an und gib etwas Gas, du bist spät dran und ich hab auch noch andere Dinge zu tun als für dich den Wachhund zu spielen!“
Zehn Minuten später stand ich in Lack und Leder vor einer schwarzen Tür mit der Aufschrift „Darkroom“. Ich fühlte mich über die Maßen entblößt, das „Kleid“ ging mir nur bis knapp über den Po und meine Füße steckten in schwarzen, abartig hohen, Lackstiefel.
Ich öffnete zaghaft die Tür und trat ein, es war stockfinster. „So meine Schöne, ich lass dich dann mal allein. Dein Trainer dürfte jeden Moment kommen!“ Über seinen zweideutigen Witz glucksend machte sich Aro wieder auf den Rückweg. Widerlich!
Trotz aller Angst, vor dem was mir jetzt bevor stand war ich froh ihn los zu sein. Er war einfach zu eklig, schleimig und voller Tücke, zumindest vermittelte mir das mein kleiner, menschlicher Instinkt.
Vergeblich suchte ich nach einem Lichtschalter, fand aber nur allerlei merkwürdiges Zeug, das an den Wänden hing. Manches fühlte sich an wie Metall, manches wie Leder oder Gummi. Oh Gott!
Plötzlich, ohne die geringste Vorahnung, wurde ich an eine Wand gepresst, Eisen klirrte und eiskaltes Metall schloss sich um meine Handgelenke und meine Fesseln.
Ich wollte mich losmachen, ich wollte schreien. Mein Selbsterhaltungstrieb hatte eingesetzt, doch eine Hand schloss sich um meinen Mund.
Eine heisere Stimme murmelte an meinem Ohr: „Schhhhh….keine Angst, ich tu dir nicht weh, bleib einfach ganz ruhig. Es wird dir nichts geschehen!“ Die Stimme kam mir bekannt vor, aber ich konnte sie dennoch nicht einordnen.
Ruhig bleiben sollte ich? Ich war im Dunklen, mit dem Gesicht gegen eine Wand, angekettet und ein Fremder Mann konnte mit mir machen was er wollte? Fehlanzeige! Ich hatte Angst, meine Knie zitterten und mein Herz jagte im wilden Galopp.
Als ich seine Hand an meinen Fingern spürte, schrie ich vor Schock laut auf. „Alice, bitte. Du kannst mir vertrauen. Entspann dich.“ Seine Finger strichen langsam meinen Arm hinauf, es war eigentlich kein unangenehmes Gefühl, doch ich hatte zu viel Angst.
Ich fasste all meinen Mut zusammen. „Dir vertrauen? Ich kann dich ja noch nicht einmal sehen! Ich kenne dich nicht!“ Er war mittlerweile bei meiner Schulter angekommen und zog mit einem Finger feine Kreise auf meiner Haut. Augenblicklich bekam ich eine Gänsehaut.
„Alice, du kennst mich und ich kenne dich, viel besser als du es dir vorstellen kannst. Denk mal nach…“ Schlagartig fiel es mir auf, aber wie konnte das sein? Seine Stimme klang so rau und heiser!
„Jasper?“ japste ich noch, denn im gleichen Moment spürte ich ganz federleicht seine Lippen auf meiner nackten Schulter und ich fühlte so eine Art leichten Stromschlag, der durch meinen Körper zuckte. Erleichtert atmete ich aus. Jasper. Nicht James!
„Alice, ich habe dir schon gesagt, dass ich dir nicht wehtue. Ich möchte nur deinen Körper kennenlernen ohne dass mich äußere Reize beeinflussen können. Beim nächsten Training gestatte ich dir dasselbe.“
Dasselbe? Schlagartig wurde mir warm als ich mir Jasper in meiner jetzigen Position vorstellte. Angekettet, halb nackt und ich alleine mit ihm. Gleich darauf, schalt ich mich eine Närrin!
Reichten die bisherigen Begegnungen mit ihm nicht aus um zu merken, dass dieser Mann mehr Tier war als Mensch? Völlig seinen Instinkten ausgeliefert. Was würde mit mir geschehen wenn ich das falsche sagte oder tat?
Langsam wanderten seine beiden Hände von meinen Schultern über meinen Rücken, sanft strich er mir über die Taille. Er streifte meinen Po und bahnte sich seinen Weg über meine Obereschenkel. Ich hielt die Luft an und wartete mit klopfenden Herzen darauf was als nächstes kommen mochte.
Seine Hände wanderten wieder langsam nach oben, er umfasste meine Hüften und ehe ich wusste wie mir geschah drückte er zu, presste mich an sich und knurrte mir leise ins Ohr.
Mir entwich ein überraschtes Keuchen und sein Griff wurde noch fester. Es fühlte sich nicht schmerzhaft an, war jedoch eine eindeutige Botschaft: Mein!
Ich machte mich steif wie ein Brett, die Angst war wieder zurück! Was würde er jetzt tun?
Wie vom Blitz getroffen ließ er mich los, so als hätte er sich die Finger verbrannt. „Entschuldige Alice, ich wollte dir nicht wehtun. Ich denke das reicht für das erste Mal!“
Blitzschnell war ich von den Fesseln befreit, im hellen und völlig alleine. Diese verfluchten Vampire waren so verdammt schnell, daran würde ich mich nie gewöhnen können.
Jetzt stand ich alleine in einem Raum voller Ketten, Lederpeitschen und anderen Gerätschaften die ich nicht benennen konnte. In der Mitte des Raumes stand ein großer, schwarzer Tisch, mit Fesselvorrichtungen und an der Wand wo ich eben noch gefesselt war, war ein großes X angebracht, und an den jeweiligen Enden baumelten Hand-, bzw. Fußfesseln.
Ich war vollends verwirrt! Warum ist Jasper mein Trainer? Wo war James? Ich meine, nicht das ich dieses Schwein sonderliche vermisste. Ich betete zu Gott, ihn nie wieder sehen zu müssen, aber komisch war es schon.
Und dieser Jasper brachte mich komplett durcheinander. Er schien mal nett zu sein und dann fiel er wieder in dieses „tierische Verhalten“. Ich hatte Angst vor ihm, er war wie ein Tier und gleichzeitig hatte er Charisma, eine tödliche Mischung.
In seiner Nähe war ich gespannt wie eine Bogensehne, ich fühlte mich wie auf einem Drahtseil und fürchtete beim kleinsten Schritt den Halt zu verlieren.
Ich umarmte Bella nochmal fest, dann drehte ich mich um und betete zu Gott, dass ich sie wiedersehen würde.
Mit zittrigen Knien ging ich langsam den Gang runter und blickte rechts und links auf die Türen. Darkroom. Keine Ahnung was das war, aber da sollte ich wohl in zehn Minuten erscheinen.
„Na wo wollen wir denn so alleine hin?“ Eine schwere Männerhand landete auf meiner Schulter. Aro, dieser komische Arzt, grinste mir lüstern ins Gesicht. Na prima, der hatte mir gerade noch gefehlt.
„Ich…ich bin…“ setzte ich an. „Ich würde sagen, Liebes, “ fiel er mir ins Wort, „ du bist in Schwierigkeiten. Wenn dich jemand hier alleine findet auf dem Flur, kann das sehr ernste Konsequenzen für dich nach sich ziehen.“
Sein Daumen streichelte meine Schulter. „Du kannst von Glück sagen, dass ich es bin, dem du in die Arme gelaufen bist!“ Er beugte sich nahe zu mir herunter. „Es wäre wirklich ein Jammer, diese zarte, perfekte Haut zu verletzen!“
Er küsste meine Stirn und seine langgliedrigen Finger strichen von meiner Schulter meinen Arm hinunter. Ich hatte Mühe mein Frühstück bei mir zu behalten, dieser Vampir war so was von widerlich schmierig und lüstern. Buchstäblich zum kotzen.
„Komm jetzt!“ Er richtete sich auf. „Ich bring dich ausnahmsweise zu deiner Trainingsstunde, aber vorher musst du dich umziehen. Hat dir das keiner gesagt?“
Ich schüttelte den Kopf. Wie umziehen? Davon wusste ich nichts und Bella auch nicht! Verdammt, da stellte sich doch die Frage was wir noch alles „nicht wussten“!? Aber woher auch?
Aro brachte mich schnell in mein Zimmer zurück und öffnete den riesigen Kleiderschrank. „Alice, das ist ganz wichtig! Du musst dich den jeweiligen „Trainigsumständen“ anpassen! Hast du ein Date im Klassenzimmer, so wie deine Freundin Isabella heute, dann solltest du dich für die Schuluniform entscheiden. Eine Trainingsstunde im Darkroom lässt auf Lack und Leder schließen. Ist doch logisch!“
Ja, logisch! Glasklar! Verdammt, Lack und Leder!? Ich wurde wohl ohne Umschweife direkt in die Hölle geschmissen.
Genervt riss Aro einen Lederfetzen, in der Größe eines Putzlappens, vom Kleiderbügel. „Komm Liebes, zieh das hier an und gib etwas Gas, du bist spät dran und ich hab auch noch andere Dinge zu tun als für dich den Wachhund zu spielen!“
Zehn Minuten später stand ich in Lack und Leder vor einer schwarzen Tür mit der Aufschrift „Darkroom“. Ich fühlte mich über die Maßen entblößt, das „Kleid“ ging mir nur bis knapp über den Po und meine Füße steckten in schwarzen, abartig hohen, Lackstiefel.
Ich öffnete zaghaft die Tür und trat ein, es war stockfinster. „So meine Schöne, ich lass dich dann mal allein. Dein Trainer dürfte jeden Moment kommen!“ Über seinen zweideutigen Witz glucksend machte sich Aro wieder auf den Rückweg. Widerlich!
Trotz aller Angst, vor dem was mir jetzt bevor stand war ich froh ihn los zu sein. Er war einfach zu eklig, schleimig und voller Tücke, zumindest vermittelte mir das mein kleiner, menschlicher Instinkt.
Vergeblich suchte ich nach einem Lichtschalter, fand aber nur allerlei merkwürdiges Zeug, das an den Wänden hing. Manches fühlte sich an wie Metall, manches wie Leder oder Gummi. Oh Gott!
Plötzlich, ohne die geringste Vorahnung, wurde ich an eine Wand gepresst, Eisen klirrte und eiskaltes Metall schloss sich um meine Handgelenke und meine Fesseln.
Ich wollte mich losmachen, ich wollte schreien. Mein Selbsterhaltungstrieb hatte eingesetzt, doch eine Hand schloss sich um meinen Mund.
Eine heisere Stimme murmelte an meinem Ohr: „Schhhhh….keine Angst, ich tu dir nicht weh, bleib einfach ganz ruhig. Es wird dir nichts geschehen!“ Die Stimme kam mir bekannt vor, aber ich konnte sie dennoch nicht einordnen.
Ruhig bleiben sollte ich? Ich war im Dunklen, mit dem Gesicht gegen eine Wand, angekettet und ein Fremder Mann konnte mit mir machen was er wollte? Fehlanzeige! Ich hatte Angst, meine Knie zitterten und mein Herz jagte im wilden Galopp.
Als ich seine Hand an meinen Fingern spürte, schrie ich vor Schock laut auf. „Alice, bitte. Du kannst mir vertrauen. Entspann dich.“ Seine Finger strichen langsam meinen Arm hinauf, es war eigentlich kein unangenehmes Gefühl, doch ich hatte zu viel Angst.
Ich fasste all meinen Mut zusammen. „Dir vertrauen? Ich kann dich ja noch nicht einmal sehen! Ich kenne dich nicht!“ Er war mittlerweile bei meiner Schulter angekommen und zog mit einem Finger feine Kreise auf meiner Haut. Augenblicklich bekam ich eine Gänsehaut.
„Alice, du kennst mich und ich kenne dich, viel besser als du es dir vorstellen kannst. Denk mal nach…“ Schlagartig fiel es mir auf, aber wie konnte das sein? Seine Stimme klang so rau und heiser!
„Jasper?“ japste ich noch, denn im gleichen Moment spürte ich ganz federleicht seine Lippen auf meiner nackten Schulter und ich fühlte so eine Art leichten Stromschlag, der durch meinen Körper zuckte. Erleichtert atmete ich aus. Jasper. Nicht James!
„Alice, ich habe dir schon gesagt, dass ich dir nicht wehtue. Ich möchte nur deinen Körper kennenlernen ohne dass mich äußere Reize beeinflussen können. Beim nächsten Training gestatte ich dir dasselbe.“
Dasselbe? Schlagartig wurde mir warm als ich mir Jasper in meiner jetzigen Position vorstellte. Angekettet, halb nackt und ich alleine mit ihm. Gleich darauf, schalt ich mich eine Närrin!
Reichten die bisherigen Begegnungen mit ihm nicht aus um zu merken, dass dieser Mann mehr Tier war als Mensch? Völlig seinen Instinkten ausgeliefert. Was würde mit mir geschehen wenn ich das falsche sagte oder tat?
Langsam wanderten seine beiden Hände von meinen Schultern über meinen Rücken, sanft strich er mir über die Taille. Er streifte meinen Po und bahnte sich seinen Weg über meine Obereschenkel. Ich hielt die Luft an und wartete mit klopfenden Herzen darauf was als nächstes kommen mochte.
Seine Hände wanderten wieder langsam nach oben, er umfasste meine Hüften und ehe ich wusste wie mir geschah drückte er zu, presste mich an sich und knurrte mir leise ins Ohr.
Mir entwich ein überraschtes Keuchen und sein Griff wurde noch fester. Es fühlte sich nicht schmerzhaft an, war jedoch eine eindeutige Botschaft: Mein!
Ich machte mich steif wie ein Brett, die Angst war wieder zurück! Was würde er jetzt tun?
Wie vom Blitz getroffen ließ er mich los, so als hätte er sich die Finger verbrannt. „Entschuldige Alice, ich wollte dir nicht wehtun. Ich denke das reicht für das erste Mal!“
Blitzschnell war ich von den Fesseln befreit, im hellen und völlig alleine. Diese verfluchten Vampire waren so verdammt schnell, daran würde ich mich nie gewöhnen können.
Jetzt stand ich alleine in einem Raum voller Ketten, Lederpeitschen und anderen Gerätschaften die ich nicht benennen konnte. In der Mitte des Raumes stand ein großer, schwarzer Tisch, mit Fesselvorrichtungen und an der Wand wo ich eben noch gefesselt war, war ein großes X angebracht, und an den jeweiligen Enden baumelten Hand-, bzw. Fußfesseln.
Ich war vollends verwirrt! Warum ist Jasper mein Trainer? Wo war James? Ich meine, nicht das ich dieses Schwein sonderliche vermisste. Ich betete zu Gott, ihn nie wieder sehen zu müssen, aber komisch war es schon.
Und dieser Jasper brachte mich komplett durcheinander. Er schien mal nett zu sein und dann fiel er wieder in dieses „tierische Verhalten“. Ich hatte Angst vor ihm, er war wie ein Tier und gleichzeitig hatte er Charisma, eine tödliche Mischung.
In seiner Nähe war ich gespannt wie eine Bogensehne, ich fühlte mich wie auf einem Drahtseil und fürchtete beim kleinsten Schritt den Halt zu verlieren.
Abonnieren
Kommentare (Atom)


