Bella PoV
Dieses unglaubliche Kribbeln, welches ich bei der ersten Berührung schon gespürt hatte, bahnte sich erneut seinen Weg durch meine Glieder, es war wie die pure Elektrizität. Ich versuchte dieses Gefühl nicht zu stark zuzulassen, da ich nicht wusste was es zu bedeuten hatte, aber es hatte eine wahnsinnige Macht über mein Empfinden. Ob er es auch bemerkte? Falls ja, zeigte er es zumindest nicht.
Ich schaute noch einmal kurz zurück zu Alice, die immer noch auf meinem Bett saß und mich mit großen Augen anblickte. Angst und Sorge stand in ihrem Gesicht geschrieben und es fühlte sich falsch an, sie hier alleine zurück zu lassen. Aber was sollte ich tun? Dieser Edward wäre wohl nicht begeistert, wenn ich ihn fragte, ob Alice mitkommen könnte.
Ich lächelte ihr ein letztes Mal zu, hoffte sie würde sich nicht zu viele Gedanken machen. Aber am meisten hoffte ich, dass weder James noch Jasper, sich hierher verirrten, um Alice näher ‚kennenzulernen‘. Wobei ich mir nicht sicher war, welcher von beiden eher geeignet war, ihr Trainer zu sein. James war sadistisch und Jasper einfach nur krank.
Aber dennoch wäre es mir irgendwie lieber, wäre Jasper ihr Trainer und nicht James!
Edward führte mich leise durch die Gänge und Flure. Einerseits war es unheimlich, dass keiner von uns redete, aber andererseits, war es wohltuend. Diese unangenehme Stille, die sich immer zwischen 2 Leuten auszubreiten droht, wenn man sich nichts zu sagen hat, kam komischerweise nicht auf. Es war fast so, als ob wir beide nicht reden mussten, um zu verstehen, was der andere dachte.
Zwischendurch drehte er immer leicht seinen Kopf in meine Richtung und sah mich an. Seine grünen Augen tanzten vor Freude und sein Lächeln, welches er immer auflegte, wenn sich unsere Blicke kreuzten, war einfach atemberaubend. Und das im wahrsten Sinne des Wortes, denn ich hatte das Gefühl, dass mein Herz immer für ein, zwei Sekunden kurz aussetzte!
So etwas hatte ich noch nie erlebt!
Ob das bei Vampiren normal war? Ich versuchte mich zu erinnern, wie ich mich gefühlt hatte, wenn einer der anderen gelächelt hatte, aber von ihnen hatte mich nie einer angelächelt. Nein, sie hatten immer ein herablassendes und anzügliches Grinsen im Gesicht. Aber dennoch, die Reaktion meines Körpers auf ihn und sein Lächeln war wirklich besorgniserregend, wenn man bedachte, was dieser Vampir mit mir vorhatte!
Dann betraten wir die Bar, welche erneut halb leer war. Tagsüber waren nur sehr wenige von ihnen hier, was aber auch daran liegen könnte, das der Mythos über Vampire und Sonnenlicht der Wahrheit entsprechen könnte. Das musste ich dringend rausfinden, wenn ich irgendwie hier raus kommen wollte. Denn es könnte eine große Hilfe sein!
„Also Isabella, Carlisle hat dir ja schon berichtet, dass du zu Beginn in der Bar aushelfen wirst. Dies hier ist das ganze Schmuckstück!“ sagte Edward und machte eine ausladende Handbewegung einmal durch den ganzen Raum, wobei er, schon fast leider, meine Hand losließ. Dieses geheimnisvolle Kribbeln ebbte sofort ab und hinterließ eine Leere. Zumindest empfand ich es so.
Hinter der Theke standen wieder die gleichen beiden Vampire, wie bei dem letzten Mal, als ich mit Esme hier war. Demitri und Alec, an die Namen konnte ich mich komischerweise noch genau erinnern. Und auch wie beim letzten Mal grinste Alec mich bedrohlich lüstern an, während Dimitri einfach nur zu uns rüber nickte und sich dann wieder seinem Gast widmete.
Dimitri mochte ich jetzt schon! Das stand fest!
„Soweit ich weiß, hast du doch Erfahrung in diesem Bereich, oder?“ Edward schönes Gesicht blickte in meins und ich wusste nicht wie der Kerl das anstelle, aber blieb erneut der Atem im Hals stecken. Wie konnte man nur so perfekt aussehen? Wie konnte man so schön und doch so männlich sein?
Wie konnte mich mein eigener Verstand so verraten und sich davon blenden lassen?
Da ich es nicht schaffte meine Stimme zum reden zu kriegen, begnügte ich mich damit ihm nur zuzunicken. Woher er wusste, dass ich beim kellnern schon Erfahrung hatte, war mir egal, denn hier wusste ja jeder alles über mich. Und woher sie das wussten, wollte ich mit Sicherheit nicht wissen! Wahrscheinlich hatten die mich schon seit Monaten beobachtet!
Hal! Hal Russell! Ob er auch mit denen hier unter einer Decke steckte?
Er war mir von Anfang an schon so suspekt vorgekommen. Niemand an der Uni hatte sich für mich interessiert, keiner. Aber dann kam der Neue, der Fremde, der sich so sehr auf mich fixiert hatte und mich zu einem Date überredet bekommen hatte! Hal wusste, wann ich bei Dan arbeiten musste und wann ich Feierabend hatte. Verdammt, er musste da einfach mit drin stecken!
„Gut, die genaue Einweisung wirst du dann an deinem ersten Arbeitstag von Alec und Dmitri bekommen! Wir beide gehen dann mal zu den interessanteren Dingen über!“ holte mich Edward in die Gegenwart zurück und sein sexy Lächeln, bekam etwas arrogantes, was ihn aber nur noch besser aussehen ließ.
Wo wollte er mich denn jetzt mit hinnehmen? Was gibt es denn hier Interessantes zu sehen?
Wieder hielt er mir seine Hand hin und ich griff sie erneut ohne groß nachzudenken. Die Elektrizität war sofort wieder da, wie die ganze Zeit vorher und ich fragte mich so langsam, was das sein konnte. Normal war das definitiv nicht. Aber es war ungemein angenehm, dieses vibrieren zu spüren, es lockerte mich und meine angespannte Nerven. Es fühlte sich einfach gut an. Nur ob das gut war, wagte ich zu bezweifeln!
Edward führte mich wieder zurück in die Gänge und schritte wieder die Korridore entlang. Ich hatte immer noch keine Übersicht über sie gewonnen und wäre ohne jemanden an meiner Seite wohl komplett aufgeschmissen und würde mich elendig verlaufen! Es musste Hunderte Gänge geben und alle, fast alle sahen gleich aus!
Aber Edward führte mich in einen Gang, in dem ich vorher noch nie war. Das Licht war noch gedämpfter als in den anderen und ich musste meine Augen anstrengen um überhaupt alles wahrzunehmen. Diese dunkle, bordeauxrote und Licht war nicht sehr freundlich zu Menschenaugen. Vampire schienen kein Problem damit zu haben, denn Edward schritt gemächlich den Gang entlang, ohne auch nur zu blinzeln zu müssen.
An einer der letzten Türen blieben wir stehen und Edward grinste mich vielsagend an. „So, meine liebe Isabella. In diesen Räumen werden wir uns demnächst bezüglich deines Trainings wahrscheinlich am meisten aufhalten!“ kam es vielsagend aus seinem schönen Mund und dann öffnete er die Tür.
Ich ließ seine Hand los und trat langsam ein, wusste nicht, was mich jetzt erwarten würde. Und was ich sah, verwirrte mich total. Wir standen mitten in einem Klassenzimmer. Die schienen es mit dem Training ja ganz genau zu nehmen. Unmittelbar fühlte ich mich zurückversetzt in meine High School Zeit, als ich die dunkelgrüne Tafel an der Wand, das schwere Lehrerpult mit der kleinen Amerikafahne und dem Globus und die ganzen Schreibtische und Stühle sah.
Ich würde wieder zu Schule gehen.
Edward sah mich nur mit einem Funkeln in den Augen an, welches ich nicht deuten konnte, welches mir aber auf eine bestimmte Art unangenehm war. Er sagte gar nichts und diese Stille war schon fast mit den Händen zu greifen. So angenehm die Ruhe eben noch zwischen uns war, so unangenehm war sie jetzt, denn ich hatte das Gefühl, als hätte ich etwas übersehen, als erwarte er irgendeine Reaktion von mir.
„Hier werde ich also unterrichtet, oder? Alleine oder auch einmal mit Alice zusammen?“ fragte ich unsicher und sein Mund verzog sich zu einem amüsierten Grinsen und ein leises Lachen war zu hören. Er kam näher auf mich zu und blieb direkt vor mir stehen. In seinem Gesicht war immer noch ein Hauch von Humor zu sehen.
„Ja, ich werde dich unter anderem in diesem Raum unterrichten. Und wenn du magst, können wir Alice gerne das ein oder andere Mal mit dazu nehmen, an mir soll es bestimmt nicht liegen!“
Sein Lächeln wuchs weiter an und die Spitzen seiner Fangzähne blitzen unter der Oberlippe hervor. Dieser Anblick erschreckte mich ein wenig und ich machte einen Schritt zurück. Keine Ahnung warum, aber in seiner Gegenwart hatte ich fast vergessen wo ich bin und was mit mir geschieht. Der Blick auf den Beweis seiner Spezies, brachte die Erinnerung aber schnell wieder zurück und sein Lächeln verschwand. Sein Ausdruck wurde zu einer Maske, ich hatte ihn scheinbar sauer gemacht. Mist!
„Wegen deiner Jungfräulichkeit müssen wir noch schaun wie weit wir genau gehen werden, aber es gibt ja genug andere Aktivitäten, die wir beide perfektionieren können. Nun ja, einen unserer Themenräume hast du ja jetzt gesehen!“
Themenraum? Einer davon?
Ich verstand nicht was er damit meinte, es war doch ein Klassenzimmer und hier würde ich doch die ….. oh! Themenraum! Unmittelbar schlug mir die Erkenntnis wie eine Ohrfeige ins Gesicht und ich keuchte kurz, als ich verstand, was das zu bedeuten hatte. Dies hier für perverse Rollenspiele gedacht! Dies hier war einer der Räume, in denen ich vergewaltigt werden sollte!
Umgehend war dieses halbwegs schöne und normale Gefühl, Edward bei mir zu haben, dahin. Diese angenehme Atmosphäre keine irre Esme oder Laurent neben mir zu wissen, sonder einen der schönsten Männer die ich je gesehen hatte es war, der mit mir hier Hand in Hand durch die Gänge schlenderte, war wie weggeblasen. Auf einmal machte es mir Angst, denn man zeigte mir auf, wo ich mit ihm enden würde. Nur was er alles mit mir anstellte, war noch offen. Mir wurde umgehend schlecht und meine Beine begannen leicht zu zittern!
Edward schien es zu bemerken, denn sein Blick drückte kurz Besorgnis aus, aber so schnell diese Emotion auf seinem Gesicht zu sehen war, so schnell war sie auch schon wieder verflogen und sein Ausdruck wirkte wieder wie eine undurchdringliche Maske!
„Komm Isabella, lass uns weiter gehen!“ sagte er dann und hielt mir wieder seine Hand hin.
Sollte ich sie nehmen? Hatte ich eine andere Chance. Als er mein Zögern bemerkte, hob er eine seiner Augenbrauen und ich ergriff umgehend seine Hand. Aber das Gefühl war anders als zuvor, auch wenn das Kribbeln sofort wieder einsetzte.
Er schritt mit mir zu dem Raum auf der anderen Seite des Korridors und öffnete ihn. Dann schob er mich vor sich und ich trat vorsichtig ein. In welchem ‚Spielzimmer‘ war ich wohl diesmal? Aber ich konnte es nicht genau erkennen, denn es war doch sehr dunkel hier drinnen und ich überlegt Edward zu fragen, ob er das Licht anknipsen könne. Aber just in dem Moment, wurde es etwas heller, wenn auch nicht viel.
Das bisschen Licht, welches es hier gab, hatte etwas Milchiges an sich und es dauerte etwas, bis ich es erkannte. Scheinbar hatten sich meine Augen an die Lichtverhältnisse angepasst. Um mich herum war leichter Nebel. Künstlicher Nebel. Er waberte um meine Beine und reichte mir an manchen Stellen bis zu den Köcheln, aber an anderen bis zum Bauch hoch.
Ich lief etwas durch den Nebel hindurch und versuchte zu verstehen, wo ich hier gelandet war, als ich mir auf einmal selber ins Gesicht sah!
Ich schrie kurz auf und macht einen Schritt zurück, nur um mit dem Rücken gegen Edwards Brust zu knallen. Edward umschlang mich von hinten sofort mit seinen Armen und drückte mich sanft an sich. „Schhhh…… ganz ruhig, das ist nur dein Spiegelbild“, schnurrte er mir von hinten in mein Ohr und meine Haut, welche von seinem heißen Atem getroffen wurde, zog sich angenehm zusammen.
„Spiegelbild?“ kam es mir leise über die Lippen und verstand den Sinn dieses Raumes immer noch nicht!
„Ja“, hauchte Edward mit ins Ohr und der Schauer zog sich diesmal quer durch meinen ganzen Körper. „Es ist eine Art Spiegelkabinett, denn wir Vampire sind Narzissten!“
Erst da fiel mir ein dunkles Sofa auf, welches in der einen Ecke stand, und eine Art Theke, die an der anderen Ecke stand. Das schwache Licht, welches sich durch den Kunstnebel kämpfte kam von einzelnen Spotlights in der Decke und war auf die Stellen kurz vor den Spiegeln gerichtet.
„Weißt du Isabella, wir sehen uns gerne selber dabei zu“, sagte er heiser und fuhr mit dem Finger meine Halsschlagader entlang. Oh weh, was hatte er vor? „Es hat etwas sehr erotisches, aber auch Intimes an sich, wenn man sich nährt und seinem Blutspender dabei in die Augen sehen kann! Und von dem anderen ganz zu schweigen!“
Im Spiegel vor mir sah ich, wie er seine Nase an meinem Kinn entlang gleiten ließ, aber meinen Blick im Spiegel festhielt. Es hatte etwas hypnotisches, dem ich mich nicht entziehen konnte. Seine Worte waren nicht gerade das, was ich hören wollte, aber komischerweise ließen sie mich erzittern. Und zwar nicht aus Angst!
„Ich bin mir sicher, dass es dir auch gefallen wird!“ sagte er dann und platzierte einen kleinen Kuss auf meinen Scheitel. „Aber nun sollten wir weiter gehen!“
Einerseits erleichtert, aus seiner Umarmung erlöst zu werden, aber andererseits enttäuscht, dass dieser so private Moment zwischen uns endete, ging ich hinter ihm her Richtung Türe. Als wir wieder auf den Flur traten, kam Esme aus dem Zimmer neben an und lächlte uns entgegen. „Edward, Isabella! Schön euch zu sehen. Wie ich sehe, zeigst du Isabell schon einmal alles wichtige, dass ist wirklich toll!“ Dann drehte sie sich zu mir „Und, wie gefällt es dir bis jetzt?“
Gefallen? War das ihr Ernst? Ich war doch hier nicht in Disneyland!
Aber bevor ich meinen Mund aufmachen konnte, übernahm Edward schon das Wort. „Esme, ich finde wir sollten einen Terminplan für die Räume machen. Ich wollte Isabella so gerne noch unseren Black Room zeigen, aber wie ich höre, ist er gerade besetzt. Wir sollten uns das besser einteilen, damit wir und die Gäste uns da nicht in die Quere kommen!“
Black Room? Waren wir da nicht gerade? Und außerdem hörte ich gar nichts, woher wollte er wissen, ob dieser Raum besetzt war?
„Ja Edward, da bin ich voll bei dir. Eine sehr gute Idee. Dort können wir eure Trainingsstunden eintragen und die Gäste können sich dann dementsprechend einen der andren Räume aussuchen, schließlich haben wir genug.“
Genug? Wie viele gab es denn noch?
„Ich bin dann wieder bei Carlisle und bereite euren Schichtplan vor Isabella!“ grinste sie mich an und zwickte mir in die Wange, wie alte Menschen es immer taten. Und ich hasste es! „Und dir viel Spaß mein Sohn!“ sagte sie zu Edward und gab ihm einen Kuss auf die Wange.
Sohn? Er stammte von ihr? Oh Gott!
„Komm Isabella, ich wollte noch mit dir zur Spielwiese!“ grinste Edward dann und ging wieder mit mir die Gänge lang. Ob ich ihn fragen sollte, was er sich genau unter meinem Training vorstellte? Ob er mir wehtun würde? Ach Bella, verdammt! Er war ein Vampir und hält dich gefangen. Er zwingt dich quasi zur freiwilligen Vergewaltigung! Natürlich würde er dir wehtun!
Ehe ich mich versah, stand ich wieder draußen vor diesem Irrgarten in den Esme Alice und mich schon einmal geschleppt hatte und sofort sah ich wieder dieses tote Mädchen vor meinen Augen! Ich erzitterte kurz an diese Erinnerung, atmete aber gleich tief durch, ich würde nicht so enden. Ich würde irgendwie hier raus kommen.
Ich öffnete meine Augen und blickte auf das Labyrinth, dessen Eingang direkt vor mir lag. Die Sonne war gerade unter gegangen und tauche den Anblick des Irrgartens in einen rötlichen Schein. Ob ich auch dort drinnen gejagt werden würde? Und wenn ja, was genau würde passieren? Wie konnte man sicher stellen, dass man mich nicht auch umbringen würde? Wann war das Ende einer solchen Jagd gekommen?
Ich hatte Angst vor diesem Labyrinth! Mehr als vor jedem einzelnen Themenraum im Bloody Bite!
„Isabella!“ Edward hatte meine Hand losgelassen und sah mich erwartungsfrohen Augen an. Ein spielerisches Lächeln hatte sich auf seine Lippen gelegt und er wirkte fast wie ein kleiner Junge, der mit seinem Spielzeug spielen wollte. „Lauf!“
Ich verstand nicht was er wollte und sah ihn irritiert an. Doch dann hörte ich ein Knurren, welches tief aus seiner Kehle kam und blickte auf die Fangzähne, die nun überdeutlich aus seinen Lippen hervortraten. Er wollte mich jagen! Scheiße! „LAUF!“
Und dann rannte ich los und betete, dass ich nicht drauf gehen würde.
Kurzbeschreibung
Was wäre, wenn du dir ein Leben voller Wärme, Geborgenheit und Freude vorgestellt hättest, ein Leben mit liebevollen Eltern und den besten Freunden auf der ganzen Welt. Was wenn die Realität aber eine ganz andere ist? Die Eltern bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Deine Freunde dich nur ausgenutzt haben. Mein Leben hatte schon lange seinen Glanz verloren. Aber dann wurde alles nur noch schlimmer. Der Tag an dem ich zu Carlisle Cullen verschleppt wurde, war der Tag, an dem meine Seele endgültig starb.
Freitag, 26. März 2010
Freitag, 19. März 2010
Kapitel 10
Bella PoV
„Alice, Isabella, schön dass ihr da seid, wir drei haben ein paar wichtige Dinge zu klären!“ sagt er mit einem diabolischen Ausdruck in seinen eisigkalten Augen.
Meine Kehle schnürte sich zu, und ich bekam kaum noch Luft. Wir waren ganz alleine mit diesem Monster und niemand würde uns retten, schreien brachte keinen Sinn, uns würde eh keiner hören und wenn doch würde denen wahrscheinlich noch einer abgehen.
Carlisle grinste immer noch so hämisch. "Mädchen", er deutete auf die beiden Stühle vor seinem Schreibtisch "bitte setzt euch doch!". Hastig, weil wir seinen Zorn nicht erregen wollten, folgten wir seiner Anweisung und nahmen auf den schwarzen, lederüberzogenen Stühlen, Platz. Während er in einer Akte blätterte richtete er das Wort an mich ohne aber seinen Blick zu heben.
"Isabella, deine Werte sind ja soweit in Ordnung und um den Magnesiummangel wird sich ja auch schon gekümmert. Sehr gut, sehr gut. Dennoch sollten wir das immer noch im Auge behalten, Gesundheit ist hier, dass wisst ihr ja bereits, dass A und O. Nun, damit euch die Tage und Nächte nicht zu lang werden möchte ich, dass ihr beide jeder eine Aufgabe hier im Club übernimmt und dann werden wir euch nach und nach die komplette Ausbildung zukommen lassen. Ich weiß, dass du früher in einer Bar gearbeitet hast, was hälst du davon wenn wir dich hier auch erstmal hinter die Theke stellen? Du kannst dort Demitri zur Hand gehen."
War das jetzt ein Scherz? Ich musste nur Drinks mixen?
Soweit so gut, den Barkeeper konnte ich ohne weiteres spielen, dennoch war ich gleichzeitig überrascht und auch ermesslich erleichtert so eine Aufgabe zu bekommen, aber was meinte er mit "kompletter Ausbildung"? Ehe ich meinen Gedanken zu Ende führen konnte sprach er auch schon weiter während er unermüdlich in den Akten blätterte und hier und da eine Notiz dazu fügte.
"Die komplette Ausbildung, meine Lieben, besteht aus dem gesamten Bereich Bar und Service, den ihr ja jetzt schon kennenlernen werdet. Tänzerische Ausbildung, Verhalten während des Nährens, sowie die Ausbildung in den Liebeskünsten. Für den letzen Bereich werdet ihr einen Trainer bekommen, der euch unterweisen wird." Endlich schlug er die Akten zu und blickte Alice an.
Die Ärmste wurde immer kleiner auf ihrem Stuhl, dieser Carlisle schien sie mit seinem Blick durchbohren zu wollen. "Alice, du wirst das Service Team verstärken und nachmittags sowie abends in unserem Etablissement unseren Gästen an ihren Tischen aufwarten."
Was in ihrem Kopf vorging konnte ich nur erahnen, denn sie nickte nur und hatte die Augen vor Angst soweit aufgerissen, dass ich mich sorgte, sie könnte auf der Stelle in Ohnmacht fallen. Dennoch war ich ebenfalls erleichtert dass sie nichts "Schlimmeres" machen musste.
"Fein", er klopfte auf die Akten und verstaute sie dann anschließend in einem Safe in der Wand. "Dann hätten wir das ja soweit geklärt, ich werde in regelmäßigen Abständen mit Esme und euren Trainern Rücksprache halten, damit wir eure Fortschritte im Auge behalten können." Leitete er etwa das Ende des "Gespräches" ein? Ich betete verzweifelt darum, bisher hatte er uns nichts angetan aber dieser Carlisle war unberechenbar wie ein Kampfhund der plötzlich ausrastet und zwar dann wenn man es am wenigsten erwartet.
Ich konnte einfach dieses Bild nicht aus meinem Gedächtnis verbannen, Jessica auf Knien vor ihm und die mörderische Wut in seinen kalten, schwarzen Augen. Verzweifelt kämpfte ich um Haltung als er, wie ein Raubtier, sich an mich ran pirschte. Jeder Schritt, jede Bewegung war pure Berechnung seinerseits, zumindest kam es mir so vor. Kurz bevor sich unsere Schuhspitzen berührten stoppte er und blickte mir in die Augen.
"Keine Angst, meine Schöne ich möchte nur eine kleine Kostprobe! Wir wollen ja nicht dass unsere Kunden die Katze im Sack kaufen" er lachte lauthals.
Gott, der Typ konnte über seinen eigenen Witz lachen, dennoch rätselte ich darüber nach was er meinte mit Kostprobe? Wovon? Von meinem Blut? Weitere Gedanken konnte ich mir nicht machen, denn Carlisle packte meine Haare und bog meinen Kopf schmerzhaft nach hinten. Ich betete um Demut und Kraft als ich seine eiskalten Lippen auf meinen spürte. Er rammte seine Zunge zwischen meine Lippen und ich hatte das Gefühl eine schleimige Kreatur aus einem dunklen Schlammloch im Mund zu haben, ich hatte Mühe nicht zu würgen.
Als er endlich von mir abließ, leckte er sich über die Lippen. "Wahrliche Isabella, wahrlich." Sagte er nur, was immer das auch heißen mochte, aber seine schwarzen Augen glühten. Ich blickte beschämt und gedemütigt auf den Boden und suchte verzweifelt ein Loch, in das ich versinken konnte.
Schließlich wiederholte er die gesamte Prozedur auch noch bei der armen Alice. Die danach noch verstörter wirkte, als vorher schon.
Es ist ja sowas von demütigend, menschenunwürdig! Wir wurden behandelt wie Vieh, das zum Verkauf bestimmt war. Die einzige Frage die noch zu beantworten war, war wann. Kaum hatte Carlisle von Alice abgelassen da wurde schwungvoll die Bürotür geöffnet und Esme kam, tadellos gekleidet, mit einem Handy am Ohr ins Büro gerauscht.
"Das verstehe ich nicht James und ehrlich gesagt bin ich da nicht im Thema drin, aber ich erwarte von dir dass du das Problem löst!" Damit legte sie auf und blickte freudestrahlend in die Runde.
"Carlisle, meine Lieber! Wie weit seid ihr denn hier?"
Carlisle ging lächelnd auf Esme zu und küsste sie auf den Mund. Der hatte wohl mit nichts ein Problem! Gerade hatte er Alice und mir seine eklige Zunge in den Hals gesteckt und jetzt knutscht er seine Frau ab! Eiskalt, der Typ.
"Wir sind soweit durch, ich habe den Mädchen ihren Ausbildungsplan erklärt und ihre Aufgaben für die nächste Zeit. Wir brauchen jetzt nur noch ihre Trainer zu bestimmen!"
Esme klatschte in die Hände. "Oh wunderbar, ich wüsste auch schon wer sich gerne zur Verfügung stellen würde!"
"Wer?"entschlüpfte es mir vor lauter Angst.
Kaum hatte ich dieses Wort ausgesprochen spürte ich einen heftigen Schmerz auf meiner Wange, mein Kopf flog zur Seite und ich dachte der ganze Schädel würde explodieren. Betreten hielt ich meine Wange, während mir vor Schmerz die Tränen in die Augen traten. Carlisle ließ langsam seine Hand sinken und starrte mich mit eiskaltem Blick an.
"Du sprichst nur wenn du dazu aufgefordert wist!" herrschte er mich an.
Dann wandte er sich wieder seiner Frau zu."An wen hast du da gedacht, Liebling?"
Esme kicherte wie ein kleines Mädchen als ob nichts passiert wäre. Meine Güte, die waren sowas von krank!
"Also für Alice dachte ich an James und für Isabella war ich eigentlich für Felix, aber ich glaube sie braucht noch ein bisschen mehr Erziehung. Was hälst du von Edward für Isabella?"
Die zwei redeten über uns als ob wir gar nicht im Zimmer wären, wir wurden wie Objekte behandelt. Wie Lustobjekte! Carlisle rieb sich das Kinn.
"Edward mmh? Hast du ihn gefragt? Normalerweise ist er ja nicht im Ausbilderpool. Aber du hast recht, er könnte der richtige für Isabella sein! Na gut, so Lange er einverstanden ist, habt ihr meinen Segen und jetzt raus, ich hab noch zu tun!"
Das ließen wir uns nicht zwei Mal sagen und wollten schon durch die Tür schlüpfen, da hielt er uns noch einmal zurück. "Ach ja, Mädchen", begann er und blätterte schon wieder in irgendwelchen Akten. "Wenn du versuchst zu fliehen Isabella, dann werde ich Alice töten und Alice, solltest du versuchen zu fliehen dann werde ich Isabella töten! Danke, dass war's!"
Danke, das war's? Spinnt der? Ja, klar spinnt der, das war eine rhetorische Frage aber uns mit unserer Freundschaft zueinander zu erpressen, das ist echt unterste Schublade! Uns es so eiskalt zwischen Tür und Angel, im wahrsten Sinne des Wortes, vor die Füße zu knallen war echt unglaublich. Alice kaute auf ihrer Unterlippe.
"Bella, ich habe Angst! Und besonders große Angst habe ich vor diesem James, was glaubst du haben die mit uns vor und wer ist dieser Edward? Hast du ihn schon mal gesehen?"
Ich hockte mich im Schneidersitz auf mein Bett. "Nein, Alice. Ich habe keinen blassen Schimmer wer das sein soll, aber denk immer daran, dass die uns unversehrt haben wollen, er wird dir nicht wehtun," bevor ich zu Ende sprechen konnte hörten wir einen Tumult vor der Tür.
Etwas wurde gegen eine Wand geschleudert und dann hörten wir eine wütende, männliche Stimme, die wir aber bereits kannten.
Jasper.
"Was soll das heißen du trainierst sie, James? Sie gehört mir! Ich schwöre dir bei Gott, wenn du sie nur einmal anfasst mit deinen schmierigen Fingern, dann reiß ich dir deine Gedärme raus und brate sie in der Pfanne!"
Was James antwortete konnten wir nicht verstehen, denn er sprach viel leiser und dann hörten wir einen dumpfen Schlag und gleich darauf, das schmerzvolle Jammern von James. So ein Weichei! Aber unsereins den Harten markieren
"Bella haben die sich etwa um mich geprügelt? Warum? Was will dieser Jasper nur von mir?" fragte Alice angstvoll.
"Ich denke schon. Und ich kann es dir auch nicht sagen, aber warte ich schau mal nach was draußen los ist."
Todesmutig schlich ich zur Tür und versuchte zu horchen aber der Tumult hatte sich schon wieder gelegt und es war still auf dem Flur, mutig wagte ich einen Blick nach draußen. Nachdem Carlisle uns erklärt hatte, was auf uns wartete wenn wir versuchten zu fliehen wurde unsere Tür nicht mehr verschlossen. Warum auch? Wir hatten ja den besten Grund hierzubleiben! Wir wollten für keinen Mord verantwortlich sein!
Noch immer konnte ich nicht glauben was uns hier angetan wurde! Kaum hatte ich die Tür einen Spaltbreit geöffnet fand ich mich Auge in Auge mit diesem wunderschönen Mann vom Vortag wieder, der Mann aus meinem Traum. Mein Herz schlug wie wild.
„Isabella, es wäre nett von dir wenn du die Tür ganz aufmachst und ich eintreten könnte."
Schlagartig bekam ich eine gewaltige Gänsehaut, sogar die kleinsten Härchen stellten sich im Nacken auf. Diese Stimme! Es war exakt die gleiche Stimme wie aus meinem Traum. Das konnte ich doch gar nicht wissen, ich hatte ihn bisher niemals sprechen hören! Unheimlich war das, wirklich unheimlich. Wie war so was möglich?
Perplex öffnete ich die Tür und der Mann trat ein. Er reichte mir die Hand, während wir ihn kritisch beäugten, mochte er auch noch so gut aussehen und einen auf "nett" machen, er war immer noch der Feind.
„Isabella, Alice", er nickte kurz in ihre Richtung, „ich bin Edward!"
Ach du Scheiße! Edward?? DER Edward? Der Edward der mich „trainieren" sollte? Der Edward mit dem ich schlafen sollte? Meine Knie wurden weich, dennoch ergriff ich seine Hand und spürte sofort als ich ihn berührte ein Kribbeln, das durch meinen Körper ging, schnell zog ich meine Hand wieder zurück.
Er lächelte mich an und zeigte zwei Reihen von strahlend weißen Zähnen, sein Lächeln wirkte wie das von einem Raubtier, das seine Beute in die Enge getrieben hatte und unmittelbar zum tödlichen Sprung ansetzte. „So Isabella, wir werden ja demnächst ziemlich viel Zeit miteinander verbringen, ich denke wir sollten uns schon mal beschnuppern. Kommst du? Lass uns etwas spazieren gehen!"
Ungläubig starrte ich auf die Hand die er mir entgegenhielt und zaghaft lies ich meine Hand in seine gleiten.
„Alice, Isabella, schön dass ihr da seid, wir drei haben ein paar wichtige Dinge zu klären!“ sagt er mit einem diabolischen Ausdruck in seinen eisigkalten Augen.
Meine Kehle schnürte sich zu, und ich bekam kaum noch Luft. Wir waren ganz alleine mit diesem Monster und niemand würde uns retten, schreien brachte keinen Sinn, uns würde eh keiner hören und wenn doch würde denen wahrscheinlich noch einer abgehen.
Carlisle grinste immer noch so hämisch. "Mädchen", er deutete auf die beiden Stühle vor seinem Schreibtisch "bitte setzt euch doch!". Hastig, weil wir seinen Zorn nicht erregen wollten, folgten wir seiner Anweisung und nahmen auf den schwarzen, lederüberzogenen Stühlen, Platz. Während er in einer Akte blätterte richtete er das Wort an mich ohne aber seinen Blick zu heben.
"Isabella, deine Werte sind ja soweit in Ordnung und um den Magnesiummangel wird sich ja auch schon gekümmert. Sehr gut, sehr gut. Dennoch sollten wir das immer noch im Auge behalten, Gesundheit ist hier, dass wisst ihr ja bereits, dass A und O. Nun, damit euch die Tage und Nächte nicht zu lang werden möchte ich, dass ihr beide jeder eine Aufgabe hier im Club übernimmt und dann werden wir euch nach und nach die komplette Ausbildung zukommen lassen. Ich weiß, dass du früher in einer Bar gearbeitet hast, was hälst du davon wenn wir dich hier auch erstmal hinter die Theke stellen? Du kannst dort Demitri zur Hand gehen."
War das jetzt ein Scherz? Ich musste nur Drinks mixen?
Soweit so gut, den Barkeeper konnte ich ohne weiteres spielen, dennoch war ich gleichzeitig überrascht und auch ermesslich erleichtert so eine Aufgabe zu bekommen, aber was meinte er mit "kompletter Ausbildung"? Ehe ich meinen Gedanken zu Ende führen konnte sprach er auch schon weiter während er unermüdlich in den Akten blätterte und hier und da eine Notiz dazu fügte.
"Die komplette Ausbildung, meine Lieben, besteht aus dem gesamten Bereich Bar und Service, den ihr ja jetzt schon kennenlernen werdet. Tänzerische Ausbildung, Verhalten während des Nährens, sowie die Ausbildung in den Liebeskünsten. Für den letzen Bereich werdet ihr einen Trainer bekommen, der euch unterweisen wird." Endlich schlug er die Akten zu und blickte Alice an.
Die Ärmste wurde immer kleiner auf ihrem Stuhl, dieser Carlisle schien sie mit seinem Blick durchbohren zu wollen. "Alice, du wirst das Service Team verstärken und nachmittags sowie abends in unserem Etablissement unseren Gästen an ihren Tischen aufwarten."
Was in ihrem Kopf vorging konnte ich nur erahnen, denn sie nickte nur und hatte die Augen vor Angst soweit aufgerissen, dass ich mich sorgte, sie könnte auf der Stelle in Ohnmacht fallen. Dennoch war ich ebenfalls erleichtert dass sie nichts "Schlimmeres" machen musste.
"Fein", er klopfte auf die Akten und verstaute sie dann anschließend in einem Safe in der Wand. "Dann hätten wir das ja soweit geklärt, ich werde in regelmäßigen Abständen mit Esme und euren Trainern Rücksprache halten, damit wir eure Fortschritte im Auge behalten können." Leitete er etwa das Ende des "Gespräches" ein? Ich betete verzweifelt darum, bisher hatte er uns nichts angetan aber dieser Carlisle war unberechenbar wie ein Kampfhund der plötzlich ausrastet und zwar dann wenn man es am wenigsten erwartet.
Ich konnte einfach dieses Bild nicht aus meinem Gedächtnis verbannen, Jessica auf Knien vor ihm und die mörderische Wut in seinen kalten, schwarzen Augen. Verzweifelt kämpfte ich um Haltung als er, wie ein Raubtier, sich an mich ran pirschte. Jeder Schritt, jede Bewegung war pure Berechnung seinerseits, zumindest kam es mir so vor. Kurz bevor sich unsere Schuhspitzen berührten stoppte er und blickte mir in die Augen.
"Keine Angst, meine Schöne ich möchte nur eine kleine Kostprobe! Wir wollen ja nicht dass unsere Kunden die Katze im Sack kaufen" er lachte lauthals.
Gott, der Typ konnte über seinen eigenen Witz lachen, dennoch rätselte ich darüber nach was er meinte mit Kostprobe? Wovon? Von meinem Blut? Weitere Gedanken konnte ich mir nicht machen, denn Carlisle packte meine Haare und bog meinen Kopf schmerzhaft nach hinten. Ich betete um Demut und Kraft als ich seine eiskalten Lippen auf meinen spürte. Er rammte seine Zunge zwischen meine Lippen und ich hatte das Gefühl eine schleimige Kreatur aus einem dunklen Schlammloch im Mund zu haben, ich hatte Mühe nicht zu würgen.
Als er endlich von mir abließ, leckte er sich über die Lippen. "Wahrliche Isabella, wahrlich." Sagte er nur, was immer das auch heißen mochte, aber seine schwarzen Augen glühten. Ich blickte beschämt und gedemütigt auf den Boden und suchte verzweifelt ein Loch, in das ich versinken konnte.
Schließlich wiederholte er die gesamte Prozedur auch noch bei der armen Alice. Die danach noch verstörter wirkte, als vorher schon.
Es ist ja sowas von demütigend, menschenunwürdig! Wir wurden behandelt wie Vieh, das zum Verkauf bestimmt war. Die einzige Frage die noch zu beantworten war, war wann. Kaum hatte Carlisle von Alice abgelassen da wurde schwungvoll die Bürotür geöffnet und Esme kam, tadellos gekleidet, mit einem Handy am Ohr ins Büro gerauscht.
"Das verstehe ich nicht James und ehrlich gesagt bin ich da nicht im Thema drin, aber ich erwarte von dir dass du das Problem löst!" Damit legte sie auf und blickte freudestrahlend in die Runde.
"Carlisle, meine Lieber! Wie weit seid ihr denn hier?"
Carlisle ging lächelnd auf Esme zu und küsste sie auf den Mund. Der hatte wohl mit nichts ein Problem! Gerade hatte er Alice und mir seine eklige Zunge in den Hals gesteckt und jetzt knutscht er seine Frau ab! Eiskalt, der Typ.
"Wir sind soweit durch, ich habe den Mädchen ihren Ausbildungsplan erklärt und ihre Aufgaben für die nächste Zeit. Wir brauchen jetzt nur noch ihre Trainer zu bestimmen!"
Esme klatschte in die Hände. "Oh wunderbar, ich wüsste auch schon wer sich gerne zur Verfügung stellen würde!"
"Wer?"entschlüpfte es mir vor lauter Angst.
Kaum hatte ich dieses Wort ausgesprochen spürte ich einen heftigen Schmerz auf meiner Wange, mein Kopf flog zur Seite und ich dachte der ganze Schädel würde explodieren. Betreten hielt ich meine Wange, während mir vor Schmerz die Tränen in die Augen traten. Carlisle ließ langsam seine Hand sinken und starrte mich mit eiskaltem Blick an.
"Du sprichst nur wenn du dazu aufgefordert wist!" herrschte er mich an.
Dann wandte er sich wieder seiner Frau zu."An wen hast du da gedacht, Liebling?"
Esme kicherte wie ein kleines Mädchen als ob nichts passiert wäre. Meine Güte, die waren sowas von krank!
"Also für Alice dachte ich an James und für Isabella war ich eigentlich für Felix, aber ich glaube sie braucht noch ein bisschen mehr Erziehung. Was hälst du von Edward für Isabella?"
Die zwei redeten über uns als ob wir gar nicht im Zimmer wären, wir wurden wie Objekte behandelt. Wie Lustobjekte! Carlisle rieb sich das Kinn.
"Edward mmh? Hast du ihn gefragt? Normalerweise ist er ja nicht im Ausbilderpool. Aber du hast recht, er könnte der richtige für Isabella sein! Na gut, so Lange er einverstanden ist, habt ihr meinen Segen und jetzt raus, ich hab noch zu tun!"
Das ließen wir uns nicht zwei Mal sagen und wollten schon durch die Tür schlüpfen, da hielt er uns noch einmal zurück. "Ach ja, Mädchen", begann er und blätterte schon wieder in irgendwelchen Akten. "Wenn du versuchst zu fliehen Isabella, dann werde ich Alice töten und Alice, solltest du versuchen zu fliehen dann werde ich Isabella töten! Danke, dass war's!"
Danke, das war's? Spinnt der? Ja, klar spinnt der, das war eine rhetorische Frage aber uns mit unserer Freundschaft zueinander zu erpressen, das ist echt unterste Schublade! Uns es so eiskalt zwischen Tür und Angel, im wahrsten Sinne des Wortes, vor die Füße zu knallen war echt unglaublich. Alice kaute auf ihrer Unterlippe.
"Bella, ich habe Angst! Und besonders große Angst habe ich vor diesem James, was glaubst du haben die mit uns vor und wer ist dieser Edward? Hast du ihn schon mal gesehen?"
Ich hockte mich im Schneidersitz auf mein Bett. "Nein, Alice. Ich habe keinen blassen Schimmer wer das sein soll, aber denk immer daran, dass die uns unversehrt haben wollen, er wird dir nicht wehtun," bevor ich zu Ende sprechen konnte hörten wir einen Tumult vor der Tür.
Etwas wurde gegen eine Wand geschleudert und dann hörten wir eine wütende, männliche Stimme, die wir aber bereits kannten.
Jasper.
"Was soll das heißen du trainierst sie, James? Sie gehört mir! Ich schwöre dir bei Gott, wenn du sie nur einmal anfasst mit deinen schmierigen Fingern, dann reiß ich dir deine Gedärme raus und brate sie in der Pfanne!"
Was James antwortete konnten wir nicht verstehen, denn er sprach viel leiser und dann hörten wir einen dumpfen Schlag und gleich darauf, das schmerzvolle Jammern von James. So ein Weichei! Aber unsereins den Harten markieren
"Bella haben die sich etwa um mich geprügelt? Warum? Was will dieser Jasper nur von mir?" fragte Alice angstvoll.
"Ich denke schon. Und ich kann es dir auch nicht sagen, aber warte ich schau mal nach was draußen los ist."
Todesmutig schlich ich zur Tür und versuchte zu horchen aber der Tumult hatte sich schon wieder gelegt und es war still auf dem Flur, mutig wagte ich einen Blick nach draußen. Nachdem Carlisle uns erklärt hatte, was auf uns wartete wenn wir versuchten zu fliehen wurde unsere Tür nicht mehr verschlossen. Warum auch? Wir hatten ja den besten Grund hierzubleiben! Wir wollten für keinen Mord verantwortlich sein!
Noch immer konnte ich nicht glauben was uns hier angetan wurde! Kaum hatte ich die Tür einen Spaltbreit geöffnet fand ich mich Auge in Auge mit diesem wunderschönen Mann vom Vortag wieder, der Mann aus meinem Traum. Mein Herz schlug wie wild.
„Isabella, es wäre nett von dir wenn du die Tür ganz aufmachst und ich eintreten könnte."
Schlagartig bekam ich eine gewaltige Gänsehaut, sogar die kleinsten Härchen stellten sich im Nacken auf. Diese Stimme! Es war exakt die gleiche Stimme wie aus meinem Traum. Das konnte ich doch gar nicht wissen, ich hatte ihn bisher niemals sprechen hören! Unheimlich war das, wirklich unheimlich. Wie war so was möglich?
Perplex öffnete ich die Tür und der Mann trat ein. Er reichte mir die Hand, während wir ihn kritisch beäugten, mochte er auch noch so gut aussehen und einen auf "nett" machen, er war immer noch der Feind.
„Isabella, Alice", er nickte kurz in ihre Richtung, „ich bin Edward!"
Ach du Scheiße! Edward?? DER Edward? Der Edward der mich „trainieren" sollte? Der Edward mit dem ich schlafen sollte? Meine Knie wurden weich, dennoch ergriff ich seine Hand und spürte sofort als ich ihn berührte ein Kribbeln, das durch meinen Körper ging, schnell zog ich meine Hand wieder zurück.
Er lächelte mich an und zeigte zwei Reihen von strahlend weißen Zähnen, sein Lächeln wirkte wie das von einem Raubtier, das seine Beute in die Enge getrieben hatte und unmittelbar zum tödlichen Sprung ansetzte. „So Isabella, wir werden ja demnächst ziemlich viel Zeit miteinander verbringen, ich denke wir sollten uns schon mal beschnuppern. Kommst du? Lass uns etwas spazieren gehen!"
Ungläubig starrte ich auf die Hand die er mir entgegenhielt und zaghaft lies ich meine Hand in seine gleiten.
Freitag, 12. März 2010
Kapitel 9
Bella PoV
„Guten morgen meine beiden Schönen“, begrüßte uns unser ‚Schutzengel‘ mit einem breiten Grinsen, was seine Fänge aufblitzen ließ. Kastriert mochte er ja sein, das hieß aber noch lange nicht, dass er sich an meiner Halsader vergreifen würde. Hier traute ich jedem alles zu und das Wort Moral hatte hier sowieso nicht viel Bedeutung.
Er betrachtete uns mit einem prüfenden und durchdringenden Blick, welcher mir einen eiskalten Schauer über den Rücken jagte und ich wünschte mir, ich hätte meine Yogahose und mein Schlabbershirt hier, in dem ich mich verstecken konnte. Aber leider gab es hier nur Kleidung in Kindergrößen. Sie waren einfach viel zu klein und viel zu eng!
Ich hatte mich in die einzige Hose gequetscht, die ich in ‚meinem Kleiderschrank‘ finden konnte, aber diese saß so tief auf meinen Hüften, dass es mich nicht wundern würde, wenn mein Hinter halb raushängen würde. Gehen konnte ich auch nicht wirklich darin, da sie mir bei jedem Schritt die Luft abschnürte.
Und das T-Shirt war auch nicht wirklich besser! Es zeigte irgendwie mehr, als das es verdeckte. Das T-Shirt, oder sollte ich eher Bustier sagen, endete oberhalb meines Bauchnabels und meine Brust malte sich perfekt ab, was diesen Blutsaugern bestimmt sehr gefiel. Ich zog die ganze Zeit am Saum in der Hoffnung, dass ich es etwas ausleiern konnte, damit es mir wenigstens bis über den Bauch zur Hüfte reichte, aber es nützte einfach nix. Solange ich auch zog und zerrte es war vergebene Liebesmüh.
Ich würde mir definitiv eine Nierenentzündung holen.
Alice neben mir sah auch nicht glücklicher aus, auch sie zog die ganze Zeit an ihrem Top in der Hoffnung, dass es mehr von ihrer zarten Haut verdecken würde. Aber sie scheiterte genauso wie ich es tat.
„Also, ihr seid doch bestimmt hungrig, oder? Wir gehen jetzt zusammen in den Speisesaal, dort werdet ihr etwas Leckeres bekommen und die anderen kurz kennenlernen!“
Anderen? Wie viele Andere es wohl gab? Ich hatte einige Namen ja bereits an den einzelnen Türen gelesen, aber das half mir leider nicht, mir eine genaue Vorstellung zu geben, wie viele Leute sie hier wohl gefangen hielten und für ihre barbarischen Gelüste quälten und ausbeuteten und aussaugten.
„Ich habe eigentlich gar keinen Hunger“, sagte Alice leise, aber ihr knurrender Magen, der just in dem Moment loslegte, strafte sie Lügen. Verlegen sah sie zu Boden. Ich konnte sie verdammt gut verstehen, mir ging es genauso!
„Du musste nicht nervös sein, sie werden dich schon alle mögen!“
Damit schob uns Laurent aus meinem Zimmer auf den Flur und schloss die Türe hinter sich ab. Er führte uns durch dieses Labyrinth aus Fluren und Gängen in dem ich es schon gestern aufgegeben hatte, mich je orientieren zu können. Aber was mir am meisten zu schaffen machte, waren diese hohen Schuhe und die Nebenwirkungen des Schlafmittels. Mein Schädel summte noch leicht und hin und wieder hatte ich das Gefühl, dass der Boden schwankte.
Laurent war natürlich immer gleich zur Stelle um mich festzuhalten. Dabei fuhr er mir immer einen Tick zu lang mit seinen rauen und schwieligen Händen über meine freigelegte Haut, als dass es noch auffällig wäre. Soviel zur Sicherheit vor einem kastrierten Vampir.
Irgendwann hatten wir dann eine breite Tür erreicht, auf der groß das Wort Kantine stand. Ich hielt unwillkürlich den Atem an, als Laurent die Türe öffnete und uns hineingeleitete. Was mochte uns dort drinnen erwarten? Wer mochte und dort drinnen erwarten?
Zögernd traten Alice und ich ein, versuchten so unauffällig wie möglich zu sein. Ich kam mir absurderweise vor, wie an einem ersten Tag in einer neuen Schule. Ich wollte nicht im Mittelpunkt stehen und als die Neue gelten. Was mal total krank war, hier wurde wahrscheinlich keiner schief angeguckt, weil er neu war. Eher musste ich mit mitleidigen Blicken rechnen, denn wir saßen ja alle im selben Boot!
Zu meinem Erstaunen waren es doch nicht so viele die hier in der Kantine saßen und in einer ungewöhnlichen Stille ihr Frühstück verspeisten. Keine Ahnung mit wie vielen ich gerechnet hatte, aber es waren genau 8 Leute. Mit mir und Alice wären das dann 10 Mann! Oder eher 9 Freuen und ein Mann. Er saß ganz am Ende eines kleinen Tisches, an dem 3 Stühle frei waren und hatte ein Schüssel Corneflakes vor sich stehen.
Das musste dann wohl dieser Jacob sein! Armer Kerl! Alleine unter Frauen in der Vampirhölle gelandet!
Die anderen sieben, teilweise noch recht junge, Mädchen saßen an 2 Tischen aufgeteilt und aßen in aller Seelenruhe ihr Frühstück. Keiner unterhielt sich oder machte auch nur eine Bewegung zu viel, was total unheimlich war, richtig gespenstisch. Es war wie in einem Zirkus, wo man die Tiere perfekt trainiert hatte nur das zu tun, was man von ihnen wollte. Gruselig!
Aber was noch gruseliger war, keiner schaute auf. Keiner beachtete uns. Als ob sie alle eine Gehirnwäsche bekommen hatten!
Doch bevor ich weiter darüber nachdenken konnte, packte Laurent mich an meinem, zum Glück, gesunden Arm und zog mich in einen kleinen, angrenzenden Nebenraum. Dieses hatte ich erst gar nicht gesehen. Dort war alles klinisch weiß und neben dem fast leeren Schreibtisch stand ein Stuhl, auf dem ich mich hinsetzten sollte. Was sollte das denn jetzt?
„Guten morgen Isabella! Schön dich wiederzusehen!“
Oh Gott! Der Psycho Doc, bitte nicht! Was wollte der denn hier? Im Speisesaal? Ich dachte wir dürften etwas Essen. Vor einer abartigen Untersuchung nebenan hatte mir keiner was gesagt!
„Guten morgen Aro! Isabella und Alice sind zu ihrer allmorgendlichen Untersuchung hier“
Allmorgendliche Untersuchung? DAS war doch jetzt ein Witz! Ich musste diese Erniedrigung jeden verdammten Morgen über mich ergehen lassen? Unbeholfen wand ich mich auf dem Stuhl und begann zu zittern, als mir die Erinnerung an die letzte Untersuchung wieder in den Sinn kam!
Was bitte hatte ich so schlimmes verbrochen, dass ich DAS hier erleben musste?
„Dann wollen wir einmal schaun, wie es deinem Körper heute so geht!“ kam es rau aus Aros Mund und mich schüttelte ein Schauer voller Unbehagen und Ekel. Konnte er wenigstens die Türe zu machen? Es mussten ja nicht gleich alle mit ansehen, was mit mir hier geschah! Wie man mich wieder betatschte und befummelte.
„Gib mir deinen Arm Isabella!“
Irritiert sah ich ihn an. Meinen Arm? Wozu?
„Damit ich dir Blut abnehmen kann!“
Blut abnehmen? Weswegen das denn? Ich dachte ich bin zum frühstücken hier, nicht das ich das Frühstück bin. Außerdem hatte er mir doch gestern erst Blut abgenommen.
„Isabella“, mischte sich Laurent dann ein, als er merkte, dass ich mich weigerte meinen Arm zu heben. „Wir nehmen jedem aus unserer kleinen Familie jeden Morgen etwas Blut ab, um zu überprüfen, was dem Körper gerade am meisten fehlt. Wir stimmen dann eure Ernährung darauf ab, damit ihr fit sein und euch wohl fühlt. Wir wollen doch nur euer Bestes!“
Ich musste mir ein hysterisches Lachen verkneifen! Unser Bestes! Aber natürlich! Aber nachdem ich merkte, ich hatte keine andere Wahl und das ich nicht weiter von diesem möchtegern Doc angefasst werden würde, hob ich langsam meinen Arm und ließ mir von Aro eine Spritze in meine Ader führen. Was man ihm allerdings lassen musste, es tat kein bisschen weh. Auch gestern war diese Aktion, total schmerzlos vergangen! Scheinbar konnte er doch was!
Nachdem die Spritze komplett mit meinem Blut gefüllt war, zog er sie wieder langsam aus meiner Armbeuge raus und presste mir einen feuchten Wattetupfer auf die Einstichstelle und ich hielt es krampfhast fest, presste es immer stärker gegen meinen Arm, vor lauter Angst diese Blutsauger würden über mich herfallen, wenn ich eine offene Wunde hatte. Die an meinem Knie war zwar mittlerweile getrocknet und unter einem Pflaster verschwunden, welches ich im Bad gefunden hatte, aber ich wollte mein Glück ja nicht überstrapazieren.
Aro nahm das Röhrchen und drehte sorgfältig die Nadel ab, die er in einer kleinen Box verstaut in den Mülleimer warf. Sehr vorbildlich. Dann schüttelte er das Röhrchen ein paar Mal hin und her. Seine dunkeln Augen waren wie dunkle Löcher, die eine bodenlose Tiefe hatten und vor lauter Vorfreude tanzten. Es lag etwas Irres in diesem Ausdruck!
Dann drehte er sich zu mir, sah mir tief in die Augen, so dass sich meine Haut im Nacken zusammenzog und trank mein Blut in einem Zug leer. Die Art, wie sich sein Kehlkopf beim Schlucken bewegte, sorgte für Übelkeit in mir. Der Hunger auf etwas Anständiges zu Essen, war mir spätestens bei diesem abartigen Anblick vergangen!
„Hmm, Isabella, du bist köstlich! Davon könnte ich glatt noch ein Schlückchen vertragen!“ kicherte Aro und der Schalck blitzte in seinem Gesicht auf.
„Vergiss es Aro, du weißt was der Boss gesagt hat!“ Laurents Stimme war scharf wie ein Schwert und Aro wich sofort zurück. Er zückte ein Blatt aus der Schreibtischschublade und notierte etwas darauf, dann händigte er es an Laurent aus.
„Sie braucht Magnesium. Sorge dafür, dass sie heute Käse und Fisch zu sich nimmt. Ebenso Hülsenfrüchte!“
Seit wann war Aro jetzt Ernährungsberater?
„Ok, Isabella, warte bitte draußen“, sagte Laurent zu mir. Dann drehte er sich zur offenen Tür und seine Stimme wurde etwas lauter. „Alice, du kannst jetzt reinkommen!“
Alice trat mit schreckgeweiteten Augen durch die Tür. Sie war leichenblass! Ich lächelte und nickte ihr zu, streifte sie kurz am Arm, als ich an ihr vorbeiging. Ich wollte ihr irgendwie verständlich machen, dass es nicht schlimm werden würde. So ein wenig Blut abzapfen hatte ja noch niemanden umgebracht. Hoffte ich zumindest, aber hier war mit Sicherheit alles möglich!
Zurück in der Kantine wartete ich neben der Tür und beobachtete die anderen. Und nun fiel mir auch auf, dass jeder etwas anderes vor sich auf dem Teller liegen hatte. Jeder hatte seine eigens, exakt auf ihn und seinen Körper zugeschnittene Mahlzeit, die er verspeiste.
Nachdem Alice auch mit ihrer morgendlichen Blutabnahme fertig war, bekam Laurent ihren Zettel von Aro in die Hand gedrückt und beide erschienen im Türrahmen. Alice sah mich an und rollte ihre Augen, so langsam gewann auch bei ihr die Trotzhaltung zu der absurden Art dieser Vampire. Während Laurent zur Essensbar ging und uns aufforderte hinterher zu kommen, beugte sich Alice leicht zu mir rüber.
„Ich habe Vitamin D Mangel! Wer hätte das gedacht!“
Laurent gab dem Koch, der hinter der Theke werkelte, unsere beiden Berichte von Aro und er zaubert uns in Rekordgeschwindigkeit ein Frühstück zusammen. Meins war sehr magnesiumhaltig, das von Alice war voller Vitamin D. Wenn die Umstände andere gewesen wären, hätte ich mich vielleicht über eine solche eine solche Fürsorge und umsichtiges Mitdenken gefreut und sogar begrüßt.
Aber wenn man bedenkt, dass dies alles unter dem Aspekt einer Blutbar und einem Bordell für Vampire stand, blieb doch ein sehr madiger Geschmack an dieser Sache. Laurent weiß uns an unsere Teller mit Essen und unser Getränk zu nehmen und schritt mit uns zu den Tischen.
Viele waren mit ihrem Frühstück fertig und verließen den Raum, nur noch 2 Mädchen mit dunkeln Haaren saßen an einem Tisch und aßen in einträchtiger Stille ihr, eigens auf sie zugeschnittenes Mahl.
„Jessica“, sagte Laurent dann, als er neben einem der beiden Mädchen stehen geblieben war. Das Mädchen zuckte kurz erschrocken zusammen, schaute aber nicht zu ihm auf. Sie hielt ihren Blick krampfhaft auf ihren Teller gesenkt.
“Der Boss möchte dich sehen!“
Jessica wurde augenblicklich kleiner in ihrem Stuhl, sie sank fast ganz unter den Tisch, so als wolle sie sich verstecken. Sie musste scheinbar zu Carlisle und es schien ihr gar nicht recht zu sein. Aber wem konnte man das verdenken? Ich würde auch nicht zu ihm wollen.
„Jetzt!“
Laurents Stimme war unnatürlich laut und donnerte durch den Raum, ließ die Fenster vibrieren. Jessica stieß einen schrillen Schrei des Erschreckens aus und sprang vom Tisch auf, schnappte sich ihren Teller und das Glas und brachte beides zur Theke zurück und verschwand dann mit gesenktem Kopf aus der Kantine.
„Lasst uns hier Platz nehmen!“
Laurent deutet auf einen vierer Tisch in der hintersten Ecke. Er setzte sich mit dem Rücken zur Wand, so dass er den ganzen Raum im Blick hatte. Schlauer Junge, dass musste man ihm glatt lassen!
„Meine beiden Hübschen, esst euer Frühstück auf, denn ihr habt Aro gehört! Euer Körper hat gewisse Mangelerscheinungen, die dringend behoben werden müssen.“
Wow, er hatte definitiv zu viel Zeit mit Esme verbracht!
Alice und ich begannen etwas zurückhaltend unser Essen zu uns zu nehmen, denn wer konnte schon sagen, was man uns diesmal rein gemischt hatte! Gestern Abend war es ein Schlafmittel, heute vielleicht ein Aufputschmittel oder gar Drogen! Aber zu meiner Überraschung musste ich gestehen, dass es verdammt lecker war. Und als ich den ersten Biss zu mir genommen hatte, war der Hunger vollkommen erwacht und ich aß alles auf, ließ nichts zurück.
„Ihr seid bestimmt neugierig, wie euer Tagesablauf aussehen wird, oder?“ Laurent sah uns beide mit einem durchdringenden Blick an, aber weder Alice noch ich antworteten ihm. Was hätten wir denn auch sagen sollen? Nein, wir wollen einfach nur hier raus? Lasst uns bitte gehen?
„Je nachdem welche Schicht ihr habt, steht ihr morgens zwischen 9Uhr und mittags 12Uhr auf. Dann macht ihr euch frisch und bedient euch an den Anziehsachen, die wir euch in eure Kleiderschränke gehangen haben. Danach kommt ihr her, lasst euch von Aro testen und bekommt euer Frühstück, was euch stärken wird, denn wir können keine schwachen Menschen brauchen. Nach eurem Essen fangt ihr dann entweder mit eurer Schicht oder eurem Training an. Der Plan wird von Carlisle, Esme, Aro und mir zusammen erstellt. Wir werden ein Auge auf euch haben und dafür sorgen, dass ihr in eurer Arbeit perfekt seid und weitergebildet werdet.“
Weitergebildet? Wie konnte man sich denn in einer Blutbar mit integriertem Bordell weiterbilden? Das Essen, was mir eben noch so lecker geschmeckt hatte, lag mir nun tonnenschwer im Magen, wenn ich mir vorstellte, was genau er mit dieser Erklärung meinen könnte.
„Was eure Aufgaben hier sein werden, werden wir euch erst nach eurer Einweisung sagen können. Wir müssen erstmal eure Qualitäten testen und sehen, welches Gebiet euch besser liegt. Ich habe mitbekommen, dass ihr beiden noch rein seid, also fällt eine Sparte in unserem Etablissement ja fürs erste flach. Aber diese Erfahrung werden wir nachholen und mit dem richtigen Training werdet ihr auch darin perfekt werden, keine Sorge meine 2 Hübschen!“
Hatte er jetzt etwa zugegeben, dass man uns vorsätzlich vergewaltigen wollte, damit wir uns danach prostituierten? Ich wusste es! Das bisschen Hoffnung, welches irgendwo ganz tief in mir gesessen hatte, dass es nicht so weit kommen würde, verschwand nun endgültig. Mir wurde einfach nur kalt. Von innen durchzog mich ein kühler Hauch, der mir meine Eingeweide zusammenzog.
„So, da ihr nun fertig seid, werden wir jetzt zum Boss gehen, der wird euch genauer unter die Lupe nehmen und sagen, wie eure Einarbeitung aussieht und wo ihr die nächsten Tage eingesetzt werdet.“
Alice wurde kreidebleich und sah so aus, wie ich mich fühlte. Der Gedanke daran, zu diesem Widerling zu müssen, schnürte mir die Kehle zusammen und machte mir das Atmen schwer. Beim letzten Mal hatte ich Glück im Unglück gehabt, als mit dieser Perverse James davor bewahrt hatte, diesem Kerl einen blasen zu müssen. War das etwa die Einweisung die wir heute kriegen würden?
Laurent erhob sich und deutete uns an, unsere leeren Teller und Gläser zu nehmen und ihm zu folgen. Nachdem wir das dreckige Geschirr an der Theke abgegeben hatte, liefen wir erneut durch die labyrinthartigen Gänge des Bloody Bite. Ob ich mich hier je mals zu Recht finden würde? Ich sollte es, wenn ich hier jemals fliehen wollte!
Nach einer kleinen Ewigkeit, die mir allerdings viel zu schnell vergangen war, standen wir vor Carlisle Büro. Keiner von uns hatte den Weg über auch nur ein Wort gesagt, Alice und ich waren viel zu angespannt. Laurent klopfte und öffnete die Tür nach 2 Sekunden, ohne eine Antwort abzuwarten.
Und was ich sah, ließ mir das Blut in den Adern gefrieren!
Carlisle stand mit heruntergelassener Hose über dieser Jessica gebückt, die Laurent eben noch zu ihm geschickt hatte. In seiner Hand hielt er den Gürtel und prügelte ohne Unterlass auf sie ein. Immer wieder sauste das Leder durch die Luft und schlug auf ihren zitternden Körper herab.
„Hast du mich verstanden?“ brüllte er dann, ohne uns auch nur die geringste Beachtung zu schenken. Jessica lag schluchzend auf dem Boden, unfähig zu antworten. Dies gefiel Carlisle überhaupt nicht, denn nun trat er mit dem Fuß mehrmals in ihren Bauch. Ich wollte das alles nicht sehen, aber ich war wie erstarrt, konnte meine Augen nicht abwenden.
„Antworte mir gefälligst, wenn ich dich etwas frage!“
„Iiiicchhh haaabe…. Verstanden!“ kam es leise und abgehackt von Jessica.
Carlisle ließ nun von ihr los und zog sich die Hose wieder hoch, verstaute seinen noch halb erigierten Schwanz darin und schloss sie. „Wenn mir nochmal solche Klagen zu Ohr kommen, dann lernst du mich kennen“, sagte er in aller Seelenruhe, als er den Gürtel wieder durch die Gürtelschlaufen zog.
Dann drehte er sich zu Laurent „Sie braucht dringend ein Training. Buche Raum 2 und sag James, er soll sich den Nachmittag über um sie kümmern. Ihre oralen Fähigkeiten haben extrem nachgelassen und sind eine Beleidigung für jeden Mann!“ Laurent nickte nur „Aber natürlich Boss!“
Jessica, die immer noch auf dem Boden lag gab keinen Mux mehr von sich, scheinbar hatte Carlisles Ankündigung sie in eine Art Schockzustand versetzt. Laurent ging zu ihr, hob sie hoch und trug sie aus dem Raum. Nun waren wir mit dem Teufel höchstpersönlich alleine!
„Alice, Isabella, schön dass ihr da seid, wir drei haben ein paar wichtige Dinge zu klären!“ sagt er mit einem diabolischen Ausdruck in seinen eisigkalten Augen.
„Guten morgen meine beiden Schönen“, begrüßte uns unser ‚Schutzengel‘ mit einem breiten Grinsen, was seine Fänge aufblitzen ließ. Kastriert mochte er ja sein, das hieß aber noch lange nicht, dass er sich an meiner Halsader vergreifen würde. Hier traute ich jedem alles zu und das Wort Moral hatte hier sowieso nicht viel Bedeutung.
Er betrachtete uns mit einem prüfenden und durchdringenden Blick, welcher mir einen eiskalten Schauer über den Rücken jagte und ich wünschte mir, ich hätte meine Yogahose und mein Schlabbershirt hier, in dem ich mich verstecken konnte. Aber leider gab es hier nur Kleidung in Kindergrößen. Sie waren einfach viel zu klein und viel zu eng!
Ich hatte mich in die einzige Hose gequetscht, die ich in ‚meinem Kleiderschrank‘ finden konnte, aber diese saß so tief auf meinen Hüften, dass es mich nicht wundern würde, wenn mein Hinter halb raushängen würde. Gehen konnte ich auch nicht wirklich darin, da sie mir bei jedem Schritt die Luft abschnürte.
Und das T-Shirt war auch nicht wirklich besser! Es zeigte irgendwie mehr, als das es verdeckte. Das T-Shirt, oder sollte ich eher Bustier sagen, endete oberhalb meines Bauchnabels und meine Brust malte sich perfekt ab, was diesen Blutsaugern bestimmt sehr gefiel. Ich zog die ganze Zeit am Saum in der Hoffnung, dass ich es etwas ausleiern konnte, damit es mir wenigstens bis über den Bauch zur Hüfte reichte, aber es nützte einfach nix. Solange ich auch zog und zerrte es war vergebene Liebesmüh.
Ich würde mir definitiv eine Nierenentzündung holen.
Alice neben mir sah auch nicht glücklicher aus, auch sie zog die ganze Zeit an ihrem Top in der Hoffnung, dass es mehr von ihrer zarten Haut verdecken würde. Aber sie scheiterte genauso wie ich es tat.
„Also, ihr seid doch bestimmt hungrig, oder? Wir gehen jetzt zusammen in den Speisesaal, dort werdet ihr etwas Leckeres bekommen und die anderen kurz kennenlernen!“
Anderen? Wie viele Andere es wohl gab? Ich hatte einige Namen ja bereits an den einzelnen Türen gelesen, aber das half mir leider nicht, mir eine genaue Vorstellung zu geben, wie viele Leute sie hier wohl gefangen hielten und für ihre barbarischen Gelüste quälten und ausbeuteten und aussaugten.
„Ich habe eigentlich gar keinen Hunger“, sagte Alice leise, aber ihr knurrender Magen, der just in dem Moment loslegte, strafte sie Lügen. Verlegen sah sie zu Boden. Ich konnte sie verdammt gut verstehen, mir ging es genauso!
„Du musste nicht nervös sein, sie werden dich schon alle mögen!“
Damit schob uns Laurent aus meinem Zimmer auf den Flur und schloss die Türe hinter sich ab. Er führte uns durch dieses Labyrinth aus Fluren und Gängen in dem ich es schon gestern aufgegeben hatte, mich je orientieren zu können. Aber was mir am meisten zu schaffen machte, waren diese hohen Schuhe und die Nebenwirkungen des Schlafmittels. Mein Schädel summte noch leicht und hin und wieder hatte ich das Gefühl, dass der Boden schwankte.
Laurent war natürlich immer gleich zur Stelle um mich festzuhalten. Dabei fuhr er mir immer einen Tick zu lang mit seinen rauen und schwieligen Händen über meine freigelegte Haut, als dass es noch auffällig wäre. Soviel zur Sicherheit vor einem kastrierten Vampir.
Irgendwann hatten wir dann eine breite Tür erreicht, auf der groß das Wort Kantine stand. Ich hielt unwillkürlich den Atem an, als Laurent die Türe öffnete und uns hineingeleitete. Was mochte uns dort drinnen erwarten? Wer mochte und dort drinnen erwarten?
Zögernd traten Alice und ich ein, versuchten so unauffällig wie möglich zu sein. Ich kam mir absurderweise vor, wie an einem ersten Tag in einer neuen Schule. Ich wollte nicht im Mittelpunkt stehen und als die Neue gelten. Was mal total krank war, hier wurde wahrscheinlich keiner schief angeguckt, weil er neu war. Eher musste ich mit mitleidigen Blicken rechnen, denn wir saßen ja alle im selben Boot!
Zu meinem Erstaunen waren es doch nicht so viele die hier in der Kantine saßen und in einer ungewöhnlichen Stille ihr Frühstück verspeisten. Keine Ahnung mit wie vielen ich gerechnet hatte, aber es waren genau 8 Leute. Mit mir und Alice wären das dann 10 Mann! Oder eher 9 Freuen und ein Mann. Er saß ganz am Ende eines kleinen Tisches, an dem 3 Stühle frei waren und hatte ein Schüssel Corneflakes vor sich stehen.
Das musste dann wohl dieser Jacob sein! Armer Kerl! Alleine unter Frauen in der Vampirhölle gelandet!
Die anderen sieben, teilweise noch recht junge, Mädchen saßen an 2 Tischen aufgeteilt und aßen in aller Seelenruhe ihr Frühstück. Keiner unterhielt sich oder machte auch nur eine Bewegung zu viel, was total unheimlich war, richtig gespenstisch. Es war wie in einem Zirkus, wo man die Tiere perfekt trainiert hatte nur das zu tun, was man von ihnen wollte. Gruselig!
Aber was noch gruseliger war, keiner schaute auf. Keiner beachtete uns. Als ob sie alle eine Gehirnwäsche bekommen hatten!
Doch bevor ich weiter darüber nachdenken konnte, packte Laurent mich an meinem, zum Glück, gesunden Arm und zog mich in einen kleinen, angrenzenden Nebenraum. Dieses hatte ich erst gar nicht gesehen. Dort war alles klinisch weiß und neben dem fast leeren Schreibtisch stand ein Stuhl, auf dem ich mich hinsetzten sollte. Was sollte das denn jetzt?
„Guten morgen Isabella! Schön dich wiederzusehen!“
Oh Gott! Der Psycho Doc, bitte nicht! Was wollte der denn hier? Im Speisesaal? Ich dachte wir dürften etwas Essen. Vor einer abartigen Untersuchung nebenan hatte mir keiner was gesagt!
„Guten morgen Aro! Isabella und Alice sind zu ihrer allmorgendlichen Untersuchung hier“
Allmorgendliche Untersuchung? DAS war doch jetzt ein Witz! Ich musste diese Erniedrigung jeden verdammten Morgen über mich ergehen lassen? Unbeholfen wand ich mich auf dem Stuhl und begann zu zittern, als mir die Erinnerung an die letzte Untersuchung wieder in den Sinn kam!
Was bitte hatte ich so schlimmes verbrochen, dass ich DAS hier erleben musste?
„Dann wollen wir einmal schaun, wie es deinem Körper heute so geht!“ kam es rau aus Aros Mund und mich schüttelte ein Schauer voller Unbehagen und Ekel. Konnte er wenigstens die Türe zu machen? Es mussten ja nicht gleich alle mit ansehen, was mit mir hier geschah! Wie man mich wieder betatschte und befummelte.
„Gib mir deinen Arm Isabella!“
Irritiert sah ich ihn an. Meinen Arm? Wozu?
„Damit ich dir Blut abnehmen kann!“
Blut abnehmen? Weswegen das denn? Ich dachte ich bin zum frühstücken hier, nicht das ich das Frühstück bin. Außerdem hatte er mir doch gestern erst Blut abgenommen.
„Isabella“, mischte sich Laurent dann ein, als er merkte, dass ich mich weigerte meinen Arm zu heben. „Wir nehmen jedem aus unserer kleinen Familie jeden Morgen etwas Blut ab, um zu überprüfen, was dem Körper gerade am meisten fehlt. Wir stimmen dann eure Ernährung darauf ab, damit ihr fit sein und euch wohl fühlt. Wir wollen doch nur euer Bestes!“
Ich musste mir ein hysterisches Lachen verkneifen! Unser Bestes! Aber natürlich! Aber nachdem ich merkte, ich hatte keine andere Wahl und das ich nicht weiter von diesem möchtegern Doc angefasst werden würde, hob ich langsam meinen Arm und ließ mir von Aro eine Spritze in meine Ader führen. Was man ihm allerdings lassen musste, es tat kein bisschen weh. Auch gestern war diese Aktion, total schmerzlos vergangen! Scheinbar konnte er doch was!
Nachdem die Spritze komplett mit meinem Blut gefüllt war, zog er sie wieder langsam aus meiner Armbeuge raus und presste mir einen feuchten Wattetupfer auf die Einstichstelle und ich hielt es krampfhast fest, presste es immer stärker gegen meinen Arm, vor lauter Angst diese Blutsauger würden über mich herfallen, wenn ich eine offene Wunde hatte. Die an meinem Knie war zwar mittlerweile getrocknet und unter einem Pflaster verschwunden, welches ich im Bad gefunden hatte, aber ich wollte mein Glück ja nicht überstrapazieren.
Aro nahm das Röhrchen und drehte sorgfältig die Nadel ab, die er in einer kleinen Box verstaut in den Mülleimer warf. Sehr vorbildlich. Dann schüttelte er das Röhrchen ein paar Mal hin und her. Seine dunkeln Augen waren wie dunkle Löcher, die eine bodenlose Tiefe hatten und vor lauter Vorfreude tanzten. Es lag etwas Irres in diesem Ausdruck!
Dann drehte er sich zu mir, sah mir tief in die Augen, so dass sich meine Haut im Nacken zusammenzog und trank mein Blut in einem Zug leer. Die Art, wie sich sein Kehlkopf beim Schlucken bewegte, sorgte für Übelkeit in mir. Der Hunger auf etwas Anständiges zu Essen, war mir spätestens bei diesem abartigen Anblick vergangen!
„Hmm, Isabella, du bist köstlich! Davon könnte ich glatt noch ein Schlückchen vertragen!“ kicherte Aro und der Schalck blitzte in seinem Gesicht auf.
„Vergiss es Aro, du weißt was der Boss gesagt hat!“ Laurents Stimme war scharf wie ein Schwert und Aro wich sofort zurück. Er zückte ein Blatt aus der Schreibtischschublade und notierte etwas darauf, dann händigte er es an Laurent aus.
„Sie braucht Magnesium. Sorge dafür, dass sie heute Käse und Fisch zu sich nimmt. Ebenso Hülsenfrüchte!“
Seit wann war Aro jetzt Ernährungsberater?
„Ok, Isabella, warte bitte draußen“, sagte Laurent zu mir. Dann drehte er sich zur offenen Tür und seine Stimme wurde etwas lauter. „Alice, du kannst jetzt reinkommen!“
Alice trat mit schreckgeweiteten Augen durch die Tür. Sie war leichenblass! Ich lächelte und nickte ihr zu, streifte sie kurz am Arm, als ich an ihr vorbeiging. Ich wollte ihr irgendwie verständlich machen, dass es nicht schlimm werden würde. So ein wenig Blut abzapfen hatte ja noch niemanden umgebracht. Hoffte ich zumindest, aber hier war mit Sicherheit alles möglich!
Zurück in der Kantine wartete ich neben der Tür und beobachtete die anderen. Und nun fiel mir auch auf, dass jeder etwas anderes vor sich auf dem Teller liegen hatte. Jeder hatte seine eigens, exakt auf ihn und seinen Körper zugeschnittene Mahlzeit, die er verspeiste.
Nachdem Alice auch mit ihrer morgendlichen Blutabnahme fertig war, bekam Laurent ihren Zettel von Aro in die Hand gedrückt und beide erschienen im Türrahmen. Alice sah mich an und rollte ihre Augen, so langsam gewann auch bei ihr die Trotzhaltung zu der absurden Art dieser Vampire. Während Laurent zur Essensbar ging und uns aufforderte hinterher zu kommen, beugte sich Alice leicht zu mir rüber.
„Ich habe Vitamin D Mangel! Wer hätte das gedacht!“
Laurent gab dem Koch, der hinter der Theke werkelte, unsere beiden Berichte von Aro und er zaubert uns in Rekordgeschwindigkeit ein Frühstück zusammen. Meins war sehr magnesiumhaltig, das von Alice war voller Vitamin D. Wenn die Umstände andere gewesen wären, hätte ich mich vielleicht über eine solche eine solche Fürsorge und umsichtiges Mitdenken gefreut und sogar begrüßt.
Aber wenn man bedenkt, dass dies alles unter dem Aspekt einer Blutbar und einem Bordell für Vampire stand, blieb doch ein sehr madiger Geschmack an dieser Sache. Laurent weiß uns an unsere Teller mit Essen und unser Getränk zu nehmen und schritt mit uns zu den Tischen.
Viele waren mit ihrem Frühstück fertig und verließen den Raum, nur noch 2 Mädchen mit dunkeln Haaren saßen an einem Tisch und aßen in einträchtiger Stille ihr, eigens auf sie zugeschnittenes Mahl.
„Jessica“, sagte Laurent dann, als er neben einem der beiden Mädchen stehen geblieben war. Das Mädchen zuckte kurz erschrocken zusammen, schaute aber nicht zu ihm auf. Sie hielt ihren Blick krampfhaft auf ihren Teller gesenkt.
“Der Boss möchte dich sehen!“
Jessica wurde augenblicklich kleiner in ihrem Stuhl, sie sank fast ganz unter den Tisch, so als wolle sie sich verstecken. Sie musste scheinbar zu Carlisle und es schien ihr gar nicht recht zu sein. Aber wem konnte man das verdenken? Ich würde auch nicht zu ihm wollen.
„Jetzt!“
Laurents Stimme war unnatürlich laut und donnerte durch den Raum, ließ die Fenster vibrieren. Jessica stieß einen schrillen Schrei des Erschreckens aus und sprang vom Tisch auf, schnappte sich ihren Teller und das Glas und brachte beides zur Theke zurück und verschwand dann mit gesenktem Kopf aus der Kantine.
„Lasst uns hier Platz nehmen!“
Laurent deutet auf einen vierer Tisch in der hintersten Ecke. Er setzte sich mit dem Rücken zur Wand, so dass er den ganzen Raum im Blick hatte. Schlauer Junge, dass musste man ihm glatt lassen!
„Meine beiden Hübschen, esst euer Frühstück auf, denn ihr habt Aro gehört! Euer Körper hat gewisse Mangelerscheinungen, die dringend behoben werden müssen.“
Wow, er hatte definitiv zu viel Zeit mit Esme verbracht!
Alice und ich begannen etwas zurückhaltend unser Essen zu uns zu nehmen, denn wer konnte schon sagen, was man uns diesmal rein gemischt hatte! Gestern Abend war es ein Schlafmittel, heute vielleicht ein Aufputschmittel oder gar Drogen! Aber zu meiner Überraschung musste ich gestehen, dass es verdammt lecker war. Und als ich den ersten Biss zu mir genommen hatte, war der Hunger vollkommen erwacht und ich aß alles auf, ließ nichts zurück.
„Ihr seid bestimmt neugierig, wie euer Tagesablauf aussehen wird, oder?“ Laurent sah uns beide mit einem durchdringenden Blick an, aber weder Alice noch ich antworteten ihm. Was hätten wir denn auch sagen sollen? Nein, wir wollen einfach nur hier raus? Lasst uns bitte gehen?
„Je nachdem welche Schicht ihr habt, steht ihr morgens zwischen 9Uhr und mittags 12Uhr auf. Dann macht ihr euch frisch und bedient euch an den Anziehsachen, die wir euch in eure Kleiderschränke gehangen haben. Danach kommt ihr her, lasst euch von Aro testen und bekommt euer Frühstück, was euch stärken wird, denn wir können keine schwachen Menschen brauchen. Nach eurem Essen fangt ihr dann entweder mit eurer Schicht oder eurem Training an. Der Plan wird von Carlisle, Esme, Aro und mir zusammen erstellt. Wir werden ein Auge auf euch haben und dafür sorgen, dass ihr in eurer Arbeit perfekt seid und weitergebildet werdet.“
Weitergebildet? Wie konnte man sich denn in einer Blutbar mit integriertem Bordell weiterbilden? Das Essen, was mir eben noch so lecker geschmeckt hatte, lag mir nun tonnenschwer im Magen, wenn ich mir vorstellte, was genau er mit dieser Erklärung meinen könnte.
„Was eure Aufgaben hier sein werden, werden wir euch erst nach eurer Einweisung sagen können. Wir müssen erstmal eure Qualitäten testen und sehen, welches Gebiet euch besser liegt. Ich habe mitbekommen, dass ihr beiden noch rein seid, also fällt eine Sparte in unserem Etablissement ja fürs erste flach. Aber diese Erfahrung werden wir nachholen und mit dem richtigen Training werdet ihr auch darin perfekt werden, keine Sorge meine 2 Hübschen!“
Hatte er jetzt etwa zugegeben, dass man uns vorsätzlich vergewaltigen wollte, damit wir uns danach prostituierten? Ich wusste es! Das bisschen Hoffnung, welches irgendwo ganz tief in mir gesessen hatte, dass es nicht so weit kommen würde, verschwand nun endgültig. Mir wurde einfach nur kalt. Von innen durchzog mich ein kühler Hauch, der mir meine Eingeweide zusammenzog.
„So, da ihr nun fertig seid, werden wir jetzt zum Boss gehen, der wird euch genauer unter die Lupe nehmen und sagen, wie eure Einarbeitung aussieht und wo ihr die nächsten Tage eingesetzt werdet.“
Alice wurde kreidebleich und sah so aus, wie ich mich fühlte. Der Gedanke daran, zu diesem Widerling zu müssen, schnürte mir die Kehle zusammen und machte mir das Atmen schwer. Beim letzten Mal hatte ich Glück im Unglück gehabt, als mit dieser Perverse James davor bewahrt hatte, diesem Kerl einen blasen zu müssen. War das etwa die Einweisung die wir heute kriegen würden?
Laurent erhob sich und deutete uns an, unsere leeren Teller und Gläser zu nehmen und ihm zu folgen. Nachdem wir das dreckige Geschirr an der Theke abgegeben hatte, liefen wir erneut durch die labyrinthartigen Gänge des Bloody Bite. Ob ich mich hier je mals zu Recht finden würde? Ich sollte es, wenn ich hier jemals fliehen wollte!
Nach einer kleinen Ewigkeit, die mir allerdings viel zu schnell vergangen war, standen wir vor Carlisle Büro. Keiner von uns hatte den Weg über auch nur ein Wort gesagt, Alice und ich waren viel zu angespannt. Laurent klopfte und öffnete die Tür nach 2 Sekunden, ohne eine Antwort abzuwarten.
Und was ich sah, ließ mir das Blut in den Adern gefrieren!
Carlisle stand mit heruntergelassener Hose über dieser Jessica gebückt, die Laurent eben noch zu ihm geschickt hatte. In seiner Hand hielt er den Gürtel und prügelte ohne Unterlass auf sie ein. Immer wieder sauste das Leder durch die Luft und schlug auf ihren zitternden Körper herab.
„Hast du mich verstanden?“ brüllte er dann, ohne uns auch nur die geringste Beachtung zu schenken. Jessica lag schluchzend auf dem Boden, unfähig zu antworten. Dies gefiel Carlisle überhaupt nicht, denn nun trat er mit dem Fuß mehrmals in ihren Bauch. Ich wollte das alles nicht sehen, aber ich war wie erstarrt, konnte meine Augen nicht abwenden.
„Antworte mir gefälligst, wenn ich dich etwas frage!“
„Iiiicchhh haaabe…. Verstanden!“ kam es leise und abgehackt von Jessica.
Carlisle ließ nun von ihr los und zog sich die Hose wieder hoch, verstaute seinen noch halb erigierten Schwanz darin und schloss sie. „Wenn mir nochmal solche Klagen zu Ohr kommen, dann lernst du mich kennen“, sagte er in aller Seelenruhe, als er den Gürtel wieder durch die Gürtelschlaufen zog.
Dann drehte er sich zu Laurent „Sie braucht dringend ein Training. Buche Raum 2 und sag James, er soll sich den Nachmittag über um sie kümmern. Ihre oralen Fähigkeiten haben extrem nachgelassen und sind eine Beleidigung für jeden Mann!“ Laurent nickte nur „Aber natürlich Boss!“
Jessica, die immer noch auf dem Boden lag gab keinen Mux mehr von sich, scheinbar hatte Carlisles Ankündigung sie in eine Art Schockzustand versetzt. Laurent ging zu ihr, hob sie hoch und trug sie aus dem Raum. Nun waren wir mit dem Teufel höchstpersönlich alleine!
„Alice, Isabella, schön dass ihr da seid, wir drei haben ein paar wichtige Dinge zu klären!“ sagt er mit einem diabolischen Ausdruck in seinen eisigkalten Augen.
Freitag, 5. März 2010
Kapitel 8
Bella PoV
Dann, wieder in einer unmenschlichen Schnelligkeit, stand er bei Alice und hatte ihr ihren Kopf an den kurzen Haaren nach hinten gerissen. Ein Schrei blieb mir im Hals stecken, als er ihr genüsslich über die Hauptschlagader leckte. Und dann, war er auch schon wieder verschwunden und wir waren alleine in meinem Zimmer.
Verdammt, was war das denn schon wieder? Alice blickte ängstlich zur Tür, durch die Jasper gerade verschwunden war. „Bella, dieser Typ macht mir echt Angst! Was will der nur von mir?" Langsam fuhr sie mit der Hand über ihren Hals, über die Stelle die eben Bekanntschaft mit Jaspers Zunge gemacht hatte und verharrte so. „Ich mein’ wenn er nicht so beängstigend wäre fände ich ihn total süß! Aber irgendwie hat er was Psychopathisches an sich, echt zum Gruseln! Und was sollte diese Bemerkung über seinen Bruder?"
Ich zuckte mit den Schultern. „Alice, keine Ahnung und ehrlich gesagt will ich es auch gar nicht wissen!"
Wir machten uns über unser Essen her, es schmeckte erstaunlicherweise köstlich und während wir aßen, merkten wir wie ausgehungert wir doch waren. Wann hatte ich eigentlich das letzte Mal was gegessen? Vor 10 Jahren? Schnell war alles verputzt und eine bleierne Müdigkeit überfiel mich fast augenblicklich, Alice ging es wohl nicht anderes denn sie stand auf und taumelte zum Bad aber an der Tür hielt sie inne und drehte sich zu mir um.
„Bella, ich…äh also…würde es dir was ausmachen wenn ich bei dir bleibe? Ich möchte nicht alleine schlafen!"
Ich rückte schwankend rüber zur Wand um ihr Platz in meinem Bett zu machen.
„Klar, Süße, kein Problem! Ich will auch nicht alleine bleiben!" gab ich zu. Der Gedanke ängstigte mich.
Sie tapste zu mir rüber, legte sich neben mich und wir beide kuschelten uns aneinander. Es war unglaublich, in der kurzen Zeit die wir zusammen verbracht hatten, war mir Alice schon richtig ans Herz gewachsen. Sie war so ein liebes Mädchen und hatte es bei Leibe nicht verdient, in so eine Hölle geworfen zu werden!
Und ich, ehrlich gesagt auch nicht.
Ok mein Leben war vor dieser Farce hier auch kein Zuckerschlecken, aber immerhin hatte ich mir immer das wichtigste für mich bewahrt, meine Freiheit! Immer, soweit ich denken konnte, auch dann noch als meine Eltern lebten, hatte ich meine Freiheit. Und jetzt war mir auch noch diese genommen worden! Ich war eine Gefangene, eine Sklavin!
Ich hatte nichts mehr, ich war leer, nur dieses zerbrechliches kleine Wesen neben mir lies mich durchhalten. Wir mussten hier raus, um jeden Preis! Und noch einmal ließ ich meine übermüdeten Augen durch „mein" Zimmer schweifen, immer auf der Suche nach einer Fluchtmöglichkeit. Wir konnten noch nicht mal hinaus in den Flur, denn in weiser Voraussicht hatte dieser Jasper das Zimmer abgeschlossen.
Meine Augen brannten mittlerweile wie Feuer und ich merkte wie ich in den Schlaf hinüberglitt, aber irgendwas war falsch, ganz und gar falsch! Ich konnte es nicht aufhalten, ich kämpfte dagegen an, das war keine normale Müdigkeit, das war…was anderes. Panisch versuchte ich Alice aufzuwecken.
„Alice, Alice Süße! Wach auf! Hier stimmt was nicht, ich glaube die haben uns irgendwas ins Essen gemischt! Ich fühl mich so komisch!"
Aber sie rührte sich nicht, sie war schon fest am schlafen und keine zehn Pferde würden sie jetzt wach bekommen. Mein Magen verknotete sich und mir brach der Schweiß aus, was sollte ich jetzt tun? Wir wären komplett ausgeliefert! Mit letzter Kraft versuchte ich aus dem Bett zu kommen und schaffte es mit Ach und Krach.
Was war hier nur los? Warum taten sie uns das an!?
Meine Beine fühlten sich wie Wackelpudding an, mein Schädel drohte zu explodieren als ich versuchte zur Tür zu kommen, doch das Mittel war stärker als ich und meine Beine knickten mir einfach unter meinem Körper weg. Hart schlug ich auf den Teppichboden auf, ehe mich wieder diese schon vertraute Schwärze umfing.
„Isabella….Isabella…" von irgendwo her hörte ich diese wunderbare, seltsame Stimme die meinen Namen rief, doch ich konnte nichts sehen, mein Geist war im Nebel gefangen. Verbissen bemühte ich mich ihn abzuschütteln, aber je mehr ich kämpfte desto mehr schien mich der Nebel einzulullen. Doch diese Stimme lies mich nicht los, sie schien ganz nah zu sein.
„Isabella….wach auf, du musst aufwachen!"
Es war die Stimme eines Engels, ganz eindeutig. Genauso musste es sein, so einen wundervollen Klang konnte keine menschliche Stimme erzeugen. So rein und melodisch und doch eindeutig männlich. Ich wünschte der Engel, nein, mein Engel würde noch einmal zu mir sprechen, noch einmal wollte ich diesen süßen, himmlisch männlichen Klang hören.
„Isabella…wenn du nicht aufwachst sehe ich mich gezwungen Aro zu konsultieren!" verkündete dieses wunderbare Wesen und, bitte, DAS wirkte wie ein Eimer eiskaltes Wasser auf meinen vernebelten Verstand und ich schlug in blanker Panik die Augen auf.
Nein! Nicht der perverse Psychodoc!
Das erste was ich sah war das gleißende Licht einer Zimmerdecke, die mich so stark blendete, dass ich die Augen direkt wieder zukniff. Als ich einen zweiten Versuch wagte, war ich so schlau und blickte etwas tiefer, nicht direkt wieder in die verflixte Lampe.
Endlich registrierte mein Verstand, dass jemand neben mir auf dem Bett saß. Moment mal! Wie komme ich in ein Bett? Und das schlimmste: Es war nicht mein Bett. Ängstlich blickte ich auf die Person die auf der Bettkante saß. Er war doch tatsächlich dieser unheimlich schöne Typ von gestern Abend, der, mit diesen wunderbaren grünen Augen. Und jetzt, wo er mir so nah war, sah er noch tausendmal besser aus. Überirdisch! Er hatte ein schwarzes Hemd und Jeans an, die obersten Knöpfe des Hemdes waren nicht zugeknöpft und offenbarten eine makellose, haarlose Brust, die wie aus Alabaster gemeißelt wirkte. Seine bronzefarbenen Haare standen verwuschelter den je von seinem Kopf ab und es glitzerten kleine Wassertröpfchen darin, als hätte er gerade geduscht.
Göttlich!
Unwillkürlich entfuhr mir ein Schmachtseufzer, er war einfach perfekt. Verdammt, was dachte ich mir nur? Ich wusste gar nicht wie dieser Typ drauf war, geschweige denn warum er mich aus meinem Zimmer „entführt" hatte und was er jetzt mit mir vorhatte…
Er lächelte mich an und es war das gleiche „Raubtierlachen" welches auch Jasper drauf hatte. War das etwas sein Bruder? Seine Stimme war wunderbar, genauso wie ich sie im Nebel vernommen hatte. Samtweich, tief und süß: „Da bist du ja wieder, Isabella! Du hast mich ganz schön erschreckt! Weißt du das?"
Er fuhr mir mit den Fingerspitzen über die Wange und weiter in Richtung Hals. Über meiner Halsschlagader machte er schließlich halt und blickte mir tief in die Augen. Ich fühlte mich wie gelähmt, wie das Kaninchen das in die hypnotisierenden Augen einer Schlange blickte. Er beugte seinen Oberkörper vor und kam näher.
Ich hielt ganz still, ich konnte mich nicht entscheiden ob ich schreien und versuchen sollte wegzulaufen, oder ob ich mich hinlegen, die Arme öffnen und einfach schreien sollte: „Nimm mich!"
Doch mir blieb keine Zeit zum überlegen, während mein Verstand noch mit meiner Libido kämpfte kam sein Mund immer näher an mein Gesicht und berührte schließlich meine Schläfe und in meinem Körper breitete sich fast augenblicklich eine angenehme, wohlige Wärme aus. Er wanderte mit kleinen, feuchten Küssen mein Gesicht hinunter und knabberte schließlich an meinem Ohrläppchen. Gott, es fühlte sich so gut an, so voller Leidenschaft.
„Bella…oh Bella, das ist es! Ich will dich so sehr, dass es schmerzt!" hauchte dieser Wahnsinnstyp mir ins Ohr, schlagartig bekam mich eine gewaltige Gänsehaut!
Was wollte er so unbedingt? Mein Blut? Mein Leben oder meinen Körper?
Das war doch verrückt so was passiert doch nicht einfach so! Und dennoch spürte ich seinen samtenen Mund ganz deutlich an meinem Hals. Ich wollte gerade etwas sagen aber da packte er mich plötzlich an meinen Haaren und bog meinen Kopf zurück, genauso wie Jasper es heute bei Alice gemacht hatte.
Ich stöhnte vor Schmerz auf. "Das ist erst der Anfang, Liebes!" verkündete er unheilvoll und entblößte zwei lange scharfe und sehr spitze Fangzähne. Ehe ich reagieren, ja nur annähernd einen Gedanken fassen konnte, vergrub er diese in meiner Halsschlagader und ein scharfer Schmerz durchfuhr mich sogleich und lähmte mich.
„Bella, Bella! Hör auf zu schreien und wach auf!" hörte ich Alice’ Stimme ganz nah bei mir und schnell schlug ich die Augen auf. Wir waren in meinem Zimmer und ich lag auf dem Boden, Alice saß neben mir und hatte meine Schultern gepackt. Sie rüttelte an mir.
Verwirrt schüttelte ich den Kopf „Alice, was ist passiert? Wwo…ist der Engel hin?"
Jetzt war es an Alice verwirrt zu schauen. „Welcher Engel denn Bella? Hier war kein Engel, hier war niemand. Ich habe dich auf dem Boden liegend gefunden. Du musst gestürzt sein, du hast nämlich eine Schramme am Knie."
Sie deutete auf mein rechtes Bein und tatsächlich war das Knie aufgeschlagen und ein dünnes Rinnsal Blut sickerte fröhlich mein Knie herunter. Also hatte ich das alles nur geträumt? Das mit Mr. düster und sexy? Zum Teil war ich erleichtert und zum Teil aber auch enttäuscht. Denn das Kribbeln welches ich tief in mir gespürt hatte, hatte sich so lebendig angefühlt.
„Oh Bella, ich habe geschlafen wie eine Tote, normalerweise habe ich einen ganz leichten Schlaf und wache bei jeder Kleinigkeit auf, aber ich habe überhaupt nichts mitbekommen. Gar nichts! Komisch , oder? Ob es an dem krassen Tag gestern lag? Ich hab echt Angst, irgendwas stimmt doch nicht!"
Also hatte ich den Teil mit dem Schlafmittel nicht geträumt, dieser Teil war durchaus real.
Ich rappelte mich hoch „Ich glaube sie haben uns gestern Abend Schlafmittel ins Essen gemischt! Damit wir nicht versuchen abzuhauen." Schnaubend machte ich eine ausholende Geste die den Raum umfassen sollte. „Also ob wir aus dieser Festung fliehen könnten! Die haben bestimmt noch jede Menge Security um das Gelände hier. Verdammt noch mal, wir wissen rein gar nichts! Noch nicht mal in welchen Bundesstaat wir sind!"
Just hatte ich den Satz beendet als auch schon die Tür aufgeschlossen wurde und Esme den Raum betrat, tadellos und perfekt gekleidet wie schon am Vortag. „Guten Morgen ihr Lieben! Wie habt ihr geschlafen? Ich nehme an tief und fest, wie Babys!"
Ich konnte nicht mehr an mich halten und geigte dieser Gans jetzt mal meine Meinung.
„Gut geschlafen? Ja, das trifft es ziemlich genau, denn um ein Haar wären wir nicht mehr aufgewacht. Sie haben uns betäubt, indem Sie uns Schlafmittel ins Essen gemischt haben! Ist es nicht so, Esme?"
Ich sprach sie absichtlich mit ihrem Namen an, denn Namen bedeuteten Macht, das hatte ich früher schon gelernt und es verfehlte auch nicht seine Wirkung, denn sofort widmete sie mir ihre ganze Aufmerksamkeit.
Sie machte einen Schritt auf mich zu und streckte die Arme nach mir aus, anscheinend wollte sie mich umarmen, aber ich war nicht bereit schon wieder meine Individualdistanz aufzugeben und wich zurück. Seufzend ließ sie ihre Arme wieder sinken. Sie seufzte.
„Bella, Alice, ihr versteht da was völlig falsch! Wir wollten euch Ruhe verschaffen, ihr solltet euch mal richtig entspannen nach diesem aufregenden Tag gestern. Wir haben euch das ermöglicht, einen geruhsamen, tiefen, traumlosen Schlaf!"
Traumlos? Naja, dass hatte zumindest bei mir nicht funktioniert und wieder musste ich an diesen völlig absurden, durch starke Medikamente hervorgerufenen Traum denken. Diese durchdringenden grünen Augen, dieses perfekte Gesicht, aber dann fiel mir ein das er mich gebissen hatte und mein Blut trinken wollte. Wütend verbannte ich die Gedanken an Mr. Dracula und diesen verrückten Traum und konzentrierte mich wieder auf die Psycho Lady vor mir.
„…deshalb macht ihr euch jetzt erstmal frisch, geht frühstücken und kommt dann bitte in Carlisles Büro. Laurent wird euch in den Frühstücksraum führen und euch das Prozedere dort näher erklären."
Entsetzt tauschten Alice und ich Blicke aus, wir alleine mit einem Mann? Ich traute denen nicht weiter als meine Nase reichte, erstrecht nicht nach dieser demütigenden „Untersuchung" und der Schlafmittel Aktion.
„Ähm…Esme.." setzte ich an, aber weiter kam ich nicht denn sie fiel mir direkt ins Wort. „Es besteht kein Grund zur Besorgnis, Mädchen. Laurent ist absolut loyal und vertrauenswürdig des Weiteren ist er ein Eunuch und hat keinerlei sexuelle Bedürfnisse mehr. Ihr könnt ganz beruhigt sein, er ist euer persönlicher Schutzengel und wird immer ein Auge auf euch haben, wenn ich gerade nicht in der Nähe bin! Und jetzt Hopp Hopp, ihr Süßen!"
Damit war sie wieder durch die Tür gerauscht und hinterließ eine Wolke von süßem Parfüm. Alice schnaubte „Schutzengel? Kerkermeister trifft es wohl besser!"
Als wir gerade fertig waren, klopfte es kurz an die Tür und gleich darauf trat der dunkelhäutige Laurent ein, unser „Schutzengel", meine Güte, die hatten hier echt ein Talent dafür die Tatsachen zu verdrehen, oder hatten wir „Gegeteiltag"? Ich kam immer noch nicht darüber hinweg, dass dieser Mann kastriert war, nur damit er auf uns „aufpassen" konnte wie in einem orientalischen Harem.
Dann, wieder in einer unmenschlichen Schnelligkeit, stand er bei Alice und hatte ihr ihren Kopf an den kurzen Haaren nach hinten gerissen. Ein Schrei blieb mir im Hals stecken, als er ihr genüsslich über die Hauptschlagader leckte. Und dann, war er auch schon wieder verschwunden und wir waren alleine in meinem Zimmer.
Verdammt, was war das denn schon wieder? Alice blickte ängstlich zur Tür, durch die Jasper gerade verschwunden war. „Bella, dieser Typ macht mir echt Angst! Was will der nur von mir?" Langsam fuhr sie mit der Hand über ihren Hals, über die Stelle die eben Bekanntschaft mit Jaspers Zunge gemacht hatte und verharrte so. „Ich mein’ wenn er nicht so beängstigend wäre fände ich ihn total süß! Aber irgendwie hat er was Psychopathisches an sich, echt zum Gruseln! Und was sollte diese Bemerkung über seinen Bruder?"
Ich zuckte mit den Schultern. „Alice, keine Ahnung und ehrlich gesagt will ich es auch gar nicht wissen!"
Wir machten uns über unser Essen her, es schmeckte erstaunlicherweise köstlich und während wir aßen, merkten wir wie ausgehungert wir doch waren. Wann hatte ich eigentlich das letzte Mal was gegessen? Vor 10 Jahren? Schnell war alles verputzt und eine bleierne Müdigkeit überfiel mich fast augenblicklich, Alice ging es wohl nicht anderes denn sie stand auf und taumelte zum Bad aber an der Tür hielt sie inne und drehte sich zu mir um.
„Bella, ich…äh also…würde es dir was ausmachen wenn ich bei dir bleibe? Ich möchte nicht alleine schlafen!"
Ich rückte schwankend rüber zur Wand um ihr Platz in meinem Bett zu machen.
„Klar, Süße, kein Problem! Ich will auch nicht alleine bleiben!" gab ich zu. Der Gedanke ängstigte mich.
Sie tapste zu mir rüber, legte sich neben mich und wir beide kuschelten uns aneinander. Es war unglaublich, in der kurzen Zeit die wir zusammen verbracht hatten, war mir Alice schon richtig ans Herz gewachsen. Sie war so ein liebes Mädchen und hatte es bei Leibe nicht verdient, in so eine Hölle geworfen zu werden!
Und ich, ehrlich gesagt auch nicht.
Ok mein Leben war vor dieser Farce hier auch kein Zuckerschlecken, aber immerhin hatte ich mir immer das wichtigste für mich bewahrt, meine Freiheit! Immer, soweit ich denken konnte, auch dann noch als meine Eltern lebten, hatte ich meine Freiheit. Und jetzt war mir auch noch diese genommen worden! Ich war eine Gefangene, eine Sklavin!
Ich hatte nichts mehr, ich war leer, nur dieses zerbrechliches kleine Wesen neben mir lies mich durchhalten. Wir mussten hier raus, um jeden Preis! Und noch einmal ließ ich meine übermüdeten Augen durch „mein" Zimmer schweifen, immer auf der Suche nach einer Fluchtmöglichkeit. Wir konnten noch nicht mal hinaus in den Flur, denn in weiser Voraussicht hatte dieser Jasper das Zimmer abgeschlossen.
Meine Augen brannten mittlerweile wie Feuer und ich merkte wie ich in den Schlaf hinüberglitt, aber irgendwas war falsch, ganz und gar falsch! Ich konnte es nicht aufhalten, ich kämpfte dagegen an, das war keine normale Müdigkeit, das war…was anderes. Panisch versuchte ich Alice aufzuwecken.
„Alice, Alice Süße! Wach auf! Hier stimmt was nicht, ich glaube die haben uns irgendwas ins Essen gemischt! Ich fühl mich so komisch!"
Aber sie rührte sich nicht, sie war schon fest am schlafen und keine zehn Pferde würden sie jetzt wach bekommen. Mein Magen verknotete sich und mir brach der Schweiß aus, was sollte ich jetzt tun? Wir wären komplett ausgeliefert! Mit letzter Kraft versuchte ich aus dem Bett zu kommen und schaffte es mit Ach und Krach.
Was war hier nur los? Warum taten sie uns das an!?
Meine Beine fühlten sich wie Wackelpudding an, mein Schädel drohte zu explodieren als ich versuchte zur Tür zu kommen, doch das Mittel war stärker als ich und meine Beine knickten mir einfach unter meinem Körper weg. Hart schlug ich auf den Teppichboden auf, ehe mich wieder diese schon vertraute Schwärze umfing.
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„Isabella….Isabella…" von irgendwo her hörte ich diese wunderbare, seltsame Stimme die meinen Namen rief, doch ich konnte nichts sehen, mein Geist war im Nebel gefangen. Verbissen bemühte ich mich ihn abzuschütteln, aber je mehr ich kämpfte desto mehr schien mich der Nebel einzulullen. Doch diese Stimme lies mich nicht los, sie schien ganz nah zu sein.
„Isabella….wach auf, du musst aufwachen!"
Es war die Stimme eines Engels, ganz eindeutig. Genauso musste es sein, so einen wundervollen Klang konnte keine menschliche Stimme erzeugen. So rein und melodisch und doch eindeutig männlich. Ich wünschte der Engel, nein, mein Engel würde noch einmal zu mir sprechen, noch einmal wollte ich diesen süßen, himmlisch männlichen Klang hören.
„Isabella…wenn du nicht aufwachst sehe ich mich gezwungen Aro zu konsultieren!" verkündete dieses wunderbare Wesen und, bitte, DAS wirkte wie ein Eimer eiskaltes Wasser auf meinen vernebelten Verstand und ich schlug in blanker Panik die Augen auf.
Nein! Nicht der perverse Psychodoc!
Das erste was ich sah war das gleißende Licht einer Zimmerdecke, die mich so stark blendete, dass ich die Augen direkt wieder zukniff. Als ich einen zweiten Versuch wagte, war ich so schlau und blickte etwas tiefer, nicht direkt wieder in die verflixte Lampe.
Endlich registrierte mein Verstand, dass jemand neben mir auf dem Bett saß. Moment mal! Wie komme ich in ein Bett? Und das schlimmste: Es war nicht mein Bett. Ängstlich blickte ich auf die Person die auf der Bettkante saß. Er war doch tatsächlich dieser unheimlich schöne Typ von gestern Abend, der, mit diesen wunderbaren grünen Augen. Und jetzt, wo er mir so nah war, sah er noch tausendmal besser aus. Überirdisch! Er hatte ein schwarzes Hemd und Jeans an, die obersten Knöpfe des Hemdes waren nicht zugeknöpft und offenbarten eine makellose, haarlose Brust, die wie aus Alabaster gemeißelt wirkte. Seine bronzefarbenen Haare standen verwuschelter den je von seinem Kopf ab und es glitzerten kleine Wassertröpfchen darin, als hätte er gerade geduscht.
Göttlich!
Unwillkürlich entfuhr mir ein Schmachtseufzer, er war einfach perfekt. Verdammt, was dachte ich mir nur? Ich wusste gar nicht wie dieser Typ drauf war, geschweige denn warum er mich aus meinem Zimmer „entführt" hatte und was er jetzt mit mir vorhatte…
Er lächelte mich an und es war das gleiche „Raubtierlachen" welches auch Jasper drauf hatte. War das etwas sein Bruder? Seine Stimme war wunderbar, genauso wie ich sie im Nebel vernommen hatte. Samtweich, tief und süß: „Da bist du ja wieder, Isabella! Du hast mich ganz schön erschreckt! Weißt du das?"
Er fuhr mir mit den Fingerspitzen über die Wange und weiter in Richtung Hals. Über meiner Halsschlagader machte er schließlich halt und blickte mir tief in die Augen. Ich fühlte mich wie gelähmt, wie das Kaninchen das in die hypnotisierenden Augen einer Schlange blickte. Er beugte seinen Oberkörper vor und kam näher.
Ich hielt ganz still, ich konnte mich nicht entscheiden ob ich schreien und versuchen sollte wegzulaufen, oder ob ich mich hinlegen, die Arme öffnen und einfach schreien sollte: „Nimm mich!"
Doch mir blieb keine Zeit zum überlegen, während mein Verstand noch mit meiner Libido kämpfte kam sein Mund immer näher an mein Gesicht und berührte schließlich meine Schläfe und in meinem Körper breitete sich fast augenblicklich eine angenehme, wohlige Wärme aus. Er wanderte mit kleinen, feuchten Küssen mein Gesicht hinunter und knabberte schließlich an meinem Ohrläppchen. Gott, es fühlte sich so gut an, so voller Leidenschaft.
„Bella…oh Bella, das ist es! Ich will dich so sehr, dass es schmerzt!" hauchte dieser Wahnsinnstyp mir ins Ohr, schlagartig bekam mich eine gewaltige Gänsehaut!
Was wollte er so unbedingt? Mein Blut? Mein Leben oder meinen Körper?
Das war doch verrückt so was passiert doch nicht einfach so! Und dennoch spürte ich seinen samtenen Mund ganz deutlich an meinem Hals. Ich wollte gerade etwas sagen aber da packte er mich plötzlich an meinen Haaren und bog meinen Kopf zurück, genauso wie Jasper es heute bei Alice gemacht hatte.
Ich stöhnte vor Schmerz auf. "Das ist erst der Anfang, Liebes!" verkündete er unheilvoll und entblößte zwei lange scharfe und sehr spitze Fangzähne. Ehe ich reagieren, ja nur annähernd einen Gedanken fassen konnte, vergrub er diese in meiner Halsschlagader und ein scharfer Schmerz durchfuhr mich sogleich und lähmte mich.
„Bella, Bella! Hör auf zu schreien und wach auf!" hörte ich Alice’ Stimme ganz nah bei mir und schnell schlug ich die Augen auf. Wir waren in meinem Zimmer und ich lag auf dem Boden, Alice saß neben mir und hatte meine Schultern gepackt. Sie rüttelte an mir.
Verwirrt schüttelte ich den Kopf „Alice, was ist passiert? Wwo…ist der Engel hin?"
Jetzt war es an Alice verwirrt zu schauen. „Welcher Engel denn Bella? Hier war kein Engel, hier war niemand. Ich habe dich auf dem Boden liegend gefunden. Du musst gestürzt sein, du hast nämlich eine Schramme am Knie."
Sie deutete auf mein rechtes Bein und tatsächlich war das Knie aufgeschlagen und ein dünnes Rinnsal Blut sickerte fröhlich mein Knie herunter. Also hatte ich das alles nur geträumt? Das mit Mr. düster und sexy? Zum Teil war ich erleichtert und zum Teil aber auch enttäuscht. Denn das Kribbeln welches ich tief in mir gespürt hatte, hatte sich so lebendig angefühlt.
„Oh Bella, ich habe geschlafen wie eine Tote, normalerweise habe ich einen ganz leichten Schlaf und wache bei jeder Kleinigkeit auf, aber ich habe überhaupt nichts mitbekommen. Gar nichts! Komisch , oder? Ob es an dem krassen Tag gestern lag? Ich hab echt Angst, irgendwas stimmt doch nicht!"
Also hatte ich den Teil mit dem Schlafmittel nicht geträumt, dieser Teil war durchaus real.
Ich rappelte mich hoch „Ich glaube sie haben uns gestern Abend Schlafmittel ins Essen gemischt! Damit wir nicht versuchen abzuhauen." Schnaubend machte ich eine ausholende Geste die den Raum umfassen sollte. „Also ob wir aus dieser Festung fliehen könnten! Die haben bestimmt noch jede Menge Security um das Gelände hier. Verdammt noch mal, wir wissen rein gar nichts! Noch nicht mal in welchen Bundesstaat wir sind!"
Just hatte ich den Satz beendet als auch schon die Tür aufgeschlossen wurde und Esme den Raum betrat, tadellos und perfekt gekleidet wie schon am Vortag. „Guten Morgen ihr Lieben! Wie habt ihr geschlafen? Ich nehme an tief und fest, wie Babys!"
Ich konnte nicht mehr an mich halten und geigte dieser Gans jetzt mal meine Meinung.
„Gut geschlafen? Ja, das trifft es ziemlich genau, denn um ein Haar wären wir nicht mehr aufgewacht. Sie haben uns betäubt, indem Sie uns Schlafmittel ins Essen gemischt haben! Ist es nicht so, Esme?"
Ich sprach sie absichtlich mit ihrem Namen an, denn Namen bedeuteten Macht, das hatte ich früher schon gelernt und es verfehlte auch nicht seine Wirkung, denn sofort widmete sie mir ihre ganze Aufmerksamkeit.
Sie machte einen Schritt auf mich zu und streckte die Arme nach mir aus, anscheinend wollte sie mich umarmen, aber ich war nicht bereit schon wieder meine Individualdistanz aufzugeben und wich zurück. Seufzend ließ sie ihre Arme wieder sinken. Sie seufzte.
„Bella, Alice, ihr versteht da was völlig falsch! Wir wollten euch Ruhe verschaffen, ihr solltet euch mal richtig entspannen nach diesem aufregenden Tag gestern. Wir haben euch das ermöglicht, einen geruhsamen, tiefen, traumlosen Schlaf!"
Traumlos? Naja, dass hatte zumindest bei mir nicht funktioniert und wieder musste ich an diesen völlig absurden, durch starke Medikamente hervorgerufenen Traum denken. Diese durchdringenden grünen Augen, dieses perfekte Gesicht, aber dann fiel mir ein das er mich gebissen hatte und mein Blut trinken wollte. Wütend verbannte ich die Gedanken an Mr. Dracula und diesen verrückten Traum und konzentrierte mich wieder auf die Psycho Lady vor mir.
„…deshalb macht ihr euch jetzt erstmal frisch, geht frühstücken und kommt dann bitte in Carlisles Büro. Laurent wird euch in den Frühstücksraum führen und euch das Prozedere dort näher erklären."
Entsetzt tauschten Alice und ich Blicke aus, wir alleine mit einem Mann? Ich traute denen nicht weiter als meine Nase reichte, erstrecht nicht nach dieser demütigenden „Untersuchung" und der Schlafmittel Aktion.
„Ähm…Esme.." setzte ich an, aber weiter kam ich nicht denn sie fiel mir direkt ins Wort. „Es besteht kein Grund zur Besorgnis, Mädchen. Laurent ist absolut loyal und vertrauenswürdig des Weiteren ist er ein Eunuch und hat keinerlei sexuelle Bedürfnisse mehr. Ihr könnt ganz beruhigt sein, er ist euer persönlicher Schutzengel und wird immer ein Auge auf euch haben, wenn ich gerade nicht in der Nähe bin! Und jetzt Hopp Hopp, ihr Süßen!"
Damit war sie wieder durch die Tür gerauscht und hinterließ eine Wolke von süßem Parfüm. Alice schnaubte „Schutzengel? Kerkermeister trifft es wohl besser!"
Als wir gerade fertig waren, klopfte es kurz an die Tür und gleich darauf trat der dunkelhäutige Laurent ein, unser „Schutzengel", meine Güte, die hatten hier echt ein Talent dafür die Tatsachen zu verdrehen, oder hatten wir „Gegeteiltag"? Ich kam immer noch nicht darüber hinweg, dass dieser Mann kastriert war, nur damit er auf uns „aufpassen" konnte wie in einem orientalischen Harem.
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